Lebenslange Haft für Rostocker : „Tat mit Hinrichtungscharakter“

Urteilsverkündung: Angeklagter (r.) nahm das Urteil reglos auf
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Urteilsverkündung: Angeklagter (r.) nahm das Urteil reglos auf

Das Urteil gegen einen 30-Jährigen wegen Mordes an seiner ehemaligen Lebensgefährtin kam nicht überraschend. Doch die Rostocker Richter gingen in ihrem Urteil noch weiter.

svz.de von
13. November 2014, 13:22 Uhr

Wegen der brutalen Ermordung seiner ehemaligen Lebensgefährtin hat das Landgericht Rostock einen 30-jährigen Mann zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht stellte am Donnerstag auch die besondere Schwere der Schuld fest, damit ist eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren nicht möglich. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im April die 23 Jahre alte Frau im Rostocker Stadtteil Lütten Klein zunächst gewürgt und dann mit mehreren Stichen in Bauch, Rücken und Hals getötet hatte. Die Tat stehe auf tiefster Stufe und sei verachtenswert, sagte der Richter. „Er hat sein Opfer mit dem Tode bestraft. (...) Die Tat hatte Hinrichtungscharakter.“ Der Mann habe aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch die Mutter der gemeinsamen heute sechsjährigen Tochter getötet. Mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld war das Gericht noch über den Antrag der Anklage hinausgegangen. Diese hatte lebenslange Haft gefordert, während die Verteidigung auf zwölf Jahre Haft wegen Totschlags plädierte. Die Verteidigerin sagte, über eine Revision sei noch nicht entschieden. Der Täter nahm das Urteil reglos auf.

Die Frau hatte die Beziehung wenige Wochen vor der Tat beendet, da sie bei ihrem Partner keine beruflichen Perspektiven sah. Sie dagegen stand kurz vor dem Ende einer Ausbildung in der Gastronomie und hatte auch einen neuen Freund. Am ersten Prozesstag hatte der Mann in seinem Teilgeständnis davon gesprochen, dass er am Tattag noch die Beziehung habe retten wollen. Doch seine Ex-Freundin habe bei dem vergeblichen Versöhnungsgespräch immer nur von der neuen Beziehung inklusive intimer Details erzählt. Damit habe er nicht umgehen können und hatte so seine Verzweiflung begründet. Für die Kammer waren dies Schutzbehauptungen, er habe die Tat schon über mehrere Tage hinweg geplant.

Das Gericht konnte bei dem Mann keine Eifersucht, übermäßige Wut oder gar Verzweiflung erkennen. Er sei lediglich in seiner Eitelkeit gekränkt gewesen. Der Richter sprach von ungehemmter Eigensucht und einem immensen Besitzanspruch. Dies beweise schon der Tatablauf, beginnend mit dem Würgen der Frau und den insgesamt neun Messerstichen bis hin zu dem lebensbeendenden Schnitt in den Hals. Die Frau habe keine Chance gehabt, dem Mann zu entkommen.

Der Täter hatte zum Prozessauftakt geschildert, wie er seinem Opfer noch die Haare aus dem Gesicht gestrichen und einen Kuss gegeben habe, als es tot auf dem Bett lag. „Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe.“

Das Gericht sah keine Gründe, die zu einer Strafmilderung hätten führen können. Der Mann habe zur Tatzeit nicht unter Alkohol oder Drogen gestanden, er stand auch nicht vor einer ausweglosen Situation. „Es war eine schreckliche Tat, das erlebt man auch nicht unbedingt immer als Strafrichter“, sagte der Richter zum Schluss in seiner Urteilsbegründung.

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