„Young Style Party“ : Tanzrausch ohne Alkohol

Die Ludwigsluster „Young Style Party“ für Kinder von elf bis 17 Jahren ist für die „Goldene Göre“nominiert worden.
Die Ludwigsluster „Young Style Party“ für Kinder von elf bis 17 Jahren ist für die „Goldene Göre“nominiert worden.

Ludwigsluster Kinderparty vom Deutschen Kinderhilfswerk für Preis nominiert

svz.de von
07. April 2015, 11:55 Uhr

Lustig geht auch „ohne“ - ohne Alkohol, Tabak und illegale Drogen. Das ist die Überzeugung von rund 30 jungen Leuten aus dem mecklenburgischen Ludwigslust, die alle vier bis sechs Wochen in der Stadthalle eine drogenfreie „Young Style Party“ für Kinder ab elf Jahren organisieren. Und die Idee kommt gut an: Jedes Mal tanzen zwischen 18 und 22 Uhr einige Hundert Kids, wie die 17-jährige Luisa, Jugendratsvorsitzende der Stadt Ludwigslust, erzählt. Der kerngesunde Party-Spaß ist in diesem Jahr für die „Goldene Göre“, den Preis des Deutschen Kinderhilfswerkes nominiert.

Damit bei so einer „Ü11-Party“ auch ordentlich Stimmung aufkommt, lässt sich die Organisations-Crew einiges einfallen. Motto-Partys, bekannte DJs, heiße Hits, die mitreißen und einfach gute Laune machen, zählt Luisa wichtige Zutaten der Riesen-Fete auf. Nicht fehlen dürften coole Cocktails, allesamt alkoholfrei natürlich, betont die 14-jährige Lea, jüngste Barkeeperin im Team. „Safer Sex On The Beach“ werde am häufigsten bestellt, ein Gemisch aus Fruchtsäften, Eis und Himbeersirup.

Dennis Ludwinski (21) gehört zu den Partymachern der ersten Stunde.

Noch vor fünf Jahren habe es in der Kleinstadt nur wenige Freizeitangebote für Jüngere gegeben, sagt er. Der Leidensdruck der Kids sei schon recht groß gewesen. Dennis und ein paar Freunde nahmen die Sache selbst in die Hand und schlossen sich zu einer Veranstaltungs-Crew zusammen. Gemeinsam mit Hobby-Musikern, Profi-DJs, der Stadt und dem Amt Ludwigslust kreierten sie die Kinderpartys. Die Stadthalle dürfen sie umsonst nutzen. Hilfe bekommen sie von Pädagogen, und zur Party-Zeit passt ein professioneller Sicherheitsdienst mit auf.

Das Kinderhilfswerk lobt vor allem die Eigenständigkeit der Partymacher. „Die jungen Leute tragen weitgehend selbst die Verantwortung für die gesamte Organisation und Durchführung“, sagt die Projektverantwortliche Sylvia Kohn.

Für die „Goldene Göre“ bewarben sich in diesem Jahr rund 100 Projekte. Unter den sechs nominierten Ideen werden vier Preise vergeben, hinzu kommt die „Europa-Göre“ für europäische Vorhaben. Die Preisvergabe ist am 14. Juni im Freizeitpark Rust.

Früher gab es in der Region Südwestmecklenburg kein einziges Tanzangebot speziell für Kids, sagt Jugendpfleger Olaf Schmidt von der Stadtverwaltung Ludwigslust. Der 17-jährige Marius von der Party-Crew kennt diese Zeit aus eigener Erfahrung. Mit 13 habe er selbst noch mit seinen Kumpels viel auf der Straße rumgehangen, da wurde auch getrunken und geraucht, sagt er. „Da gibt es nicht nur schöne Erinnerungen.“

Alkoholexzesse bis hin zum Komasaufen betreffen im Nordosten besonders viele und vor allem sehr junge Menschen. Einer Statistik zufolge kamen 2013 insgesamt 88 Kinder mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.  „Das Stadtbild von Ludwigslust ist heute ein anderes“, schildert Marius. Auf der Skaterbahn werde wieder richtig gefahren – und nicht mehr nur getrunken. Und zum Feiern sei die „Young Style Party“ inzwischen echt angesagt. „Das ist heute eine andere Generation der Dreizehnjährigen“, sagt er.

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