Beschlossener Mindestlohn : Taxifahrer fürchten Jobverluste

Die Zahl der Taxiunternehmen im Nordosten sank seit 2008 von gut 400 auf jetzt noch rund 320 Betriebe.
Die Zahl der Taxiunternehmen im Nordosten sank seit 2008 von gut 400 auf jetzt noch rund 320 Betriebe.

Preiserhöhungen und weniger Mobilität auf dem Lande in Mecklenburg-Vorpommern

svz.de von
07. Juli 2014, 07:30 Uhr

Taxifahren könnte teurer werden. Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern befürchten mit dem jetzt vom Bundestag beschlossenen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde Jobverluste, Preissteigerungen und vor allem künftig weniger Transportmöglichkeiten auf dem Lande. „Mit dem Mindestlohn wird an den Preisen gedreht werden“, sagte Toralf Keiler, Vorsitzender des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe in Schwerin.

„Definitiv kommt es zu einer Verringerung der Fahrzeuge, einem Gesundschrumpfen der Branche“, betonte Keiler. Die Zahl der Taxiunternehmen im Nordosten sank nach Verbandsangaben seit 2008 von gut 400 auf jetzt noch rund 320 Betriebe. Diese verfügen über etwa 850 Taxis. Derzeit zahle nicht ein Unternehmen der Branche in Mecklenburg-Vorpommern den Mindestlohn, erklärte Keiler.

Vor allem ältere Fahrer würden nun nicht mehr weiterbeschäftigt werden können. Doch die Taxi-Tarife könnten im Land nicht zu hundert Prozent angepasst werden, weil solch hohe Preise niemand bezahlen könne, erklärte Keiler. „In der Konsequenz wird es weniger Autos geben, der Service für die Fahrgäste wird leiden. Einen Ausweg sehe er im Anruf-Sammeltaxi als Nahverkehrsersatz wie etwa in Rostock oder Stralsund, sagte der Verbandschef.

In Rostock gebe es aktuell Gespräche zu einer Erhöhung der Tarife um etwa 16 Prozent zum Ende dieses Jahres, teilte Stadtsprecher Ulrich Kunze mit. Die letzte Tarifanhebung liege fünf Jahre zurück. Einzig die größte Stadt des Landes klagte über eine Konkurrenzsituation zwischen den Taxiunternehmen sowie dem sehr guten Nahverkehr mit Straßenbahnen, Bussen, S- und Regionalbahnen, wie es hieß.

Einige Landkreise sehen die Gefahr steigender Taxi-Tarife auch wegen explodierender Kraftstoffpreise und höherer Reparaturkosten. „Man muss damit rechnen, dass Anträge auf Fahrpreiserhöhungen durch die Unternehmen gestellt werden“, erklärte Andreas Bonin, Kreissprecher von Ludwigslust-Parchim. Demgegenüber gebe es außerhalb der Städte keinerlei Konkurrenz der Verkehrsanbieter, im Gegenteil.

Im Flächenland würden Taxen und Busse gleichermaßen benötigt, betonte Bonin. Keine höheren Tarife fürs Taxifahren indes planen Nordwestmecklenburg, die Mecklenburgische Seenplatte sowie Vorpommern-Greifswald. Kreissprecher Achim Froitzheim verwies auf Extras: „Wir haben mit den Taxiunternehmen besondere Mietwagenverträge. Hier geht es um die Bedienung von kleinsten Orten in der Schülerbeförderung und die Anbindung zur nächsten Haltestelle für Linienbusse.“

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