Tafeln warnen vor Küstenabbrüchen

<fettakgl>Mitarbeiter des Fördervereins </fettakgl>Kap Arkona stellen eine Informationstafel zu den Gefahren an der Steilküste Rügens auf. <foto>Foto: dpa</foto>
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Mitarbeiter des Fördervereins Kap Arkona stellen eine Informationstafel zu den Gefahren an der Steilküste Rügens auf. Foto: dpa

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25. Juni 2012, 08:15 Uhr

Kap Arkona | Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nach dem tragischen Tod der zehnjährigen Katharina bei einem Küstenabbruch im Norden von Rügen lässt das Land an besonders gefährlichen Steilküstenabschnitten spezielle Informationstafeln aufstellen. Das erste Warnschild ist am Montag am Schinkel-Leuchtturm am Kap Arkona installiert worden. Bis 2015 sollen an weiteren 19 Standorten speziell für die jeweiligen Küstenareale angefertigte Tafeln folgen, die nächsten wahrscheinlich auf der Insel Hiddensee, an Rügens Kreideküste und auf Mönchgut.

Erstellt werden sie von dem Stralsunder Geologen und Fotografen Rolf Reinicke, bekannt als Autor zahlreicher Publikationen über Ostsee-Küstenlandschaften. Auf seinen Farbtafeln informiert er mit kurzen allgemeinverständlichen Texten, Grafiken und Fotos, darunter auch Luftaufnahmen über die Zusammensetzung der Kliffs, ihre Entstehung und ständige Veränderungen. Reinicke sagte, dabei bediene er sich aus seinem privaten Fotoarchiv, das in den vergangenen 30 Jahren entstanden sei und die dynamische Küstenentwicklung somit besonders anschaulich dokumentiere. Ausdrücklich warnt der Experte davor, die Strände unterhalb instabiler Hänge bei starken Niederschlägen, Frost, Sturm sowie während und nach Hochwasserereignissen zu betreten.

"Wir können und wollen nicht die gesamte Steilküste absperren", unterstrich Umweltminister Till Backhaus (SPD). Die Menschen hätten ein Recht darauf, die Natur zu erleben. Über bestehende Gefahren müsse man aufklären, daher investiere das Land rund 15 000 Euro in die Tafel-Aktion. Darüber hinaus seien kurz vor dem Start der Hauptsaison etwa 15 000 Faltblätter an die Tourismuszentren ausgereicht worden. Weitere Flyer sollen mit den Inhalten der Infotafeln gedruckt werden.

Die Aufklärungskampagne sei eine bessere Antwort als pauschale Betretungsverbote, sagte Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann (Bündnis für Rügen). "Unsere Gäste wollen wissen, wo sie noch sicher unsere Naturschönheiten bewundern können, und diesem Bedürfnis müssen wir nachkommen." Seit dem tragischen Unglück am zweiten Weihnachtsfeiertag habe die Gemeinde am Kap mehr als 100 000 Euro investiert, darunter für die Anlegung eines neuen 280 Meter langen Küstenwanderweges.

Unterdessen basteln Geologen bereits an einem digitalen Geländemodell für die 377 Kilometer lange Außenküste. Im Frühjahr hatte die Besatzung eines Spezialflugzeuges die gesamte Küste mit einem Laser gescannt. Dabei seien 200 Millionen Messpunkte aufgenommen worden, sagt Geologe Karsten Schütze. Die brandenburgische Firma Milan werde Ende August die ersten Ergebnisse vorlegen.

Im Unterschied zu bisherigen Modellen, für die man nur etwa alle zehn Meter Punktdaten erstellt habe, werden den Experten künftig zentimetergenaue Werte zur Verfügung stehen, also mehr als 100 Scannpunkte je Quadratmeter. Zudem könne bei dem neuen Verfahren die Küstenvegetation aus den Berechnungen herausgenommen werden. "Damit kommen wir zu einem detaillierten Modell des unbedeckten Reliefs, bei dem abbruchgefährdete Stellen, aber auch frühere Rutschungen und Senkungstrichter genau zu sehen sind." Eine 100 Prozent treffsichere Prognose über künftige Küstenabbrüche werde man aber auch damit nicht geben können, betonte Schütze. Um wirklich sicher zu sein, sollte man gefährdete Stellen einfach meiden.

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