Publizist Kuno Karls : Tage im November...

Nachdem seit dem 25. November 1989 eine Personenfähre zwischen Darchau und Neu Darchau verkehrt, nimmt am 15. April 1990 eine Lastenfähre ihren Dienst auf. Endlich können hier auch Autos übersetzen. Aber selbst an diesem Tag gibt es Passkontrollen für die Bundesbürger, die an das Ostufer kommen.
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Nachdem seit dem 25. November 1989 eine Personenfähre zwischen Darchau und Neu Darchau verkehrt, nimmt am 15. April 1990 eine Lastenfähre ihren Dienst auf. Endlich können hier auch Autos übersetzen. Aber selbst an diesem Tag gibt es Passkontrollen für die Bundesbürger, die an das Ostufer kommen.

Der Hagenower Publizist Kuno Karls trug Erinnerungen an das Entstehen und Vergehen der deutsch-deutschen Grenze vom Priwall bis zur Elbe zusammen

Die Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 sind bei vielen Menschen geprägt durch die Bilder von jubelnden Menschen an den Grenzübergängen des geteilten Berlins. Aber auch an der deutsch-deutschen Grenze, die das heutige Mecklenburg von Schleswig-Holstein und Niedersachsen trennte, nahmen Bürger ihr Schicksal in die Hand. Unüberwindbar gewordene Grenzanlagen öffneten sich in den Novemberwochen 89. Aus Klassenfeinden oder doch zumindest Fremdelnden wurden wieder Nachbarn und auch Freunde.

Wahrscheinlich sind es vor allem die berühmten Fernsehaufnahmen und die bekannten Fotografien, die unsere Erinnerungen prägen. Doch es gab auch die Hobbyfotografen, die in diesen Tagen zur Kamera griffen und die Freude und Erleichterung nach 40 Jahren Trennung bei jedem kleinen Mauerfall zwischen Travemünde und Dömitz dokumentierten. Einzigartige Zeugnisse der Zeitgeschichte.

Der Hagenower Publizist, Heimatdichter und Sammler Kuno Karls hat sich die Mühe gemacht und die vielen Orte der Grenzöffnung besucht. Er ist auf Menschen getroffen, die sich anhand ihrer Fotos noch heute an die Tage im November 89 begeistert erinnern. Und er hat ihre Fotos und ihre Erinnerungen zusammengetragen.

Herausgekommen ist ein wohl einmaliger und ebenso umfangreicher Bildband zur Öffnung der deutsch-deutschen Grenze von der Ostsee bis zur Elbe. Das Buch mit dem Titel „Es war einmal eine Grenze...“ versammelt über 500 bislang kaum veröffentlichte Fotografien von über 100 Fotografen aus Ost und West und dokumentiert den Aufbau der Grenzanlagen bis 1989, doch vor allem die zahlreichen Ereignisse im Zuge der Grenzöffnung im heutigen Mecklenburg.

Seit 1989 sammelte Kuno Karls mit Unterstützung vieler Menschen eine große Anzahl Fotos und Zeitzeugenberichte aus dieser Zeit. Von Beginn an war es ihm wichtig, dass dieser Schatz nicht in den Schubladen bleibt, sondern genutzt werden kann, um an das Wunder des Jahres 1989 zu erinnern. Mit diesen Bildern erzählt Kuno Karls nun sowohl von den großen Ereignissen an der Grenze als auch von den kleinen, stillen und wenig beachteten Grenzöffnungen.

Er erinnert an Autoschlangen, die sich schon am 10. November an den Grenzübergangsstellen Mecklenburgs bis zu 50 Kilometer zurückstauten; an den 24. Dezember 1989, als auch die Westdeutschen zum ersten Mal frei die DDR bereisen durften und von den Ossis herzlich empfangen wurden oder an den 1. Juli 1990, den Tag der Währungsreform.

Vor allem eines wird nach der Lektüre des Buches, das im Adebor Verlag in Banzkow einen sehr guten Begleiter fand, wieder deutlich: Die Revolution des Jahres 1989 war eine Revolution von unten. Es waren auch in Mecklenburg die vielen Frauen und Männer, die Bürger dieses Landes, die einfach genug hatten vom Leben in der real-existierenden DDR und die schließlich das Heft des Handelns in die Hand genommen haben. Sie haben die Zäune zwischen der Elbe und dem Priwall eingerissen, die Gräben überwunden, Fährlinien eingerichtet und Wege geebnet, um wieder zusammenzubringen, was zusammengehört.

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