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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 12:28 Uhr

Kriminalität : Tatort Hotelzimmer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fön, Fernbedienung, Glühbirne und Toilettenpapier – Diebstahl in Hotels ist ein Massendelikt geworden

Alles ging blitzschnell. Die beiden Täter betraten die Empfangshalle eines Hotels in Zingst, schraubten den an der Wand befestigten Flachbildfernseher ab und verschwanden mit dem 800 Euro teuren Gerät so schnell wie sie gekommen waren. Die verdatterten Mitarbeiter an der Rezeption konnten nur noch die Polizei verständigen. Ein Sieg der Dreistigkeit.

Diebstähle aus Hotels sind ein Massenphänomen – allerdings laufen sie selten so spektakulär ab wie im Zingster Beispiel aus dem Dezember 2013. „Begehrt sind Handtücher und Bademäntel“, berichtete Matthias Dettmann, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch Föne, Fernbedienungen, Wandbilder, Glühbirnen und Rollen Toilettenpapier verschwinden ungeniert in den Koffern abreisender Urlauber.

Acht Prozent aller Hotelgäste lassen Gegenstände aus ihrer Herberge mitgehen, so eine Studie des Online-Reiseportals Travel24.com, zu der 5800 Urlauber hinsichtlich der vergangenen zwei Jahre befragen wurden. Laut Studie beziffert sich der Gesamtschaden der von Deutschen in Hotels gestohlenen Gegenstände jährlich auf mindestens 37 Millionen Euro.

Beim Bildungsgrad überrascht vor allem: Je höher die Bildung, desto mitnahmefreudiger die Gäste. Über die Hälfte der in der Umfrage geständigen Hoteldiebe gaben an, sie hätten Hochschulreife.

Das Unrechtsbewusstsein scheint nicht groß zu sein. „Hoteliers berichten, dass diese Gäste häufig der Meinung sind, dass ihnen im Hotel mehr zusteht, als auf der Rechnung ausgewiesen wird“, sagte Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommerns. Dabei bleiben auch Nobelherbergen wie das Grand Hotel in Heiligendamm nicht verschont. „Hochwertige Handtücher und Bademäntel verschwinden regelmäßig, oft nur als Souvenir“, sagte die Pressesprecherin des Hotels, Dorit Wehmeyer. Insgesamt halte sich der Diebstahl im Grand Hotel allerdings in Grenzen. Nachvollziebare Gründe für die ungesetzliche Mitnahme von Hoteleigentum gibt es nach Meinung von Dorit Wehmeyer in Heiligendamm ohnehin nicht. „Alle Artikel werden schließlich in unserem Souvenirshop zum Kauf angeboten“, so die Pressesprecherin.

Genaue Zahlen über Hoteldiebstähle in Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht, denn selten stellen Hoteliers Strafanzeige. „Die meisten Hotels versuchen sich gütlich zu einigen und schreiben den Gast an“, sagte Dehoga-Geschäftsführer Matthias Dettmann. Denn es geht um den guten Ruf des Hauses und schließlich soll der Gast wiederkommen.

In einem diskreten Brief des Grand Hotels Heiligendamm könnte es dann laut Dorit Wehmeyer heißen: „Sehr geehrter Gast, Sie haben vielleicht versehentlich unseren Bademantel eingepackt. Sie können den Mantel als Erinnerungsstück selbstverständlich auch käuflich bei uns erwerben.“

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