Rostock : Tanzen ganz ohne Mädchen

<fettakgl>Tanzlehrer Peter Mann</fettakgl> trainiert mit Schützlingen:  'Wir schulen die Feinmotorik, Beweglichkeit, Ausdauer, Konzentration.' <foto>dapd</foto>
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Tanzlehrer Peter Mann trainiert mit Schützlingen: "Wir schulen die Feinmotorik, Beweglichkeit, Ausdauer, Konzentration." dapd

Es ist nicht einfach, den Bewegungen des Tanzlehrers Peter Mann zu folgen. Musikpädagoge Mann will mit dem Klischee aufräumen, dass Tanzen nur etwas für Mädchen ist. Er bietet einen speziellen Kurs nur für Jungen an.

svz.de von
25. Juni 2012, 12:08 Uhr

Rostock | Im Studio 1 des Vereins tanzland in Rostock bemühen sich die sechs- bis neunjährigen Jungen redlich, im Takt zu bleiben. Die Beine sind ausgestellt, die Knie wippen, der Oberkörper muss aufrecht bleiben. Dazu die Arme anwinkeln, Handflächen nach vorn. Es ist nicht einfach, auf dem glatten Holzboden den Bewegungen des Tanzlehrers Peter Mann zu folgen. Mann will mit dem Klischee aufräumen, dass Tanzen nur etwas für Mädchen ist. Er bietet einen speziellen Kurs nur für Jungen an. "Sie trauen sich einfach mehr zu, wenn Mädchen nicht dabei sind", sagt der Tanzpädagoge.

Zum Mittwochkurs gehören elf Grundschüler, ausschließlich Jungen. Insgesamt 270 Kinder und Jugendliche tanzen bei tanzland, 60 von ihnen Jungen - in allen Altersklassen, egal ob sechs, zwölf oder vierzehn.

Das Klischee, Tanzen sei etwas für Mädchen, zieht bei ihnen nicht. "Ballett wollen die Jungs natürlich nicht. Nenn es HipHop - dann kommen sie", sagt Mann, der seit 20 Jahren Tanzen unterrichtet. "Kinder wollen sich bewegen, wir haben den Platz und das Angebot. Wenn sie dann in der Schule erzählen, sie können HipHop oder Breakdance, dann finden das alle toll."

Bevor er Tanzpädagoge wurde, lernte er Schlosser mit Abitur und studierte in Rostock Schiffskonstruktion. Als die Wende kam, hatte er seinen Ingenieur in der Tasche und fing nebenbei mit dem Tanztheater an. Nach einem Studium der Tanzpädagogik in Berlin und der Choreografie in New York machte er sein Hobby zum Beruf und gründete mit Mitstreitern in Rostock den tanzland e.V. Sie unterrichten Modern Dance, Jazz, Ballett, HipHop, Funkstyle, Tanztheater.

Mann betont das Sportive in seinen Kursen, weiß, dass die Jungen Statuskämpfe ausfechten und eher Einzelkämpfer sind. "Man braucht die richtigen Themen, um sie zu fesseln", weiß er.

Die Jungen werden unruhig. Einer lässt sich auf den Boden fallen, zwei beginnen zu raufen. Mann ruft sie in den Kreis und beginnt ein Spiel.

Er wirft einen Begriff in den Raum und lässt ihn von den Kindern durch eine Bewegung oder Körperhaltung interpretieren. Die Jungen zerfließen wie schmelzender Käse, werden spitz und starr wie ein Eisberg oder rollen sich wie eine Schnecke zusammen. "Wir schulen die Feinmotorik, Beweglichkeit, Ausdauer, Konzentration. Und natürlich die Ausdrucksmöglichkeiten", sagt Mann.

Außerdem stärke das Tanzen das Selbstvertrauen. "Wir nehmen ihnen die Angst vor Neuem, Unbekanntem. Sie lernen bei uns Offenheit, Teamverhalten." Nach dem Spiel sind noch mal Kraft und Konzentration für die letzten zehn Minuten Training da. Dann kommen die Eltern, nehmen ihre ausgepowerten Jungs in Empfang. In der Umkleidekabine erzählen sie noch, wie sie es fanden. "Cool. Macht Spaß." Mädchen? Gekicher? "Nöh, ohne isses besser."

Peter Mann begrüßt inzwischen die nächste Gruppe - den gemischten Jugendtanztheaterkurs. Hier tanzen die Jungen und Mädchen HipHop. "So ab 16 Jahren passt es dann zusammen wieder gut", sagt der Tanzpädagoge. Zwischen zehn Mädchen tanzen auch zwei Jungen. "Ich bin nun mal kein Fußballer, also tanze ich", sagt der eine. Der andere ergänzt: "Sport ist auf Leistung bedacht. Aber beim Tanzen kann ich mein eigenes Tempo festlegen. Man bekommt Kraft, Kondition, Körperbeherrschung."

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