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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 09:15 Uhr

Temporeduzierung : Tempo 80 auf Landstraßen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Unfalltod lauert vor allem auf kleineren Strecken / Fachleute halten Temporeduzierung für ein Gegenmittel

Eine Fahranfängerin gerät in den Gegenverkehr, es kracht, der Fahrer des entgegenkommenden Autos ist tot. Ein junger Mann kommt von der Straße ab, der Wagen überschlägt sich, der Fahrer stirbt im Krankenhaus. Ein missglücktes Überholmanöver, das Auto schleudert gegen einen Baum, für die Beifahrerin kommt jede Hilfe zu spät.

Unfälle wie diese sind typisch, sagt Siegfried Brockmann, Unfallforscher beim Gesamtverband deutscher Versicherungen (GDV).
Fast zwei Drittel der Verkehrstoten in Deutschland ist nach Unfällen auf Landstraßen zu beklagen. 2013 waren es 1934 Opfer. Nach jüngsten Hochrechnungen könnten es 2014 sogar noch etwas mehr gewesen sein.

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar (28. bis 30.1.) wollen Experten in dieser Woche deshalb darüber beraten, wie die etwa 200 000 Kilometer Landstraße in Deutschland sicherer gemacht werden könnten.

Denn viele Landstraßen sind schmal, kurvig, haben unbefestigte Seitenstreifen und bieten schlechte Sicht zum Überholen. Für die allgemein zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern seien sie nicht gebaut, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). „Für Straßen, die weniger als sechs Meter breit sind, sollte es deshalb ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern geben“, fordert Kellner.

Zustimmung erhält er von Kay Nehm, dem Präsidenten des Verkehrsgerichtstages. „Um die Unfallzahlen auf Landstraßen zu senken, muss man mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen einführen.“ Das sei sinnvoll, findet Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. Auch für Unfallforscher Brockmann steht fest: „Auf schmalen Landstraßen sollte grundsätzlich höchstens Tempo 80 erlaubt sein.“ Das gelte auch für Alleen. Brockmann warnt: Die von Bäumen ausgehende Gefahr werde von Autofahrern in der Regel unterschätzt.

Und das hat Folgen: „Etwa 20 Prozent aller Verkehrstoten sind nach Unfällen an Bäumen zu beklagen“, sagt Kellner. „Das ist irrsinnig. Wir müssen da etwas tun.“

Ein Mittel: Leitplanken an Alleen. „Dadurch könnte die Wucht des Aufpralls gemindert werden.“ Auch mehr Überholverbote könnten zur Sicherheit beitragen, meint Kellner. Dabei wäre für ihn die ideale Landstraße dreispurig. „Wenn mal die eine und dann die andere Seite überholen kann, ist der Überholdruck nicht da.“ Für die dritte Spur plädiert auch der ACE Autoclub Europa: „Diese Spuren verhindern tödliche Überholmanöver mit Frontalcrashs“, sagt Sprecher Rainer Hillgärtner.

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