Beamtin aus MV in Brüssel : Täglicher Weg zur Arbeit am Anschlags-Ort vorbei

Karin Schüttpelz im Europäischen Parlament
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Karin Schüttpelz im Europäischen Parlament

Karin Schüttpelz aus Mecklenburg arbeitet seit 20 Jahren in Brüssel – gestern wollte sie nur dort weg

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22. März 2016, 21:00 Uhr

Nur 300 Meter ist der Boulevard Clovis von der U-Bahnstation Schuman entfernt. Von dort sind es noch einmal 300 Meter bis zum EU-Parlament. Karin Schüttpelz geht die Strecke jeden Morgen zu Fuß zur Arbeit. Die Mecklenburgerin arbeitet seit 20 Jahren in Brüssel, ist Beamtin und Bereichsleiterin im Europäischen Parlament.

Sie hat schon vieles erlebt in Europas Hauptstadt. Es ist nicht der erste Anschlag. Aber Angst um ihr Leben musste sie in der gut bewachten Stadt noch nie haben. Bis gestern. Am Boulevard Clovis hat sie ihre Wohnung. Ihr Weg zur Arbeit führt genau an der Stelle eines der beiden Terroranschläge vorbei.

„Das Parlament ist geschlossen“, berichtet sie am Vormittag. Man hört die Sirenen von der Straße. Die Hubschrauber kreisen über dem Gebäude. „Alle wollen aus Brüssel raus. Ich werde mir heute irgendwann meine Tochter schnappen und unseren Enkel, und dann ab nach Deutschland“, kündigt sie an.

Ihre Tochter arbeitet im Büro einer Abgeordneten. Der einjährige Leo geht in Brüssel in die Krippe. Den hat die Tochter zu dem Zeitpunkt schon abgeholt. Die Verunsicherung ist groß. Angst geht in der Stadt um. „Betroffen sind die Menschen, nicht das Parlament“, sagt Karin Schüttpelz. In Belgien beginnen heute die Osterferien. Tausende werden aus der Stadt drängen, deren Zufahrtsstraßen derzeit noch abgeriegelt sind. Auch Karin Schüttpelz hat ihr Auto in der Stadt und will mit Tochter und Enkel so schnell wie möglich heraus – nach Hause, nach Mecklenburg.

In allen öffentlichen Gebäuden bleiben gestern die Türen geschlossen. In der brandenburgischen Vertretung direkt neben der U-Bahnstation Maelbeek herrscht ebenso Ausgehverbot, wie im Informationsbüro Mecklenburg-Vorpommerns am Boulevard Saint Michel. Wie es nach Ostern weitergeht, ist noch ungewiss.

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