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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 14:34 Uhr

Tatort Mecklenburg-Vorpommern

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erstellt am 05.Okt.2012 | 12:06 Uhr

Schwerin | Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung - in Schwerin hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Tötungsdelikte auf neun Verbrechen mehr als verdoppelt. Im Jahr zuvor waren es noch vier gewaltsame Tötungen. Ohnehin ist die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, in der Landeshauptstadt rechnerisch am höchsten und im Landkreis Ludwigslust-Parchim am geringsten.

Die Mecklenburger Seenplatte mit der Kreishauptstadt Neubrandenburg hatte 2011 dagegen mit Abstand die höchste Zahl an Drogendelikten - 890 Taten.

Was steckt hinter der Kriminalitätsstatistik? Wo sind die Schwerpunkte? Tatort Mecklenburg-Vorpommern:

Schwerin

Aus nichtigen Gründen erstach ein Jugendlicher im Dezember 2011 einen 32-jährigen Schweriner mit einem Messer. Derzeit steht der 18-Jährige vor Gericht. Das Urteil wird voraussichtlich im Oktober gesprochen. Die Zahl der Tötungsverbrechen hat sich in der Landeshauptstadt 2011 mit neun Delikten mehr als verdoppelt. "Tötungsdelikte haben zwar mit weniger als 0,2 Prozent einen geringen Anteil an der Gesamtkriminalität, sie beeinflussen das Sicherheitsempfinden der Menschen aber in hohem Maße", sagt Michael Schuld, Sprecher des Landeskriminalamtes(LKA). Der enorme Anstieg in Schwerin von 120 Prozent hat allerdings keine kriminologischen oder soziologischen, sondern eher statistische Ursachen, so das LKA. Niedrige Fallzahlen führen zu hohen prozentualen Schwankungen. Im regionalen Vergleich gab es an der Mecklenburger Seenplatte die meisten Tötungsverbrechen (13 Fälle).

Schwerin hat aber mit 13 876 Straftaten auf 100 000 Einwohnern rechnerisch die höchste Kriminalitätsbelastung. Diesen Spitzenplatz verdankt die Stadt allerdings vor allem den eigenen Nahverkehrsbetrieben. Nirgendwo werden so viele Schwarzfahrer aus dem Verkehr gezogen. Als "Beförderungserschleichung" und damit als Betrug gehen die Schwarzfahrten in die Statistik ein. Insgesamt 3800 gemeldeten Betrugsdelikte in der Stadt sind nicht nur landesweit Rekord, sie machten 2011 in Schwerin auch 27,5 Prozent aller Straftaten aus. Gut für die Polizei: Der Nahverkehr liefert zu jeder Schwarzfahrt den Täter gleich mit. Mit 65,9 Prozent hat die Schweriner Polizei die höchste Aufklärungsquote des Landes.

Nordwestmecklenburg

Insgesamt steht der Landkreis gut da. Bei den Ladendiebstählen kann Nordwestmecklenburg mit 647 Fällen sogar den letzten Platz in der Kriminalitätsstatistik für sich verbuchen. Viele große Warenhäuser und Einkaufszentren gibt es allerdings nicht im Kreis.

Vorpommern-Greifswald

Hochburg der Langfinger. 8689 Diebstähle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Landkreis, nirgendwo im Land wird mehr gestohlen. Besonders begehrt sind Fahrräder. 2077 Drahtesel wechselten illegal den Besitzer. Betroffen ist vor allem die Universitätsstadt Greifswald. Weil es weder S-Bahnen noch Straßenbahnen gibt, sind fast alle Studenten mit Fahrrädern unterwegs. "Gelegenheit macht Diebe", sagt LKA-Sprecher Michael Schuldt. Hinzu kommt die grenznahe Lage des Kreises. Von 2101 geschnappten Dieben, waren 371 Ausländer. Insgesamt ist der Ausländeranteil unter den Tatverdächtigen in Mecklenburg-Vorpommern allerdings mit 7,5 Prozent relativ gering und liegt deutlich unter dem Vergleichswert der gesamten Bundesrepublik von 21,9 Prozent im Jahr 2010.

Ludwigslust-Parchim

Hier ist die Welt noch in Ordnung. Traut man der Statistik, ist Ludwigslust-Parchim der sicherste Landkreis des Landes. Lediglich 5946 Straftaten wurden im vergangenen Jahr in Ludwigslust-Parchim auf 100 000 Einwohner gezählt - der niedrigste Wert im ganzen Land. Einige Arten von Straftaten finden in Westmecklenburg überhaupt nicht statt. So ist im vergangenen Jahr nicht ein einziger Falschgeld-Euro aufgetaucht. Zu den Gründen der relativ niedrigen Kriminalität sagt Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust: "In unserer ländlich geprägten Region ist die Anonymität geringer. Jeder kennt jeden. So sind das Entdeckungsrisiko und damit die Abschreckung für die Täter höher."

Rostock

Die Hansestadt ist laut Kriminalitätsstatistik ein gefährliches Pflaster. Straßenkriminalität - dazu zählen Taschendiebstähle in Fußgängerzonen und Autoaufbrüche auf Parkplätzen - ist nirgendwo im Land so hoch. In 5828 Fällen ermittelte die Polizei im vergangenen Jahr. "Die im Vergleich zu anderen Städten höheren Zahlen lassen sich vor allem mit der wesentlich höheren Gesamtbevölkerung und Bevölkerungsdichte begründen" erklärt Polizeihauptkommissarin Yvonne Hanske von der Rostocker Polizeiinspektion. Sie hätte auch sagen können, in Rostock sind abends wesentlich mehr Menschen unterwegs als in der Beamtenstadt Schwerin oder in der Haffmetropole Ueckermünde. Und welchen Einfluss haben Randale, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen bei Heimspielen des FC Hansa auf die Statistik der Hansestadt. "Die Zahl dieser Straftaten ist mit 149 für das Jahr 2011 nicht so statistikverändernd, so Polizeihauptkommissarin Hanske.

Landkreis Rostock

Autos aus dem Landkreis scheinen bei Dieben zunehmend beliebter zu werden. 247 Kraftfahrzeuge wurden im vergangenen Jahr bei der Polizei als gestohlen gemeldet - 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Spitzenplatz. Der Speckgürtel rund um Rostock wird für Autodiebe immer attraktiver. Autohäuser gibt es dort auch mehr als in der Rostocker Innenstadt.

Vorpommern-Rügen

Die klassische Urlauberregion empfiehlt sich mit einer insgesamt vergleichsweise niedrigen Kriminalitätsrate. Beim Taschendiebstahl mit 148 Taten im vergangenen Jahr und beim Handtaschenraub mit 4 Fällen bleibt Vorpommern-Rügen deutlich hinter touristischen Hochburgen am Mittelmeer zurück. Falschgeld ist 2011 überhaupt nicht aufgetaucht. Einen Spitzenplatz nimmt der Kreis allerdings bei Körperverletzungen ein.

Mecklenburger Seenplatte

Herausragend ist die Zahl von 890 Rauschgiftdelikten auf der Seenplatte im vergangenen Jahr. "Im Boot ein Joint und der See ist dein Freund?" Die Studentenstadt Rostock hatte mit 369 Fällen nicht einmal halb so viele Drogenstraftaten. Doch die Seenplatte hat Lärz, und während des alljährlichen Fusion-Festivals auf dem ehemaligen Flugplatz mit zehntausenden Gästen finden regelmäßig großangelegte Drogenkontrollen der Polizei statt - mit Erfolg, wie die Statistik zeigt.

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