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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 03:32 Uhr

The Voice of Vorpommern

vom

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erstellt am 03.Dez.2012 | 09:53 Uhr

Berlin/Greifswald. | Da steht sie nun und jetzt kann ihr niemand mehr helfen. Ganz in Schwarz. Die schwarze Mütze versteckt den Großteil der frisch rot gefärbten langen Haare. Isabell Schmidt will es mit ihrem Auftritt bei "The Voice of Germany" ins Halbfinale schaffen. Ein paar dezente Strass-Steinchen auf Jacke und Hose blitzen im Scheinwerferlicht und das Piercing in der Unterlippe auch. Zwei Gitarristen aus Nenas Band stärken Isa instrumental den Rücken. Und dann legt sie los, mit "Losing My Religion" …

Fans strömen in die Casting-Show

Ein paar Stunden zuvor: "Studio H - wie hier", gibt der Wachmann vor dem Studio H in Berlin-Adlershof den suchenden Zuschauern grinsend Auskunft. Wo geht’s denn bitte hier zu "The Voice"? Wo gibt es denn die begehrten Karten für die Live-TV-Show? So etwas wird er immer wieder von den heranströmenden Besuchern zur Sendung von "The Voice of Germany" (TVOG) gefragt. Seit Mitte Oktober steht Thomas Tischke Show-Abend für Show-Abend hier draußen und gibt wieder und wieder Auskunft und weist geduldig den rechten Weg zum Eingang von Studio H. "Drinnen wird nach drei, vier Stunden die Luft aba richtich dicke, bei über 1000 Leuten", gibt er sein Insider-Wissen preis. Er stehe da doch lieber hier auf der Studiostraße vor der Tür. An der frischen Luft. "Och, wennet heute Nacht drei Grad minus wern solln." Für jeden Passanten hat er einen Scherz parat. Ob der will oder nicht: "Bitte der Größe nach anstellen", "befiehlt" er einem Teenie-Trio, die mit Mutti zu den heißbegehrten Karten und den Stars und Sternchen ins Studio wollen. Auch für Iris Westphal hat er einen kessen Spruch, als sie erst nach dem Weg fragt, dann einen Stift borgen möchte und schließlich noch nach der Uhrzeit fragt und sich ungeduldig nach ihrer Begleitung umschaut. Die Blondine stammt ursprünglich aus Jarmen und beobachtet aus altem Lokalpatriotismus "natürlich" die Kandidaten aus Mecklenburg-Vorpommern mit besonderer Aufmerksamkeit.

Mitfiebern mit letzter Kandidatin aus MV

"Der Marcel Beuter war schon sehr gut", taxiert Iris Westphal die Kandidaten aus dem Norden. "Schade eigentlich, dass der raus ist." Am besten und spannendsten seien ohnehin die "Blind Auditions" gewesen. So heißen die ersten Runden von TVOG, in der die prominenten Talentscouts die Kandidaten erst zu Gesicht bekommen, wenn sie von deren Stimme überzeugt sind. Wenn Nena, Xavier Naidoo, die beiden Boss-Hoss-Jungs und Rea Garvey in dieser Vorrunde glaubten, ein echtes Talent zu hören, hauen sie auf den fetten roten Knopf und zeigen so die Bereitschaft an, diesen Sänger oder diese Sängerin in ihr Team aufzunehmen und für die Shows zu coachen.

Marcel Beuter aus Neubrandenburg schaffte es so ins Team BossHoss und flog beim ersten "Battle" raus. Sebastian Hämer aus dem Ostseebad Prerow hatte 2006 einen Top-Hit in den deutschen Charts. Der gelernte Hotelkaufmann trat 2010 mit dem Lied "Is’ schon ok" für Mecklenburg-Vorpommern bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest an und belegte dort den 10. Platz. Und nun wollte Hämer in diesem Jahr im Team von Rea Garvey ein Comeback starten. Erst überzeugte er mit "Sag einfach ja" von Tim Bendzko aus Berlin. Doch im Battle gegen Karo Fruhner wurde er bereits vor den Liveshows geschlagen. Der Sänger nahm es gelassen. Er unterstützt mit einem Lied die Rostocker Kinderhilfsorganisation "Frogs for Future".

Dem Norden bleibt nun nur noch das Mitfiebern mit Isabell Schmidt aus Greifswald. So wie es die Ex-Jarmenerin Iris und das norddeutsche Häuflein Aufrechter im Saal rings um Isas Schwester Anika tun. Anika ist es überhaupt zu verdanken, dass Isabell in die Show kam. Sie hat sie nicht nur angemeldet, sondern organisiert nun auch den Fan-Block, hat weiße T-Shirts mit Isas-Konterfei anfertigen lassen. Eins davon spannt sich prall über ihren Baby-Bauch. "Es wird ein Junge und hoffentlich musikalisch", sagt sie strahlend im Studio H. Und wendet sich schnell wieder der großen roten Show-Bühne zu, auf der Schwesterchen gleich ins Rennen ums Halbfinale geht.

In dieser Runde tritt Isa (23) aus Greifswald gegen Eva aus Karlsruhe an. Eva Croissant versucht ihr Glück im Sängerwettstreit mit dem deutschen Titel und Ohrwurm "Still" von Jupiter Jones. "Jedes Wort, das sie singt, fühlt sie auch", kündigt die Nena, Talent-Patin der beiden jungen Frauen, "ihre" Eva an. Zu Isabell bemerkt die Deutsch-Rockerin, die selbst vor knapp 30 Jahren in der Neuen Deutschen Welle mit "99 Luftballons" in den Starhimmel flog: "Eine ganz taffe Frau! Ihre zurückhaltende Art wird in ihrem Fall Stärke bedeuten. Macht euch mal nichts vor." Mit solchen Worten schickt Nena ihr zweites Ass auf die Bühne. Isa soll den ausgewählten Welthit von R.E.M., "Losing My Religion", zu ihrem eigenen Lied machen.

Und da steht sie nun. Und wie sie loslegt! Gänsehaut im Studio H schon beim ruhigen Intro. Ganz dezente Bewegungen von Isa auf der Bühne. Und dann rockt die Kühle aus dem Norden mit einer Power-Stimme das Berliner Studio. Das Publikum springt auf. "Vielleicht hat sie ihre ,Religion verloren, aber nicht ihre Fähigkeit, die Halle zum Kochen zu bringen", wird später auf der Website der Show stehen.

Aber noch ist nichts gewonnen. Die Profi-Coaches sind sich in einem einig: Die beiden Sängerinnen vom Team Nena sind schwer zu vergleichen. Und Nena selbst bleibt nichts anderes übrig, als "überzeugter Feigling" zu sein und Beiden jeweils die Hälfte ihrer Stimmanteile zu geben. "Zwei Super-Ladys", sagt sie, stolz über ihre Zöglinge. Die wettstreitenden Sängerinnen stehen schließlich lächelnd auf der Bühne, Arme um die Schultern gelegt und warten auf das entscheidende Publikums-Urteil. Der Voting-Balken beginnt zu wachsen. Isabell liegt schließlich mit 107,68 Prozent deutlich vor ihrer Mitstreiterin. "Eva, wir trinken gleich einen Tee zusammen", ruft die kühle Norddeutsche dann doch heftig bewegt ihrer Kollegin live und über den Sender hinterher. Das Versprechen hat sie hinter den Kulissen später eingelöst.

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