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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 18:58 Uhr

Straßen in MV : Thälmann lebt und Lenin auch

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Straße der DSF hält sich mancherorts in MV hartnäckig, und auch der erste DDR-Präsident Pieck grüßt noch von Straßenschildern

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Straßennamen aus DDR-Zeit gibt es trotz einer großen Umbenennungswelle Anfang der 1990er Jahre in Mecklenburg-Vorpommern immer noch. Wilhelm-Pieck-Straßen, die an den ersten Präsidenten der DDR erinnern, existieren zum Beispiel in Neukalen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), Malchow und Krakow am See. Eine Leninstraße hat sich in Parchim erhalten, ein Marx-Engels-Platz in Mestlin (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Am häufigsten aber sind Ernst-Thälmann-Straßen. Von Altwarp bis Vellahn findet sich der KPD-Führer, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde und nach dem die Pionierorganisation der DDR benannt war, auf vielen Straßenschildern.„Ich bin nicht der Meinung, dass heute noch Straßen und Plätze nach Thälmann benannt sein sollten“, sagt Martin Klähn von der Vereinigung Politische Memoriale Mecklenburg-Vorpommern. „Er war Stalinist.“ Als KPD-Führer in der Weimarer Republik sei er von Moskau aus gesteuert worden. „Dass er im KZ gesessen hat, ist eine andere Geschichte.“ Auch Wilhelm Pieck ordnet Klähn in die Reihe der Stalinisten ein.

Gleichwohl respektiere er, wenn eine Gemeinde entscheidet, dass ein Straßenname bleiben soll. Denkbar seien dann erklärende Schilder unter dem Straßennamen, mit denen die betreffende Person in den geschichtlichen Kontext eingeordnet wird. So könne Thälmann auch als eine Art Stolperstein gesehen werden: „Dass künftige Generationen darüber stolpern und fragen, was war das für einer, wer könnte das gewesen sein.“ Debatten über Straßennamen müssten immer aus einer Gemeinde selbst kommen, betont Klähn.

Eine Diskussion gibt es seit längerem in Rostock um die Ilja-Ehrenburg-Straße, wie Stadtsprecher Ulrich Kunze berichtet.„Momentan gibt es aber keine Mehrheit, da etwas zu verändern.“ Ilja Ehrenburg (1891-1967) war einer der wichtigsten sowjetischen Dichter. Anfang der 1990er Jahre wurde nach Kunzes Worten in Rostock etwa jede zehnte der damals rund 800 Straßen umbenannt.

Heiko Karmoll, der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Güstrower Stadtvertretung, hat ganz eigene Erfahrungen mit der Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) in einem Plattenbaugebiet seiner Stadt gesammelt. Er war 1999 für einen anderen Namen, doch er musste erkennen: „Die Leute sind da sehr emotional, sie wollten partout keine Umbenennung.“ Dabei habe auch die Sorge vor dem Aufwand und den Kosten eine Rolle gespielt, unter anderem müssten Ausweispapiere umgeschrieben werden. In der Gegend wohnten viele ältere Leute. Sein Fazit: „Wir gehen das nicht nochmal an.“ Erklärende Schilder seien im Gespräch gewesen, es sei aber nichts daraus geworden. Straßen der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft gibt es auch noch in Brüsewitz und Dabel.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Siggelkow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), Angelika Lübcke, steht zur Ernst-Thälmann-Straße in ihrem Ort. „Über die Thälmannstraße gibt es bei uns keine Diskussion, er gehört zur Geschichte dazu“, sagt sie.

Auch in der Universitätsstadt Greifswald gibt es einen Ernst-Thälmann-Ring. Stadtsprecherin Bärbel Lenuck sagte: „Wir haben in jeder Straße, die nach einer Persönlichkeit benannt ist, an einem Standort ein Schild mit Informationen zur Persönlichkeit, so auch im Thälmann-Ring.“ Viele junge Menschen ohne DDR-Erfahrung wissen gar nicht, was sich hinter einer Straße der DSF verbirgt. Auch die MTS-Straßen, die es unter anderem in Mestlin und Altenkirchen bis heute gibt, dürften manchem Rätsel aufgeben. Die Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) gab es bis in die 1960er Jahre hinein - sie stellten Technik für Bauern und später Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) zur Verfügung.

Denkmäler aus Nachkriegs- und DDR-Zeit stehen mancherorts ebenfalls noch, zum Beispiel in Lalendorf (Landkreis Rostock) das letzte sowjetische Panzerdenkmal des Landes, in Stralsund ein Thälmann-Denkmal und im Schweriner Plattenbaugebiet Dreesch die westlichste Lenin-Statue Europas. Der Lenin wurde mit einer erklärenden Tafel versehen, wie eine Stadtsprecherin sagt.

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