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Terrorverdacht: Razzia in der Nähe von Wismar

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erstellt am 17.Jul.2013 | 08:25 Uhr

Schwerin/Karlsruhe | Die Bundesanwaltschaft ist gestern mit einer europaweiten Razzia gegen ein rechtsextremes "Werwolf-Kommando" vorgegangen. Verdacht: Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Die Gruppe habe Gewalttaten verüben wollen, um das "politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen", so die oberste Anklagebehörde. Konkrete Hinweise auf Anschläge hätten die Ermittler bislang nicht. Festnahmen gab es auch keine.

Eine Spur führt nach Mecklenburg-Vorpommern. "In der Nähe von Wismar ist die Wohnung eines Tatverdächtigen durchsucht worden", bestätigte gestern ein Sprecher der Bundesanwaltschaft gegenüber unserer Redaktion. Nähere Angaben wollte der Behördensprecher nicht machen. Nach Informationen aus Polizeikreisen durchsuchten Beamte ein Objekt in Blowatz (Landkreis Nordwestmecklenburg). Das Haus soll im vergangenen Jahr der Hamburger Heiko W. (Foto) gekauft haben. Der 32-Jährige betreibt einen Internethandel und gehört seit Jahren zum harten Kern der Neonazi-Szene in Norddeutschland. Gestern hatte Spiegel Online gemeldet, dass Heiko W. zu den sechs Personen gehöre, bei denen die Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum "Werwolf-Kommando" Durchsuchungen durchführt hatte.

"Spätestens seit 2005 ist Heiko W. auch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv und hat unter anderem an Aufmärschen in Rostock und Wismar teilgenommen", sagte der Rechtsextremismusexperte Günther Hoffmann. Ein Bild von einer Demonstration im Oktober 2012 in Wismar zeigt Heiko W. mit einem Spruchband und der Aufschrift "Die Schonzeit ist vorbei... Nationalen Sozialismus durchsetzen... Mit allen Mitteln... Auf allen Ebenen..." Unterzeichnet hatten den Aufruf eine "Weisse Wölfe Terrorcrew" und ein "Hamburger Nationalkollektiv".

Die Polizei durchsuchte gestern ebenfalls Wohnungen in Niedersachsen und in Holland. Außerdem wurden zwei Gefängniszellen in der Schweiz von Beamten untersucht. Bei der Razzia seien schriftliche Unterlagen und Computer sichergestellt worden, hieß es.

Mit der Aktion sollten Beweise für mögliche Anschlagspläne gefunden werden. Als Vorbild habe der Gruppe die "Werwolf"-Taktik der Nazis im Zweiten Weltkrieg gedient, die kurz vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes Guerilla-Einheiten in den Kampf schicken wollten. In Deutschland waren etwa 50 Polizisten bei der Razzia im Einsatz.

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