Bestattungen in MV : Teurer Leerstand auf Friedhöfen

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Viele Anlagen in MV haben mehr Platz als nötig – das kostet Millionen

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20. April 2018, 05:00 Uhr

Urne statt Sarg - Streuwiese statt Erdgrab. Der Trend zu alternativen Bestattungsformen ist auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich spürbar. „Erdbestattungen sind inzwischen die Ausnahmen“, sagt die Werkleiterin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen in Schwerin, Ilka Wilczek. Angehörige wählten auch immer häufiger neue Angebote wie Gemeinschaftsgrabstätten oder Streuwiesen. Doch die sinkende Nachfrage nach klassischen Beisetzungen sorgt für Probleme.

Durch die preiswerteren Urnenbestattungen fließt weniger Geld in die Friedhofskassen. Ein weiteres Dilemma: Urnen sind platzsparender. „Die Friedhöfe haben mehr Platz, als sie für Beerdigungen benötigen“, erklärt Michael C. Albrecht vom Verband der Friedhofsverwalter. Von den 425 Millionen Quadratmetern auf den 32000 deutschen Friedhöfen sind nach Angaben des Instituts für kommunale Hauswirtschaft 165 Millionen Quadratmeter ungenutzt. Für die Unterhaltung der Flächen müssen aber trotzdem jährlich Millionen aufgebracht werden. „Auch bei gering belegten Grabfeldern müssen Wege in Schuss gehalten werden, Schnee geräumt und Bäume aus Sicherheitsgründen beschnitten werden“, so Albrecht.

Die Tendenz, dass auf kommunalen Friedhöfen immer weniger Flächen für Grabfelder benötigt werden, verzeichnet man auch in Neubrandenburg und Schwerin. Auf dem Wismarer Friedhof etwa sind rund 12,5 ha für Gräber vorgesehen. Etwa ein Drittel dieser Fläche sei derzeit nicht belegt, teilt Stadtsprecher Marco Tunk mit. „Es entstehen Rasenlücken, deren aufwendige Pflege an die Friedhofsverwaltung fällt“, sagt Tunk.

Der Leerstand kann auch für Angehörige teuer werden. „Zur Kostendeckung wird der Pflegeaufwand häufig auf die Friedhofsgebühren umgelegt“, erklärt Albrecht. Zuletzt waren die kommunalen Friedhofsgebühren 2013 in MV kräftig angestiegen: Laut Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge betrugen die Preissteigerungen bis zu 140 Prozent.

Viele Friedhofsverwaltungen haben bereits alternative Nutzungskonzepte für freie Flächen entwickelt: In Schwerin werden sie in Grünanlagen umgewandelt. Und in Stralsund verzichtete man gleich ganz auf einen weiteren Friedhof.  Udo Roll

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