Streit um E10 in MV : Tempolimit statt Agrarsprit

Umstrittener Biosprit - auch in Mecklenburg-Vorpommerndpa
Umstrittener Biosprit - auch in Mecklenburg-Vorpommerndpa

Die einen halten ihn für einen wirtschaftlichen Flop und für umweltpolitisch bedenklich, die anderen wollen ihn erhalten – den Biosprit E10.

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03. September 2012, 10:31 Uhr

Schwerin | Die einen halten ihn für einen wirtschaftlichen Flop und für umweltpolitisch bedenklich, die anderen wollen ihn erhalten - den Biosprit E10. Der Forderung von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nach einem Aussetzen der E10-Produktion haben sich mittlerweile viele angeschlossen. Ebenso gibt es Kritiker des Vorstoßes.

Auch im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern sind die Meinungen geteilt. Für unnötig hält Corinna Cwielag, Landes-Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation BUND, den Treibstoff. "Die Lösung der Klimaprobleme durch den Autoverkehr mit immer schnelleren und kraftstoffverbrauchenden Autos liegt nicht im Agrarsprit. Viel effizienter wäre ein Tempolimit", findet sie. Denn eine solche Geschwindigkeitsgrenze spare auch Sprit und damit Kohlendioxidbelastung. Zudem sei die Umweltverträglichkeit von Agrosprit nach diversen Berechnungen fraglich - Experten gingen sogar von steigenden Emissionen durch E10 aus, sagt Cwielag. Und andere Kritiker bemängeln: Die zur Produktion von E10-Grundstoffen benötigten Agrarflächen stünden in Konkurrenz zu den Flächen, die für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Das wiederum trage zur Spekulation mit Nahrungsmitteln bei.

Der für diese Flächen verantwortlich zeichnende Agrar- und Umweltminister Till Backhaus hält sich auf Nachfrage unserer Redaktion jedoch zurück und verweist auf die Zuständigkeit von Verkehrsminister Volker Schlotmann (beide SPD). Der wiederum sieht MV weniger betroffen: "In Deutschland werden durchschnittlich zwei Prozent der Ackerfläche für die Produktion von Biokraftstoffen verwendet. In unserem Land sind es etwa 3 Prozent der Ackerfläche. Damit kann man nicht attestieren, dass es eine kritische Verdrängung von Nahrungs- und Futtermittelanbau zugunsten von Biokraftstoffen gebe", hält er den Kritikern entgegen. Im internationalen Maßstab sehe dieses Verhältnis regional betrachtet allerdings häufig anders aus. So gäbe es Regionen, in denen bis zu 30 Prozent der Ackerfläche für Biokraftstoffe genutzt werden. Das sei in der Tat ein Problem, meint der Minister. Grundsätzlich müsse aber über den Wirkungsgrad von Biokraftstoffen geredet werden. Bei Verbrennungsmotoren in Autos würden Biokraftstoffe einen maximalen Wirkungsgrad von 45 Prozent entfalten. In Blockheizkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung liege der Wirkungsgrad indes deutlich höher. Und auch der Wirkungsgrad von Öl in Automotoren liege deutlich unter dem Wirkungsgrad einer Verstromung mit Kraft-Wärmekopplung. "Deshalb ist die grundsätzliche Debatte um Mobilität viel entscheidender als die Debatte um den Kraftstoff", so Schlotmann.

Der Bauernverband MV hält auch nichts von einem Produktionsstopp von E10. Zwar sei es schon ein ethisches Problem, wenn sich die Frage nach Teller oder Tank stelle, sagt Geschäftsführer Martin Piehl. "Aber lang- oder sogar mittelfristig müssen wir uns für das kleinere Übel entscheiden - die weitere Freisetzung von Kohlendioxid oder die Produktion von Beimischungsmitteln." Auch habe die Landwirtschaft in ihrer Geschichte schon immer Energie in Größenordnungen bereitgestellt - bis zur Erfindung des Dieselmotors etwa durch die Produktion von Hafer für die Pferde.

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