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Polizeiliche Kriminalstatistik : Tatort Mecklenburg-Vorpommern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In welchem Landkreis lebt man am sichersten? Wo wird am meisten eingebrochen? Wie viele Straftaten begehen Flüchtlinge?

von
erstellt am 28.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Sie ist exakt 200 Seiten dick und erscheint einmal im Jahr. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) aus dem Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommerns ist die Zusammenfassung aller im Vorjahr erfassten Kriminalfälle. Das Zahlenwerk gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Kriminalität und Sicherheit.

Ausländerkriminalität

Die AfD und Pegida behaupteten: Wegen der vielen Asylbewerber steige die Kriminalität rasant. Die Kriminalitätsstatistik für Mecklenburg-Vorpommern weist tatsächlich aus, dass die Einreise von etwa 23  000 Flüchtlingen im vergangenen Jahr einen Anstieg der Ausländerkriminalität mit sich brachte. 2015 klärte die Polizei 65  169 Straftaten auf, davon wurden 2222 Taten von so genannten Zuwanderern begangen. Das sind laut PKS Ausländer, die als Asylbewerber, Kontingent- oder Bürgerkriegsflüchtlinge ins Land gekommen sind. 2014 waren Zuwanderer für 1361 Straftaten verantwortlich. Also eine Zunahme von 63,3 Prozent.

Allerdings hat sich die Zahl der Zuwanderer im Land durch den Flüchtlingszustrom im vergangenen Jahr fast verdreifacht. Ihre Kriminalitätsrate ist aber längst nicht im gleichen Umfang gestiegen. Auch entsprechen die 2222 Straftaten der Zuwanderer gemessen an der Gesamtzahl von 65  169 aufgeklärten Taten einem Anteil von nur 3,4 Prozent. „Dabei handelt es sich hauptsächlich um Kleinkriminalität wie Diebstahl und einfache Körperverletzung“, sagte Steffen Salow von der Schweriner Polizei. Einen relativ hohen Anteil ausländischer Täter weist die PKS für Ladendiebstähle aus. Von insgesamt 6345 angezeigten und aufgeklärten Fällen gingen 611 auf das Konto von Ausländern – fast 10 Prozent.

Nicht nur zwischen Deutschen und Nichtdeutschen unterscheidet die Kriminalitätsstatistik, auch gibt sie Aufschluss über regionale Entwicklungen im Land.

Schwerin

Die gute Nachricht: Mit 9650 Straftaten sank die Kriminalität in der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr um satte 12 Prozent. Der höchste Rückgang landesweit. 2014 hatte die Polizei noch 10  969 Fälle registriert. „Wir hatten im vergangenen Jahr glücklicherweise keine Einbruchsserien“, gab Polizeihauptkommissar Salow eine mögliche Erklärung.

Die schlechte Nachricht: Trotzdem ist die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, laut Statistik in Schwerin am höchsten. Die Landeshauptstadt hat mit 10    473 Straftaten auf 100    000 Einwohner rechnerisch die höchste Kriminalitätsbelastung. Im Landkreis Rostock ist das Risiko mit 5611 Delikten auf 100  000 Einwohner nur halb so groß und landesweit am geringsten.

Nordwestmecklenburg

Im Landkreis Nordwestmecklenburg fällt besonders der rasante Anstieg der Wohnungseinbrüche auf. Mit 224 Einbrüchen 2015 hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (2014: 122 Fälle). Die Polizei geht bei einem Großteil der Einbrüche von Tätergruppen aus anderen Bundesländern aus. „Konkret heißt das für Mecklenburg-Vorpommern, dass sich der Aktionsraum mobiler Täter aus dem Hamburger Umfeld zum Teil schon so weit vergrößert hat, dass er bis in den westlichen Teil unseres Bundeslandes hineinreicht“, erklärte Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes.

Rostock

Die einzige Großstadt Mecklenburg-Vorpommerns ist im Kriminalitätsvergleich mit anderen deutschen Städten im unteren Drittel angesiedelt. Im Landesvergleich ist Rostock allerdings die Stadt mit den höchsten absoluten Werten – insbesondere bei der Diebstahlskriminalität. 7410 Fälle wurden 2015 angezeigt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im benachbarten Landkreis Nordwestmecklenburg. Die Stadt mit ihrer Infrastruktur und hohen Bevölkerungsdichte bietet mehr Tatgelegenheiten. „Zudem begünstigt die Anonymität der Städte die Begehung von Diebstählen“, sagte Michel Schuldt.

Ludwigslust-Parchim

Der Landkreis hat ein statistisches Problem. Die PKS weist zwar 17  382 Straftaten und damit die höchste Rate aller Landkreise aus. Darunter sind aber 5227 Verstöße gegen Einreise- und Aufenthaltsgesetze von Flüchtlingen, die beispielsweise ohne Pass in der Erstaufnameeinrichtung in Horst bei Boizenburg angekommen sind. Diese Fälle sind eher den Umständen der Flucht und weniger einer kriminellen Energie geschuldet. Rechnet man diese Gesetzesverstöße aus der Statistik heraus, hätte der Landkreis die zweitniedrigste Kriminalitätsbelastung.

Landkreis Rostock

Der Landkreis hat mit 5611 Straftaten auf 100  000 Einwohner die geringste Kriminalitätsbelastung aller Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Im Speckgürtel Rostocks, in Bad Doberan und Güstrow geht es eher ruhiger zu. Man kennt sich hier eben. Gemeinsam mit Nordwestmecklenburg hat der Landkreis die geringste Anzahl gemeldeter Körperverletzungen. Negativ: Die Polizei klärte allerdings weniger Fälle auf. Die Aufklärungsquote sank von 62,1 Prozent im Jahr 2014 auf 58,7 Prozent im Jahr 2015.

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