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Verhandlungsrunde zu Lehrerarbeit : Teilzeit verschärft Lehrermangel in MV

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Der Lehrermangel in MV wird weit größer als bislang erwartet. Derzeit sind Pädagogen in der letzten Phase des Lehrerpersonalkonzepts mit Teilzeitverträgen beschäftigt. Nur wenige wollen später zurück zum Vollzeitjob.

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erstellt am 16.Jan.2012 | 06:12 Uhr

Schwerin | Der Lehrermangel in MV wird weit größer als bislang erwartet. Derzeit sind Pädagogen von Regionalschulen, Gymnasien und Berufsausbildung in der letzten Phase des Lehrerpersonalkonzepts mit Teilzeitverträgen beschäftigt. Wie es damit aber weiter geht, beschäftigt heute die "Große Verhandlungsrunde zum Lehrerpersonalkonzept" mit Land und Verbänden. Denn zur Pfichtteilzeit kommt ein neuer Aspekt hinzu: Nur wenige wollen später zurück zum Vollzeitjob.

Laut Bildungsministeriums lernen in diesem Jahr 35 000 Jugendliche an Beruflichen Schulen. Hochrechnungen zufolge sinkt die Zahl bis 2014 auf 31 000. Weniger Schüler, weniger Arbeit argumentiert das Ministerium und pocht auf das Lehrerpersonalkonzept. Eine Sichtweise, die in der Praxis auf harschen Widerspruch trifft. Zum einen sind es die Handwerksinnungen, die sich über die Zustände an den Berufsschulen empören - Unterrichtsausfälle, übergroße Klassen und eine sinkende Ausbildungsqualität. Zum anderen beklagen die Berufsschullehrer ihr ständig wachsendes Pensum. "Wie kann es sein, dass wir Teilzeit arbeiten sollen, uns aber immer neue Aufgaben übertragen werden", heißt es aus der Berufsschule im Osten. Eine der zusätzlichen Belastungen seien die Prüfungen von Nicht schülern, wie die Auszubildenden privater Bildungsträger genannt werden. Auch die Gewerkschaften kommen zu dem Schluss: Anders als an allgemeinbildenden Schulen ist das Lehrerpersonalkonzept an beruflichen Schulen gescheitert.

An den allgemeinbildenden Schulen haben sich unterdessen viele Kollegen mit der Teilzeit-Beschäftigung angefreundet, die eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung von 27 Wochenstunden mit sich bringt. "Obwohl sie dadurch weniger Geld bekommen, sagen Kollegen, 22 bis 24 Wochenstunden reichen mir", so Ingolf Litzner, Vorsitzender der Vereinigung der Schulleiter der Gymnasien. An seinem Gymnasium in Gadebusch hat er das Interesse an einer Rückkehr zur Vollbeschäftigung erfragt: Nur ein Drittel würde das Angebot nutzen. "27 Wochenstunden sind bei den Rahmenbedingungen nicht zu leisten", erklärt Ingolf Litzner mit Fingerzeig auf das hohe außerunterrichtliche Pensum und das Durchschnittsalter der Päda gogen. In der Schulzeit seien Wochen mit deutlich mehr als 40 Stunden keine Ausnahme. Gleichzeitig aber braucht auch seine Schule Nachwuchs, je zwei bis drei Neustellungen in den kommenden drei Schuljahren. Die Lehrerbedarfsplanung für das Land geht bis 2023 von jährlich bis zu 600 neuen Lehrerinnen und Lehrern aus.

Blieben altgediente Lehrer in Teilzeit, würde die Situation erneut verschärft. Darum mahnt Ingolf Litzner dringend Entscheidungen an, die jungen wie alten Lehrern die Arbeit erleichtern: Eine Verbeamtung, um Berufseinsteiger ins Land zu locken einerseits. Entlastungen für ältere Kollegen andererseits.

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