Fehlerhafte Infoschreiben zu Steuermerkmalen : Tausende bestürmen die Finanzämter

Finanzamt Schwerin. Foto: Archiv
Finanzamt Schwerin. Foto: Archiv

Die Finanzämter des Landes haben derzeit viel zu tun. Grund sind die Infoschreiben, die die Ämter gegenwärtig an die 640 000 Arbeitnehmer im Nordosten verschicken und von denen zahlreiche fehlerhaft sind.

von
19. Oktober 2011, 06:51 Uhr

Schwerin/Neubrandenburg | Egal ob etwa Schwerin oder Neubrandenburg - die Finanzämter im Land müssen derzeit einen nicht gekannten Ansturm bewältigen. Ungefähr 1000 Anrufer pro Tag zählen die Mitarbeiter, hinzu kommen persönliche Besuche von Bürgern und viel Post. Grund sind die Infoschreiben, die die Finanzämter gegenwärtig an die 640 000 Arbeitnehmer im Nordosten verschicken und von denen zahlreiche fehlerhaft sind. Die Schreiben, die im Zusammenhang mit der Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte verschickt werden, listen die Steuermerkmale der Bürger - etwa Familienstand oder Kirchenzugehörigkeit - auf.

Das Landesfinanzministerium, das mit vorerst 12 000 bis 13 000 mangelhaften Briefen rechnet, führt die Daten-Fehler auf ein ganzes Bündel von Ursachen zurück: "Die Daten werden in den kommunalen Behörden erfasst, die aber mit unterschiedlicher Software arbeiten. Da war es nicht zu vermeiden, dass es Schnittstellenprobleme gibt", sagt Ministeriumssprecher Stephan Bliemel. Hinzu komme, dass manche der jetzt von den Meldeämtern an das Bundesamt für Steuern übermittelten Daten veraltet sind, weil sie von den Betroffenen gegenüber den Ämtern nicht aktualisiert wurden. Und: "Die Daten wurden am 19. September gezogen und die Briefe etwa vier Wochen später verschickt. Auch in dieser Zeitspanne können Änderungen aufgetreten sein", so Bliemel. Da man schon im Vorfeld mit einer Fehlerquote gerechnet habe, die jetzt allerdings höher ausfallen könne als gedacht, seien auch die Briefe verschickt worden. So habe jeder noch genügend Zeit, zu korrigieren. "Es besteht kein Grund zur Panik, bis Ende November ungefähr ist Zeit".

Verzicht auf formale Anträge

Wer allerdings erst im Januar reagiert, könnte Probleme bekommen, warnt Hans-Joachim Jaetzel, Chef des Schweriner Finanzamtes. "Im Moment rufen die Arbeitgeber die Steuermerkmale für 2012 noch nicht ab. Ab Januar aber kann es dann zu einem falschen Lohnsteuerabzug kommen. Wichtig ist es, sich jetzt zu melden" - obwohl teilweise die Telefonzentrale völlig überlastet sei. Sein Neubrandenburger Amtskollege, Ronald Dehne, versichert unterdessen, dass man bemüht sei, unkonventionell die Daten richtig zu stellen". So verzichte man dort auf formale Anträge, die Dinge könnten auch telefonisch geregelt werden. Reagiert wird ebenso mit zeitweiligen Umsetzungen: "Wir setzen mehr Mitarbeiter für die Aufnahme ein und arbeiten auch in Wechselschichten", sagt die Hagenower Amtschefin Jutta Dellin. Ähnlich äußert sich der Warener Leiter Andreas Grüttner. Die Situation dort sei zwar nicht so schlimm wie in Neubrandenburg oder Schwerin, aber auch an der Müritz würden wesentlich mehr Anrufe verzeichnet. "Das kann aber auch deshalb variieren, weil die Infoschreiben erst nach und nach verschickt werden", meint er. Alle Amtsleiter versichern zudem, mit den Meldeämtern im engen Kontakt zu stehen, um die Daten zu korrigieren, die von dort geliefert worden. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch einen schriftlichen Antrag auf Änderung seiner Daten im Internet herunterladen. Unter der Adresse www.steuerportal-mv ist er zu finden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen