Justizministerin ermuntert zur Hospitation : Tatort Landeskriminalamt

Ab heute werden acht Anklagevertreter aus den vier Staatsanwaltschaften Stralsund, Neubrandenburg, Schwerin und Rostock im Landeskriminalamt erwartet. Ziel: Die Ermittlungsquote weiter optimieren.

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18. März 2013, 10:59 Uhr

Schwerin | Im TV-Tatort scheint es eine Selbstverständlichkeit: Die attraktive Staatsanwältin lässt den Polizisten antanzen, der bärbeißige Staatsanwalt sitzt der Kriminalistin im Nacken. Nur eine Tür trennt demnach die Hauptakteure jedes Ermittlungsverfahrens voneinander. In der Realität ist der Abstand zwischen den beiden Seiten, die im Staatsauftrag großen und kleinen Gangstern nachstellen, deutlich größer. Zwar haben die meisten Staatsanwälte je nach Zuständigkeit regelmäßig mit den selben Polizeibeamten zu tun - überwiegend aber nur auf dem Papier oder per Telefon. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) möchte das ändern und hat in Mecklenburg-Vorpommern ein Hospitationsprogramm wiederaufgelegt, das bis 2001 insgesamt 27 Vertreter der Staatsanwaltschaft mit der Polizeiarbeit bekannt gemacht hatte.

In einem ersten Schritt im Herbst 2012 wurden vier Anklagevertreter für eine Woche in die Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg entsandt. Ab heute werden acht Kolleginnen und Kollegen aus den vier Staatsanwaltschaften Stralsund, Neubrandenburg, Schwerin und Rostock im Landeskriminalamt erwartet. Wiederum eine Woche sollen die bleiben. "Ich begrüße das ausdrücklich, denn wer sich gut kennt, kann noch vertrauensvoller zusammenarbeiten", sagt die Justizministerin. Ihr Ziel: "Die schon positive Ermittlungsquote weiter zu optimieren."

Die "Chance zu einem Perspektivwechsel" weiß René Sengbusch schon von seiner ersten Erfahrung im vergangenen Herbst zu schätzen. "Seine Mitspieler persönlich kennenzulernen, erleichtert den Griff zum Telefonhörer", sagt er. Schließlich gehe es um ein und die selbe Sache. "Die Polizei leistet die Ermittlungsarbeit, die Verfahrensleitung obliegt der Staatsanwaltschaft", erklärt er. Seit drei Jahren ist der promovierte Jurist bei der Staatsanwaltschaft Schwerin und dort zuständig für Tötungsdelikte in der Umgebung der Landeshauptstadt sowie für politische Straftaten im Raum Wismar und Grevesmühlen. Als Rechtshilfedezernent steht er zudem ausländischen Ermittlern zur Seite, wenn sie im Bereich der Staatsanwaltschaft Schwerin zu tun haben.

Im Landeskriminalamt verspricht sich René Sengbusch neue Erkenntnisse über Ermittlungsmethoden auf dem Gebiet der Internetkriminalität und über die Möglichkeiten der Kriminaltechniker. Welches Thema ihn besonders interessiert? "Zum Beispiel: Warum vor allem die Telefonauswertung manchmal so lange dauert." Umgekehrt will sich der Staatsanwalt natürlich auch den Fragen der Polizei stellen und über die Arbeitsweise seiner Behörde Auskunft geben. Es gehe eben um gegenseitige Einblicke.

Über weitere mögliche Streitthemen wird nichts verraten. Denn anders als im TV-Tatort fliegen im richtigen Leben nur selten die Fetzen zwischen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei - zumindest offiziell.

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