Technik gegen Klimawandel

<strong>Kein klassischer Sommer: </strong>Am Wochenende war es diesig und mild in Warnemünde. Weltweit steigen die Temperaturen aber bedenklich an. Ein vom IOW beantragtes Sonderprogramm untersucht die Auswirkungen von Klimamanipulationen. Foto: Georg Scharnweber
Kein klassischer Sommer: Am Wochenende war es diesig und mild in Warnemünde. Weltweit steigen die Temperaturen aber bedenklich an. Ein vom IOW beantragtes Sonderprogramm untersucht die Auswirkungen von Klimamanipulationen. Foto: Georg Scharnweber

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08. Juli 2012, 06:23 Uhr

Rostock | Der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Ulrich Bathmann, hat für einen umsichtigen Umgang mit technischen Klimamanipulationen plädiert. "Es gibt bereits zahlreiche Ideen für gewollte Eingriffe ins Klimageschehen", sagte Bathmann. Diese Maßnahmen des so genannten Climate-Engineering reichten von Sonnenschirmen im Weltall bis zum Düngen der Ozeane. Die meisten Konzepte existierten bis jetzt aber nur auf dem Papier. "Bevor man irgendwelche Ideen im größeren Maßstab umsetzt, sollte man die Gefahren und Folgen abwägen."

Projekt ist auf sechs Jahre angelegt

Aus diesem Grund hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Sonderprogramm aufgelegt, in dem die politischen, rechtlichen und ethischen Auswirkungen von Klimamanipulationen untersucht werden sollen. Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt, Mitte 2013 soll es beginnen. Das IOW und rund ein Dutzend weitere deutsche Institute hatten es beantragt. "Deutschland ist die erste Nation, die den vielen Unwägbarkeiten des Climate-Engineering ganzheitlich begegnet", sagte Bathmann.

"Wir werden nicht drumherumkommen, dem vom Menschen verursachten Klimawandel Climate-Engineering entgegenzusetzen", sagte der Wissenschaftler. "Technische Lösungen müssen aber sehenden Auges umgesetzt werden." Unter anderem müsse klar sein, wie Verlierer von Klimamanipulationen entschädigt werden könnten.

Aerosole, die in Industriestaaten in die Luft gepumpt werden, um Dunstwolken zu erzeugen und dadurch Temperaturen zu senken, könnten beispielsweise in Ländern ankommen, denen das schadet. In Südeuropa oder Nordafrika könne der Tourismus einbrechen, wenn die Sonne weniger scheine. Volkswirtschaftliche Folgekosten der Klimagestaltung sollten daher sorgfältig errechnet werden, mahnte der Experte.

"Wäre in den 1940er und 1950er Jahren klar gewesen, dass Atomstrom wegen der langfristigen Entsorgung teuer wird, wären Alternativen schon früher diskutiert worden", sagte Bathmann. Dieser Fehler solle sich beim Climate-Engineering jetzt nicht wiederholen.

Der Sommer wird kalt, insgesamt steigen Temperaturen aber

"Die derzeitigen Wetterkapriolen bescheren uns bisher einen kalten Sommer. Das heißt aber nicht, dass weltweit die Temperaturen nicht steigen", sagte Bathmann. "Wir sitzen in einem Zug in immer heißere Wüsten." Jetzt müsse überlegt werden, ob man den Zug mit Sonnenspiegeln ausstatte oder mit einer Klimaanlage, bevor er umgeleitet werden könne. Bathmann ist sich sicher: "Alle Climate-Engineering-Maßnahmen können uns bestenfalls Zeit kaufen. Das eigentliche Problem, die Ursachen des Klimawandels, lösen sie nicht."

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