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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 16:48 Uhr

Tanktourismus nach Polen

vom

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2012 | 09:55 Uhr

Frankfurt / Slubice | Die Tankstelle gleich hinter der Grenzbrücke in Slubice ist an diesem Morgen fest in deutscher Hand: Ausschließlich Autos mit deutschem Nummernschild rollen zur Zapfsäule. Volltanken plus mindestens einen Kanister befüllen, lautet der Standardwunsch. Eine 24-Jährige aus München, die in der Schwesterstadt Frankfurt (Oder) zu Besuch war, betankt ihren Kleinwagen mit Diesel-"für den Heimweg", wie sie sagt. Wie viel sie spare? "Keine Ahnung", meint sie lachend, "aber es ist bestimmt billiger als in Deutschland." 5,85 Zloty pro Liter kostet der Diesel (1,40 Euro) hier in Slubice (Polen), in der nahen Agip-Tankstelle auf der anderen Seite der Grenze wären es 1,45 Euro gewesen.

Rund 800 Kunden habe er derzeit pro Tag, sagt der Slubicer Tankstellenbetreiber Samuel Leszek. "Der Großteil kommt aus Deutschland." Vergleichszahlen hat er nicht zur Hand, nach seinem Eindruck ist der Absatz aber über die vergangenen Monate kontinuierlich angestiegen. Grund seien wohl die deutschen Rekordpreise beim Sprit, meint er. Allerdings wundere er sich bisweilen über die Nachbarn, denn auch in Polen hätten die Preise angezogen: "Es gab Tage, an denen der Diesel hier gleich viel gekostet hat wie in Frankfurt. Die Deutschen kommen trotzdem."

Leszeks beste Tage sind Freitag und Sonnabend , wenn ohnehin viele zum Einkaufen über die Grenze fahren. Dann finden auch Zigaretten, Gemüse oder auch die beliebte polnische Wurst oft reißenden Absatz. Eigentlich rechnet sich erst mit einem solchen kombinierten Einkauf der Ausflug ins Nachbarland. Ein Rentner aus dem 70 Kilometer entfernten Prieros reicht dem Tankwart drei mitgebrachte Kanister und schraubt den Tank seines Wagens zu. "Ich hatte hier in der Umgebung zu tun, sonst hätte sich die Fahrt über die Grenze nicht gelohnt", sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Gut 20 Euro, so glaubt er, spare er. 6,23 Zloty kostet ihn der Liter Super (1,49 Euro), in Frankfurt hätte er 1,59 Euro bezahlt. In Kanistern dürfen höchstens 20 Liter Kraftstoff pro Auto mitgenommen werden. In Frankfurt (Oder) regt sich Tankstellen-Chef Bernd Saleschke nicht mehr über den Tanktourismus auf. Mit den derzeitigen Rekordpreisen habe der nur bedingt zu tun, meint er. Viele, so glaubt er, würden tanken ohne umzurechnen. "Die glauben einfach, dass es drüben immer billiger ist. Das ist so im Kopf." Zu seiner Tankstelle kommen etwa 500 Fahrer pro Tag - vor allem Stammkunden und Firmen, denen die Rückerstattung der Mehrwertsteuer zu mühsam ist. Bundesweit liegt der durchschnittliche Benzinpreis noch höher. Für E10-Benzin meldete die Mineralölindustrie etwas weniger als 1,64 Euro pro Liter. Die meistgetankten Sorte Super E5 kostete knapp 1,67 Euro, Diesel 1,54 Euro.

Da die Erdölerzeuger neue Kostensteigerungen nicht ausschließen, wird Samuel Leszek die Arbeit vermutlich wohl erstmal nicht ausgehen.

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