zur Navigation springen

Straftaten im Nordosten im Überblick : Tatort Mecklenburg-Vorpommern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum ist die Kriminalitätsbelastung in Schwerin am höchsten? Warum wird an der Seenplatte am meisten gekifft? Straftaten im Nordosten im Überblick

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 11:50 Uhr

Die gute Nachricht zuerst: In Mecklenburg-Vorpommern registrierte die Polizei im vergangenen Jahr die wenigsten Straftaten seit der ersten amtlichen Kriminalitätsstatistik von 1991. Genau 120 484 Delikte wurden 2013 erfasst – ein Minus von 6193 Fällen gegenüber 2012.

Doch ist der Nordosten damit sicherer geworden? In einzelnen Kriminalitätsbereichen hat es im vergangenen Jahr deutliche Zunahmen gegeben, wie die in diesen Tagen veröffentlichte 185 Seiten starke offizielle Statistik des Landes für 2013 zeigt. Die Zahl der Autodiebstähle im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat sich beispielsweise im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Im Grenzkreis Vorpommern-Greifswald werden die Wohnungseinbrüche zunehmend zum Problem.

Experten der Polizei erklären Tendenzen, Phänomene und Folgen der aktuellen Kriminalitätsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern.

Rostock
Die Kriminalität in Rostock sinkt, obwohl die Bevölkerungszahl steigt. Erstmals seit 1991 gab es 2013 weniger als 20 000 registrierte Straftaten. „In Rostock lebt man sicherer als viele denken“, schätzt Polizeihauptkommissarin Yvonne Hanske ein. 9394 Straftaten auf 100 000 Einwohner gerechnet sind zudem im Vergleich mit anderen Großstädten ein niedriger Wert. Ein Problem sind trotzdem die Gewaltdelikte. Mit 1476 Körperverletzungen erreichte Rostock 2013 einen der Spitzenplätze. „Durch die hohe Bevölkerungsdichte kommt es öfter zu Auseinandersetzungen als in beschaulicheren Regionen“, erklärt Yvonne Hanske die Gründe. Auch ist die Aufklärungsquote der Polizei von 54,6 Prozent schlechter als der Landesdurchschnitt. „Das gefällt uns nicht“, meint die Polizeisprecherin.

Schwerin
Opfer einer Straftat zu werden, ist laut Statistik in Schwerin am wahrscheinlichsten. Die Landeshauptstadt hat mit 12 864 Straftaten auf 100 000 Einwohner rechnerisch die höchste Kriminalitätsbelastung. Zum Vergleich: Der Landkreis Rostock steht mit 6048 Delikten auf 100 000 Einwohner landesweit am besten da.

Die Menschen in der Landeshauptstadt leben dennoch nicht wesentlich gefährlicher als die in anderen Städten, meint Steffen Salow von der Schweriner Polizei und erklärt ein Phänomen: „Als sogenannte Erschleichungen von Leistungen und damit als Betrug gingen fast 2000 Schwarzfahrten in die Kriminalitätsstatistik ein.“ Nirgendwo im Land wird so häufig in Bus und Bahn kontrolliert wie in Schwerin. Gut für die Polizei: Der Nahverkehr liefert zu jeder Strafanzeige den Täter gleich mit. Mit 63,1 Prozent hat die Schweriner Polizei die zweithöchste Aufklärungsquote des Landes.

Hoch sind nach wie vor auch die Zahlen der Gewaltdelikte und die der Ladendiebstähle. „Das wird auch künftig ein Schwerpunkt unserer Prävention sein“, so Steffen Salow.

Nordwestmecklenburg
Der Landkreis verzeichnet eine leichte Abnahme der Gesamtkriminalität um 4,3 Prozent. Hoch ist der Rückgang dagegen beim Fahrraddiebstahl. 346 Räder wurden im vergangenen Jahr gestohlen, – 32,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote der Polizei bei allen Straftaten liegt mit 54,5 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 58,3 Prozent.

Ludwigslust-Parchim
Lediglich 6155 Straftaten wurden im vergangenen Jahr in Ludwigslust-Parchim auf 100 000 Einwohner gezählt – das ist der zweitniedrigste Wert im Land. Allerdings gibt es ein Problem: Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Autodiebstähle mehr als verdoppelt. 174 Fälle wurden 2013 bei der Polizei gemeldet. Im Jahr zuvor waren es 82. Experten vermuten dahinter Tätergruppen aus Hamburg, die die schnelle Anbindung durch die Autobahn A24 nutzen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Westmecklenburg schlägt Alarm: „Die Polizei ist aufgrund der Personalsituation hier nicht mehr in der Lage, den notwendigen Kontrolldruck in der Fläche sicherzustellen“, sagt der GdP-Kreisgruppenvorsitzende Maik Exner-Lamnek. Mit der Transitanbindung durch die A 24 würde sich auch die Chance verringern, die Täter zu stellen.

MecklenburgischeSeenplatte
Eine Zahl fällt in diesem Landkreis besonders auf: 1032 Drogendelikte – das sind doppelt so viele Fälle wie in den meisten anderen Kreisen. „Da spielt Lärz natürlich eine Rolle“, sagt Eike Wiethoff, Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg.

Während des alljährlichen Fusion-Festivals auf dem ehemaligen Flugplatz an der Müritz mit zuletzt 60 000 Gästen finden großangelegte Drogenkontrollen der Polizei statt – mit Erfolg, wie die Statistik zeigt.

Landkreis Rostock
Im Landkreis zählten die Fahnder im vergangenen Jahr 12 746 angezeigte Straftaten – ein Minus von genau zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem bei Körperverletzungen weist die Statistik ein deutliches Minus aus. Hauptsorgen bereiten den Ermittlern dagegen Einbrüche und Diebstähle – vor allem in Bad Doberan, in Kühlungsborn und rund um Güstrow. Die machen mit 5003 Fällen fast die Hälfte aller Straftaten aus, sagt Ingolf Schwartz, Leiter Ermittlung des Kriminalkommissariates Güstrow.

Vorpommern-Rügen
Die klassische Urlauberregion empfiehlt sich mit einem deutlichen Rückgang der Diebstahlskriminalität um 12 Prozent. 5920 Fälle wurden im vergangenen Jahr bekannt – 6727 waren es noch im Jahr zuvor. Insgesamt liegt der Landkreis mit 7504 Straftaten pro 100 000 Einwohner knapp unter dem Landesdurchschnitt.

Vorpommern-Greifswald
Die Zahl der Wohnungseinbrüche an der Grenze zu Polen stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 62,9 Prozent. In 399 Fällen drangen Täter in Wohnungen ein. Nur jeder vierte Einbruch konnte aufgeklärt werden. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat die Bekämpfung der Einbruchskriminalität in Vorpommern-Greifswald zur Chefsache erklärt: „Der massive Anstieg hat teilweise für heftige Unruhe in den besonders betroffenen Regionen des Grenzkreises geführt“, so Caffier. Auf seine Veranlassung wurde eine spezielle Ermittlungsgruppe für den Kreis gegründet.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen