Munition in der Müritz : Taucher gehen auf Bombensuche

Kein Job für schwache Nerven: Spezialtaucher wie hier im Rhein spüren Muntion und Bomben auf.
Kein Job für schwache Nerven: Spezialtaucher wie hier im Rhein spüren Muntion und Bomben auf.

Mehrere verdächtige Metallgegenstände wurden auf dem Grund der Müritz entdeckt . Experten sollen nun Gewissheit bringen

svz.de von
22. August 2016, 21:00 Uhr

Ist der zylinderförmige Gegenstand auf dem Grund der Müritz bei Rechlin eine Bombe, eine Granate oder vielleicht doch nur harmloser Schrott? Diese Frage sollen heute Spezialtaucher des Munitionsbergungsdienstes klären. Die Froschmänner werden abtauchen und mehrere „bombenähnliche Funde“ untersuchen. Die Metallgegenstände wurden am Wochenende in einem als besonders „kampfmittelbelastet“ eingestuften Abschnitt zwischen Rechlin-Nord und dem Bolter Kanal gesichtet, der für die Schifffahrt eigentlich gesperrt ist. Einer der „zylindrischen Gegenstände“ soll etwa 100 Meter vom Ufer entfernt in nur 1,5 Metern Tiefe liegen. Die Wasserschutzpolizei hatte den Fund am Samstag kontrolliert und als verdächtig eingestuft. Gewissheit sollen nun die Taucher bringen.

Sollte es sich um Munition handeln, muss laut Chef des Munitionsbergungsdienstes entschieden werden, ob der explosive Fund transportfähig ist und geborgen werden kann. „Ist eine Entschärfung nicht möglich, müssen wir vielleicht sprengen“, erklärte Robert Molitor.

Hintergrund: Tonnenweise Bomben und Granaten

Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden jedes Jahr in Mecklenburg Vorpommern noch tonnenweise Bomben, Granaten und Blindgänger aus dem Boden gebuddelt.

Allein im vergangenen Jahr wurden die Experten des Munitionsbergungsdienstes zu 375 Soforteinsätzen gerufen. Dabei wurden rund neun Tonnen Kampfmittel geborgen.   Einer der größten Funde wurde bei Bauarbeiten  in Grambow  entdeckt.  Wehrmachtssoldaten hatten in dem Ort eine Vergrabungsstelle für Waffen und Munition    angelegt. In vier Einsatztagen bargen die Fachleute   unter anderem: 19400 Schuss Infantriemunition,  24 Panzerfäuste, eine Kiste mit 60 Kilogramm Sprengstoff und 59 Handgranaten. Zu den größten Einzelfunden zählten zwei Bomben   (500  und 250 Kilogramm ) in der Müritz .

Seriöse Schätzungen, wieviel Gefahrengüter noch immer im Boden oder Meer des Landes  vor sich hinrosten, gibt  es  jedoch nicht. Im Nordosten sind aktuell mehr als 700 Flächen bekannt, die von Kampfmitteln verseucht sind. Sie umfassen insgesamt knapp 160 000 Hektar, davon 60 000 Hektar in Wäldern und 65 000 Hektar in der Ostsee.

Bei Rechlin und Lärz gab es in den 1930er Jahren die Erprobungsstelle der Deutschen Luftfahrt, wo in der NS-Zeit auch die Luftwaffe unter anderem mit Übungsbomben trainierte. Das Gelände mit großem Militärflugplatz wurde im Zweiten Wekltkrieg mehrfach bombardiert, so dass große Wald- und teilweise Wasserflächen der Müritz im Südosten noch gesperrt sind. Vor einem Jahr gab es ähnliche Meldungen, die sich später als ungefährliche Übungsbomben entpuppten.

Etwa 10 bis 15 Hinweise über verdächtige Gegenstände gehen nach Angaben eines Sprechers jährlich bei der Wasserschutzpolizei ein. „Die Süd-Müritz ist voll von zylinderförmigen Gegenständen und Hülsen“, sagte der Sprecher weiter. Häufig würden sie von Wassersportlern entdeckt. Wie stark die Seen in der Region mit Munition belastet sind, ist derzeit aber nur schwer zu ermitteln. „Im Gegensatz zum Festland liegen uns für die Seen im Land kaum Informationen vor“, sagt Molitor. Auch Luftbilder würden den Experten kaum weiterhelfen. „Man sieht nur Wasser“, so Molitor. Funde wie jetzt bei Rechlin seien dann eher eine Zufallsgeschichte. Aber noch ist das nicht klar. „Es könnte auch ein Ölfass sein“, so Molitor. Seine Taucher werden es heute herausfinden, was da tatsächlich auf dem Grund der Müritz schlummert.

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