Neue Inselpolizistin : Tatort Hiddensee

Auf der Insel geht es für Martina Dominik am besten mit dem Fahrrad voran.
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Auf der Insel geht es für Martina Dominik am besten mit dem Fahrrad voran.

Martina Dominik war in der Rauschgiftabteilung und hat Spuren gesichert. Nun schiebt sie Dienst auf Hiddensee.

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06. April 2017, 11:55 Uhr

An ihren neuen Dienstwagen muss sich Kriminalhauptmeisterin Martina Dominik noch gewöhnen. Das kleine Polizeiauto fährt nahezu lautlos, hat aber nur eine Reichweite von knapp 150 Kilometern. Auf der fast autofreien Insel Hiddensee leistet auch die Ordnungshüterin einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutzschutz. Die neue Inselpolizistin fährt ein Elektroauto. Das einzige der Landespolizei.

Der Dienst auf dem Eiland vor Rügen ist aber auch noch aus anderen Gründen „etwas ganz Besonderes und Spezielles“, sagt Polizeihauptkommissar Mario Ullrich, Vorgesetzter und Revierleiter in Bergen. Die Ordnungshüterin Dominik muss mit einigen Einschränkungen klar kommen. Seit der Wende waren auf der Insel stets zwei Beamte im Einsatz. Die 51-Jährige soll nun künftig alleine für Ordnung und Sicherheit auf Hiddensee sorgen.

„Nicht ganz einfach“, findet Ullrich. Und bei einem Ernstfall müsste die Polizistin mindestens 45 Minuten auf Verstärkung warten. So lange brauchen die Kollegen vom Festland, wenn sie mit der Fähre oder dem Wassertaxi nach Hiddensee übersetzen. In der Polizeidienststelle im Gemeindehaus gibt es auch keine Zelle für Störenfriede. Nur einen Keller. Da würde sie aber wohl Probleme mit Menschenrechtsorganisationen bekommen, sagt Dominik und lacht. „Ich habe aber Hand- und Fußfesseln. Das muss reichen.“

Die Abgeschiedenheit ihres Dienstortes sieht die Beamtin gelassen. „Ich bin Einzelkämpferin“, sagt sie. Und sie bringt 25 Jahre Berufserfahrung mit – davon 14 Jahre beim Landeskriminalamt in den Abteilungen für Rauschgift und Prävention. Die vergangenen acht Jahre ist sie in der Landeshauptstadt Schwerin als Beamtin im Kriminaldauerdienst zu Tatorten ausgerückt. Und nun Hiddensee mit seinen knapp 1000 Einwohnern.

Die 51-Jährige ist freiwillig auf die Insel gekommen. Sie ist ein Glücksgriff. Die Polizei hatte bereits 2015 versucht, Nachfolger für die zwei altgedienten Kontaktbeamten auf das Eiland zu locken. Erfolglos. Bedingung war nämlich, auch seinen Lebensmittelpunkt nach Hiddensee zu verlegen. „Gerade für Kollegen mit Ehepartnern, Kindern und eigenem Haus ist das logistisch nur schwer machbar. Der Wechsel auf die Insel bedeutet, man muss liebgewordene Dinge aufgeben“, glaubt Ullrich. Im Herbst 2016 startete die Polizei einen zweiten Anlauf.

Martina Dominik hatte keine Angst, etwas zu verlieren. Für sie „war es eine einmalige Chance.“ „Ich wollte noch einmal eine Veränderung und die Insel fand ich schon immer toll“, sagt sie.

Und der Dienst und das Leben auf Hiddensee bringen auch Vorteile mit sich. „Es gibt hier keine Staus“, scherzt Bürgermeister Thomas Gens. Das Gemeindeoberhaupt ist „sehr froh darüber“, dass die Polizei nach der Pensionierung eines Beamten und der Rückkehr des legendären Inselsheriffs Horst Henk aufs Festland weiterhin dauerhaft Präsenz in seiner Gemeinde zeigt. „Das ist wichtig. Auch die Inselbewohner haben ein Recht auf Sicherheit und Ordnung“, betont Gens. Im Sommer kämen bis zu 10 000 Touristen täglich auf die Insel. „Ein Ordnungshüter direkt vor Ort ist auch Prävention“, findet Gens.

Ein Kriminalitätsschwerpunkt ist Hiddensee trotz vieler Urlauber aber nicht. Gerade einmal 52 Straftaten wurden 2016 verzeichnet. In 22 Fällen handelte es sich um Sachbeschädigungen an Fahrrädern. Außerdem wurden dem Holzesel auf dem Spielplatz die Ohren abgesägt und 18 Diebstähle begangen. Bei den Ermittlungen ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt. Es kennt ja jeder jeden.

Als ihr Vorgänger Horst Henk es aus Sicht der Inselbewohner mit Fahrrad- und Kutschenkontrollen etwas übertrieb, protestierten kurzerhand 60 Einwohner gegen den Beamten. Weil sein Kollege im Urlaub war, musste Henk die Demo selber absichern. „Zu mir sind bis jetzt aber alle sehr freundlich gewesen“, sagt Martina Dominik, die neue Inselpolizistin.
 

Mord und Totschlag auf der Insel

Auf den Klippen der Steilküste wird die Leiche des Pfarrers gefunden. Der Hiddenseer Bauunternehmer Peter Stein liegt tot im Kinowäldchen von Vitte. Als das im Hafen gesunkene Hotelschiff „Caprivi“ geborgen wird, entdeckt man in der Schiffsbar die Leiche eines Hoteliers.

Auf der beliebten Ferieninsel sterben ziemlich viele Menschen – jedenfalls in den Inselkrimis von Tim Herden. Für zartbesaitete Touristen  sind die Thriller vielleicht nicht gerade die beste Einstimmung  für einen entspannten Aufenthalt auf Hiddensee. Obwohl, ist doch alles nur Fiktion. Oder etwa nicht? Polizeisprecherin Nicole Buchfink kann jedenfalls beruhigen: An einen Mord auf Hiddensee könnten sich selbst die altgedienten Hasen unter den Ermittlern nicht mehr erinnern. Hinweise zu  düsteren und längst vergessenen Gewaltverbrechen auf der Insel lassen sich aber vielleicht noch in den Akten der Kriminalpolizei in Anklam finden.  

Die auf schwerste Straftaten wie Mord spezialisierten Ermittler haben sämtliche Altfälle von ihren  Kripo-Kollegen aus Stralsund übernommen, die auch einmal für Hiddensee zuständig waren. Bis 1986 reichen die Ermittlungsakten  zurück. Darunter sei aber auch kein Mordfall, versichert Polizeisprecherin Buchfink.

In Vitte wurde im Dezember 2015 allerdings bei Aufspülarbeiten ein menschlicher Unterkiefer entdeckt. Laut Polizei lag der Knochen bereits über einen längeren Zeitraum im Wasser. Zur Begutachtung wurde der Unterkiefer an die Rechtsmedizin übergeben. Zu Ermittlungsergebnissen konnte die Polizeisprecherin  gestern aber nicht viel sagen. Der zuständige Kollege weilt im Urlaub.  In oder an der Ostsee würden aber immer wieder einmal Tote oder menschliche Überreste gefunden, erklärt die Polizeisprecherin. Ein Verbrechen stecke selten dahinter.  Die Menschen seien meistens verunglückt  und ertrunken. Die Polizeisprecherin bleibt bei  ihrem Fazit: „Hiddensee ist ein ruhiger Fleck.“ Und eine beliebte Kulisse für spannende Krimis.

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