Demenz : Tagespflege wird nur verhalten genutzt

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Lediglich 14 Prozent der Demenzkranken besuchen entsprechende Einrichtungen

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08. September 2017, 08:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es immer mehr Einrichtungen der Tagespflege, die sich insbesondere auch um demenzkranke Menschen kümmern. Gab es 2010 im Land lediglich 102 derartige Angebote, waren es fünf Jahre später bereits 165 und Ende vergangenen Jahres nach Angaben der AOK Nordost sogar 186.

Genutzt werden sie allerdings bislang nur verhalten: Lediglich 14 Prozent der Demenzkranken, die auch Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, besuchen eine Tagespflege. Das geht aus dem zweiten Pflegereport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (Gewino) der AOK Nordost hervor, der sich der regionalen Entwicklung von Demenzkranken und Pflegeleistungen in den Jahren 2010 bis 2015 widmet.

Demnach ist hierzulande jeder Siebente über 60-Jährige dement. Allein zwischen 2010 und 2015 nahm der Anteil der Betroffenen in Mecklenburg-Vorpommern, die bei der AOK Nordost versichert sind, um 2,2 auf 16 Prozent zu. Fast zwei Drittel (63,2 Prozent) der Demenzkranken, die bereits eine Pflegestufe hatten, wurden 2015 zu Hause gepflegt. Gerade an sie und ihre Angehörigen richtet sich das Angebot von Tagespflege. Zu Hause Pflegenden kann dadurch eine gewisse Selbstständigkeit bewahrt und ermöglicht werden, weiter arbeiten zu gehen bzw. eigene Termine wahrzunehmen.

Ob Tagespflege auch tatsächlich in Anspruch genommen wird, hängt dem Pflegereport zufolge vor allem davon ab, wie wohnortnah sie angeboten wird. Entsprechende Einrichtungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern aber überwiegend in Städten. Auf dem Land, insbesondere in West-Mecklenburg, im Raum Teterow und südlich von Neubrandenburg, sucht man nach den Gewino-Daten Tagespflegeangebote vielfach noch vergeblich. Im Amt Goldberg-Mildenitz bei Parchim und auf der Insel Poel wurde dem Report zufolge 2015 überhaupt keine Tagespflege für demzkranke Pflegebedürftige genutzt. Die höchste Nutzungsquote für MV ermittelte das Gewino in Satow im Landkreis Rostock: Hier besuchten 43,2 Prozent aller Demenzkranken, die 2015 Leistungen der Pflegeversicherung erhielten, eine Tagespflegeeinrichung.

Die Notwendigkeit, ein möglichst flächendeckendes Netz entsprechender Angebote auszubauen, ist nicht nur eine Forderung des Gewino. Auch der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, setzt sich dafür ein. Er vergleicht den notwendigen Ausbau von Angeboten der Tagespflege für Demenzkranke mit dem Aufbau der flächendeckenden Kinderbetreuung für unter Dreijährige in den alten Bundesländern.

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