Badedrama in Schwerin : Teddys, Kerzen und Tränen

Anteilnahme am Zippendorfer Strand
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Anteilnahme am Zippendorfer Strand

Große Trauer nach Tod einer Vierjährigen am Schweriner See. Strand war nicht bewacht, weil Retter fehlen

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24. Juli 2015, 08:00 Uhr

Das Wasser ist ruhig. Am Ufer vergnügen sich nur wenige Badegäste. Wissen sie, dass hier am Mittwoch die vierjährige Marie-Celine ertrunken ist? Am Zippendorfer Strand stehen Blumen und Kerzen. Daneben liegen Plüschtiere. Zwei Teddys, eine Puppe, eine Schildkröte, ein Hund. Kleine Zettel mit liebevollen Nachrichten darauf: „Forever in my Heart“. Marie-Celine wird die Botschaften nie sehen können. Sie wird nie schreiben und lesen lernen. Nie eingeschult. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Sie ist tot.

Marie war Mittwoch gegen 16.30 Uhr verschwunden. Ein Bekannter der Mutter soll auf das Mädchen aufpassen an diesem Nachmittag am Strand, berichten Freunde der Familie. Der Mann soll aber Alkohol getrunken haben. War unachtsam. „Ob es tatsächlich so war, wissen wir nicht. Jedenfalls war die Mutter der Kleinen nicht am Strand. Sie war arbeiten“, erzählt Nicole Käding mit Tränen in den Augen. Sie kennt die Mutter. Sie hatte vor ein paar Wochen die kleine Maus noch auf dem Schoß sitzen. „Ich kann es nicht fassen – nicht begreifen“, sagt die 29-Jährige. „Marie war immer fröhlich. Lachte viel. So ein liebes Kind“, erzählt die junge Frau stockend. Immer wieder muss sie um Fassung ringen. Mit einer Freundin suchte sie gestern die Unglücksstelle am Vorzeigestrand der Landeshauptstadt auf. Zündete Kerzen an. Legte ein Plüschtier hin. „Ein schwerer Gang“, wie sie sagt. „Aber wie schlimm muss es für die Mutter sein?“

Eine nach Zippendorf gerufene Rettungsschwimmerin hatte das Mädchen im Wasser entdeckt. „Die Kleine lag auf dem Boden im knietiefen Wasser. Man konnte sie unmöglich vom Land aus sehen“, berichtet Oliver Markwardt von der DRK-Wasserwacht. Er ist bestürzt, betroffen. Es ist sein Strand. Hier ist Marie ertrunken.

„Es ist so schrecklich. Warum hat man nicht richtig aufgepasst?“, fragt Maria Schwuchow, selbst Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Es sei unvorstellbar, ein kleines Kind nur eine Minute lang unbeaufsichtigt zu lassen. Und: „Warum waren keine Rettungsschwimmer da?“

„Weil wir einfach zu wenig Rettungsschwimmer haben“, sagt Markwardt. Am Mittwoch waren nur zwei von ihnen im Einsatz. Gebraucht werden zwölf. Doch er findet keinen Nachwuchs. „Die Älteren haben Familie, sind zu Hause. Die Jungen ziehen weg zum Studieren“, sagt er.

Was macht die Stadt? Die Schwimmhalle auf dem Dreesch ist bis zum 16. August geschlossen. „Wo sollen die Kinder in den Ferien baden? Es bleiben nur die Strände und diese sind nicht ausreichend bewacht“, ärgert sich eine Schwerinerin, die gestern in Zippendorf baden war. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow will von den Problemen der Wasserwacht nichts gewusst haben. „Der personelle Engpass war uns in dieser Dimension nicht bekannt“, sagte sie. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) wurden am Morgen des Unglückstages aber informiert, dass der Zippendorfer Strand nicht bewacht war. Ist ein Strand nicht bewacht, greife die Badeordnung, betont Gramkow. Weht keine Fahne, ist kein Rettungsschwimmer am Strand. „Ich habe noch nie auf die Fahnen geachtet. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Badestellen überwacht werden“, sagt Maria Schwuchow.

Und nun? „Wir arbeiten weiter mit der DRK-Wasserwacht zusammen“, sagt Gramkow. Ihre Stimme ist brüchig.

Das Wochenende wird wieder zum Baden einladen. Schwerins meistbesuchter Strand soll dann gut bewacht sein. Das haben die Stadt und die Wasserwacht versprochen. Familien werden zum Wasser kommen – dort wo Teddys, Kerzen und Tränen vom Unglück am Mittwoch zeugen.



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