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Training in Mecklenburg-Vorpommern : Testflug mit "Tante Ju"

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Piloten der Lufthansa fliegen derzeit in MV mit dem Traditionsflugzeug „Tante Ju“. Vom Flugplatz Lärz aus starten insgesamt 25 Piloten zu Testflügen. Mit den Checks wollen sie ihre Lizenz für die Junker erneuern.

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erstellt am 12.Apr.2012 | 10:00 Uhr

Rechlin | Dicht aneinandergedrängt sitzen Pilot, Copilot und Bordingenieur im Cockpit der "Tante Ju". Normalerweise ist Lufthansa-Pilot Benno Herrmann im Flight Deck seines Airbusses 320 mehr Bewegungsfreiheit gewohnt. Trotzdem findet er es urgemütlich an Bord des bekanntesten deutschen Flugzeugs. Hinter dem großen hölzernen Lenkrad der 1936 gebauten Junkers 52 erlebe man noch ursprüngliches Fliegen, schwärmt der 49-jährige Flugkapitän. Schon sein Vater habe diese Maschine begeistert geflogen.

Über Funk gibt der Tower des kleinen Flugplatzes Lärz bei Rechlin (Mecklenburgische Seenplatte) gestern die Erlaubnis zum ersten Testflug von "Tante Ju" in dieser Saison. Herrmann drückt auf den Starter und lässt die drei 3,33 Meter großen Propeller nacheinander durchlaufen.

Mit einem Handschwengel wird Treibstoff in die Motoren gepumpt, erst dann zünden die 660 PS-Motoren. Flugingenieur Miguel Bollinger erhöht die Drehzahl auf 16 000 und lässt die Motoren zum Leben erwachen. Einige Minuten lang dröhnt ein satter dumpfer Sound über das Rollfeld bis die Maschine auf Betriebstemperatur ist. Dann bewegt sich die Grand Dame der deutschen Luftfahrt auf die Startbahn. Schließlich gibt der Kapitän Vollgas, und nach 400 Metern hebt die Maschine zum Flug nach Neubrandenburg ab. Mehr als eine Stunde lang absolviert an diesem Tag die Crew - allesamt erfahrene Experten der Lufthansa - diverse Manöver. Die Tests reichten vom Durchstarten nach der Landung bis zum simulierten Motorenausfall, sagt Flugbetriebsleiter Gorg Kohne von der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung.

Einmal im Jahr müssen die 25 zuglassenen Piloten zur Erneuerung ihrer Tante Ju-Lizenz diese Übungsflüge absolvieren. Seit 14 Jahren nutzen sie dafür den ruhigen Müritzflugplatz Lärz, auf dem zu DDR-Zeiten sowjetische MiG´s und Hubschrauber starteten. "Der noch sehr ruhige Flugbetrieb zum Saisonstart ist ideal für unsere zweiwöchigen Tests", sagt der 55-jährige Ausbildungskapitän.

Mehr als 200 000 Touristen haben in den vergangenen 26 Jahren schon Rund- und Streckenflüge an Bord des Traditionsfliegers erlebt. Jährlich startet die "Tante Ju" zu 600 Flügen in ganz Deutschland.

Begehrt ist die dreimotorige Verkehrsmaschine aber auch bei Lufthansa-Kommandanten. Um eine Stelle als Ju-52-Pilot bewerben sich derzeit 170 Flugkapitäne. Wer die Lizenz bekommt, darf die Maschine bis zum Alter von 65 Jahren steuern. "Tante Ju" selbst werde deutlich später in den Ruhestand versetzt, sagt Kohne. Der fliegende Oldtimer, der im vergangenen Jahr 75 wurde, soll voraussichtlich noch bis zum 100. Jubiläum in die Luft gehen.

Größere Sicherheitsprobleme habe es bislang nicht gegeben, versichert Kohne. Ein fünfköpfiges Technikerteam absolviert tägliche Checks. Und jeden Winter wird die Maschine in Hamburg fast komplett auseinandergenommen, damit jedes Teil mit Spezialtechnik untersucht und wenn nötig ausgetauscht werden kann.

Museumsreif seit die "Tante Ju" nur auf den ersten Blick, bestätigen die Piloten. Denn in ihrem Innern verberge sich längst auch moderne Navigations- und Kommunikationstechnik, die zum Beispiel auch den Instrumentenflug ermögliche. Während des Testflugs gestern probierten Experten auch erstmals den Einsatz eines neuen Gerätes, das sogar in der Nähe befindliche Segelflugzeuge erfasst und rechtzeitig vor einer drohenden Kollision warnt.

Bestanden hat gestern auch Pilot Benno Herrmann. In diesem Jahr werde er hoffentlich wieder möglichst viele Traditionsflüge übernehmen, sagt er. Zunächst aber startet er mal wieder mit dem Airbus zum Linienflug nach Lissabon.

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