Zweifel aufgekommen : Teil von Studie zu DDR-Grenzopfern soll neu bewertet werden

Kein normaler Grenzturm sondern eine Führungsstelle der DDR-Grenztruppen in Neu Bleckede. Von hier aus wurden früher rund um die Uhr etliche Kilometer Grenze überwacht und die Grenzsoldaten per Funk und Telefon geführt.
Kein normaler Grenzturm sondern eine Führungsstelle der DDR-Grenztruppen in Neu Bleckede. Von hier aus wurden früher rund um die Uhr etliche Kilometer Grenze überwacht und die Grenzsoldaten per Funk und Telefon geführt.

Vor mehr als einem Jahr wird in Berlin eine Dokumentation mit dem Schicksal der Todesopfer an der deutsch-deutschen Grenze vorgestellt. Jahrelang war geforscht worden.

svz.de von
06. November 2018, 21:32 Uhr

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will Teile einer Studie zu DDR-Grenzopfern neu bewerten lassen. In einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg werden mindestens 50 Opferfälle bezweifelt. Täter sollen zu Opfern gemacht worden sein. Den Vorwürfen werde nachgegangen, die Fälle würden geprüft, sagte der Sprecher von Grütters, Hagen Philipp Wolf, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bislang seien der Behörde der Kulturstaatsministerin wissenschaftliche Einwände nicht zur Kenntnis gebracht worden.

Die Studie des SED-Forschungsverbundes der Freien Universität Berlin war im Juni des Vorjahres nach rund fünfjährigen Recherchen vorgestellt worden. Demnach kamen an der einstigen deutsch-deutschen Grenze insgesamt 327 Menschen aus Ost und West ums Leben.

Der SED-Forschungsverbund der Freien Universität Berlin wies die Zweifel an der Korrektheit der Studie zurück. «Wir haben die Fälle höchst differenziert beschrieben», sagte Mitautor Jochen Staadt der dpa.

In dem RBB-Bericht hieß es, dass Angehörige der Grenztruppen, die sich selbst töteten, nicht als Täter, sondern als Opfer des DDR-Grenzregimes eingestuft worden seien. «Nein, wir haben keine Täter zu Opfern gemacht», betonte Staadt. Es habe keine Schwarz-Weiß-Situation gegeben. Was sich in den DDR-Grenzkompanien abgespielt habe, sei höchst unterschiedlich gewesen. Es habe 18-Jährige gegeben, die mit dem Dienst an der Grenze nicht klar kamen oder die nicht schießen wollten.

Forscher Staadt unterstrich, jeder der 203 untersuchten Suizide sei im Wissenschaftler-Team ausführlich und auch kontrovers diskutiert worden. In 43 Todesfällen sei ein Zusammenhang mit dem Grenzregime gesehen worden. Die Studie weist diese Fälle in einem extra Kapitel mit ausführlicher Begründung aus. «Nicht alle, die an der Grenze standen, waren Täter», betonte Staadt.

Das Forschungsprojekt war von Grütters mit rund 450 000 Euro unterstützt worden. Die CDU-Politikerin hatte bei der Vorstellung der Untersuchung betont, dass Opfer wieder einen Namen und ein Gesicht bekommen hätten. Die Wissenschaftler hatten fast 1500 Verdachtsfälle untersucht.

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