Neues Pumpsystem für Abwasserentsorgung : Teure Starkstromanschlüsse verärgern

Die Abwasserentsorgung in Pinnow ist erneuert - und bringt manchen Anliegern Verdruss. Denn sie werden kräftig zur Kasse gebeten. Außerdem sind die Abläufe für manche Pinnower schwer verständlich.

svz.de von
08. Juli 2012, 09:07 Uhr

Pinnow | Die Abwasserentsorgung in Pinnow ist erneuert - und bringt manchen Anliegern Verdruss. Denn sie werden kräftig zur Kasse gebeten. Außerdem sind die Abläufe, wer welche Arbeiten ausführte, für manche Pinnower schwer verständlich. Michael Sadzio wohnt mit seiner Familie in Pinnow. Auch bei ihm hat der Zweckverband Schweriner Umland die Abwasserentsorgung auf den gesetzlich vorgeschrieben Stand gebracht. Seine Verwunderung erklärt er so: "Knackpunkt und aus meiner Sicht gern hinterfragbar sind in diesem Zusammenhang die Verbindungen vom Vorstandsvorsteher des Zweckverbandes - der Verband hat die Anschluss- und Sanierungsarbeiten beschlossen - und der Elektrofirma Ihde aus Crivitz - sie hat für die Wemag und Wemag-Netz die Arbeiten ausgeführt. Beide werden durch Georg Ihde vertreten. Der eine beschließt, dass der andere Aufträge bekommt?"

Die Situation: In Zusammenarbeit mit der Wemag-Netz GmbH wurden auch in Pinnow Netzsanierungen und Anschlüsse von Abwasserleitungen geplant und vorgenommen. Mit dem Umstellen auf die neue Abwassertechnik, auf Pumpen, wurden Starkstromanschlüsse nötig. Die anteilige Beteiligung der Anlieger an den Investitionen belaste die Pinnower laut Michael Sadzio mit 8000 bis 14 000 Euro.

SVZ fragte nach. Kay Cieslak, Betriebsleiter des Zweckverbandes, betont, dass die Erschließung erfolgte, weil es Vorgaben von der Unteren Wasserbehörde gab. Das Land dränge seit Jahren darauf, dass im Interesse sauberer Gewässer auch das Abwasser aus Kleinkläranlagen biologisch gereinigt wird. Die Unteren Wasserbehörden bei den Kreisverwaltungen setzen das mit entsprechenden Verordnungen durch. Denn das Areal liegt nicht nur idyllisch am Pinnower See, sondern auch in der Trinkwasserschutzzone des Pinnower Wasserwerkes und seiner Brunnen. Doch der Bau einer gut 3000 Meter langen Druckleitung kostet etwa 375 000 Euro. An diesen Kosten mussten sich die Anwohner beteiligen - mit rund einem Drittel. Der Zweckverband trug zwei Drittel der Kosten aus seinem Haushalt. Die Anwohner wiederum müssen die Hauspumpwerke auf ihren Grundstücken selbst errichten und betreiben. "Wir haben mit Stromanschlüssen nichts zu tun. Das ist allein Sache der Wemag", sagt Cieslak.

In Pinnow wurden insgesamt 150 Abwasserpumpen installiert. Der erhöhte Strombedarf führte dazu, dass das Stromnetz der Wemag erneuert und die einzelnen Grundstücke neu angeschlossen werden mussten. Dass die Wemag der Firma Ihde den Auftrag übertragen hat, habe nichts mit vermeintlicher Vetternwirtschaft zu tun. Laut Georg Ihde bestehe zwischen der Arbeit des Zweckverbandes und den Wemag-Arbeiten keine Verbindung. "Ich bin mit meinem Betrieb bei der Wemag seit 20 Jahren gelistet. 17 verschiedene Firmen sind auf Abruf für die Wemag tätig. Dass ich diesen Auftrag erhalten habe, ist zufällig. Ich bin kein Partner der Hauseigentümer, sondern nur der Wemag."

Der 69-Jährige Georg Ihde ist 1996 zum Vorsteher des Zweckverbandes gewählt worden - er war der fünfte seit der Gründung im Jahr 1992. Kontinuierlich konnten im Laufe der Jahre die Gebühren für Trinkwasser und Abwasser gesenkt werden. Sie betragen jetzt bei Trinkwasser 1,47 Euro plus jährliche Grundgebühr von 32,74 Euro und bei Abwasser 2,65 Euro plus jährliche Grundgebühr von 60 Euro. Die Preise gelten in allen Kommunen, egal ob große oder kleine. In der Vergangenheit hatte es noch es sieben verschiedene Gebührenzonen gegeben.

Zwei Millionen Kubikmeter Trinkwasser verkauft der Zweckverband Schweriner Umland im Jahr und versorgt damit rund 49 000 Einwohner in seinen Mitgliedsgemeinden. Zugleich entsorgt er im Jahr 1,5 Millionen Kubikmeter Abwasser. Dafür nutzt der Verband 17 eigene Kläranlagen. Der Großteil des Schmutzwassers aber - etwa zwei Drittel - werden im Schweriner Klärwerk gereinigt.


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