Immer mehr Holz verschwindet : Tatort Wald: Diebe kommen mit dem Kran

Quelle: dpa
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Die Täter kommen mit Säge und Anhänger, Beute finden sie am Rande des Weges: In den landeseigenen Wäldern nehmen die Holzdiebstähle zu - seit Jahren. Etwa ein Drittel davon sind bis zu 15 Meter lange Stämme.

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24. September 2012, 08:50 Uhr

Malchin | Die Täter kommen mit Säge und Anhänger, Beute finden sie am Rande des Weges: In den landeseigenen Wäldern nehmen die Holzdiebstähle zu - seit Jahren, wie die Landesforstanstalt in Malchin beobachtet. Sie verwaltet den Landesforst, der etwa 45 Prozent der Waldgebiete in Mecklenburg-Vorpommern ausmacht, neben Staats-, Kommunal- und Privatwald. Im Jahre 2009 waren dort rund 210 Festmeter Holz verschwunden, 2010 waren es 260 und 2011 schon 380 Festmeter. Etwa ein Drittel davon betrifft Stammholz, bis zu 15 Meter lange Stämme, die nur mit Schwertransporter und Kran beiseite geschafft werden können. Bei den anderen zwei Dritteln handelt es sich nach Auskunft von Sven Blomeyer, Vorstand der Landesforstanstalt, um Industrieholz. Es wird in Stücken von drei Metern Länge zu Poltern am Weg aufgeschichtet und passt - leicht eingekürzt - in Pkw oder Pkw-Anhänger.

"Holzdiebstähle hat es schon immer gegeben", sagt Sven Blomeyer. "Wenn etwas unbewacht an einem Waldweg liegt, weckt das Begehrlichkeiten und das Gefühl, ohne Gefahr der Entdeckung zugreifen zu können." Im Landesforst werden Bäume gefällt und zum Verkauf vorbereitet an die Wege gerückt. "Wir raten unseren Kunden, das Holz nach der Übernahme möglichst schnell abzutransportieren, damit es nicht lange im Wald liegt", sagt Sven Blomeyer. Das gelinge nicht immer. Ein Diebstahl werde in jedem Fall angezeigt. Den Tätern drohen Strafgelder, die nach Blomeyers Einschätzung deutlich höher sind als der Wert der Beute.

Die meisten Mecklenburger und Vorpommern decken ihren Bedarf auf legalem Wege. Mehr als 10 000 Kunden zählte die Forstanstalt 2011. Im Landeswald werden pro Jahr rund 900 000 Festmeter Holz verkauft, 100 000 Festmeter gehen als Brennholz an Privatleute. Regelmäßig zu Beginn der kalten Jahreszeit steigt die Nachfrage, in diesem Jahr zusätzlich befeuert von steigenden Energiekosten, wie Sven Blomeyer feststellt. Wer offiziell Holz aus dem Wald holen wolle, brauche einen Berechtigungsschein vom Förster oder Forstamt. Der Preis hängt von der Art und vom Zustand des Holzes ab und davon, ob der Kunde es selbst bergen und aufarbeiten kann oder sich an den Poltern bedienen will. Abgerechnet wird nach Raummetern, die sich auf Festmeter herunterrechnen lassen, so Blomeyer.

Holzscheine vergeben auch die privaten Waldbesitzer, wie Ulrich von Trotha, Präsident des Waldbesitzerverbandes, erklärt. "Voraussetzung ist ein gültiger Motorsägeschein, sonst haftet der Waldbesitzer bei Unfällen." Der Preis pro Raummeter liege zwischen 10 und 20 Euro. "Mehr als zwei, drei Raummeter kann man gar nicht verheizen in einer Saison", schätzt von Trotha ein. In den Privatwäldern sei in diesem Jahr keine Zunahme von Holzdiebstählen zu bemerken.

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