Schulsystem : Teilzeitarbeit und Lohnverzicht sind vorbei

Das Lehrerpersonalkonzept läuft aus – die Bildungsgewerkschaft GEW fordert nun ein langfristiges Personalentwicklungskonzept

svz.de von
29. Juli 2014, 07:29 Uhr

Nach 19 Jahren ist für die Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern Schluss mit Zwangsteilzeit und Lohnverzicht. An diesem Donnerstag läuft nach 19-jähriger Dauer das Lehrerpersonalkonzept endgültig aus, das den Pädagogen mit deren Einverständnis solche Maßnahmen auferlegt hatte. „Das war ein solidarischer Kraftakt, der den Lehrern und Lehrerinnen im Land eine zweite Kündigungswelle wie 1992 erspart hat. Damals hatten 4700 Lehrer ihren Job verloren“, erinnerte sich die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Annette Lindner.

Mit dem 1995 vereinbarten Lehrerpersonalkonzept wurden die sinkenden Lehrerstunden auf die vorhandenen Pädagogen aufgeteilt. Den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bezahlten sie laut Lindner mit Lohneinbußen von zeitweise bis zu 35 Prozent, verbunden mit dem Verzicht auf Rentenansprüche. „Das war für viele hart, aber es war ein sozialverträglicher Weg.“ Nach Schätzungen des Beamtenbundes wurden so im Land 5000 bis 6000 betriebsbedingte Lehrer-Kündigungen vermieden.

Der dramatische Schülerrückgang Mitte der 1990er Jahre als Folge des Geburtenknicks hatte Gewerkschaften und Politik zum Handeln gezwungen. Von knapp 300 000 sank die Schülerzahl im Land zeitweise unter 130 000. Damit ging auch der Bedarf an Lehrern zurück. Laut Bildungsministerium waren 1992 unmittelbar vor Abschluss des Lehrerpersonalkonzeptes an den staatlichen allgemeinbildenden und Berufsschulen 22 488 Pädagogen beschäftigt. Im Schuljahr 2013/2014 seien es mit 11 241 nur noch halb so viele gewesen.

Das Konzept hatte je nach Schulart eine zeitlich gestaffelte Rückkehr zur Vollzeitbeschäftigung vorgesehen, beginnend mit den Lehrern an Grundschulen. Für Lehrer an Regionalschulen und Gymnasien endet die Zwangsteilzeit planmäßig zum 31. Juli 2014. Auf dieses Datum vorgezogen wurden die Berufsschulen, für die Zwangsteilzeit und Gehaltsverzicht ursprünglich bis zum Schuljahr 2016/17 gelten sollten, die mittlerweile aber vielfach unter Personalmangel leiden. Die daraus resultierenden Zusatzkosten von rund 1,5 Millionen Euro werden nach Angaben von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) aus dem 50-Millionen-Bildungspaket der SPD/CDU-Regierung finanziert. GEW-Landeschefin Lindner forderte von Brodkorb, nach dem Ende des Lehrerpersonalkonzepts nun für die Bildung ein zielgerichtetes Personalentwicklungskonzept vorzulegen. „Es muss fach- und schulartengenau sein, eine systematische Weiterbildung der Pädagogen beinhalten und der Lehrergesundheit mehr Raum geben.“ Dazu sollten auch Altersteilzeitmodelle entwickelt werden, die „älteren Pädagogen erlauben, gesund in die Rente zu kommen“.

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