Lebendige Adventskalender : Täglich öffnet sich eine Tür

Bis zum 24. Dezember öffnet sich in Borgfeld bei Stavenhagen jeden Tag ein neues Haus für Besucher. Der gelbe Herrnhuter Stern aus der Kirche weist jeweils den Weg.
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Bis zum 24. Dezember öffnet sich in Borgfeld bei Stavenhagen jeden Tag ein neues Haus für Besucher. Der gelbe Herrnhuter Stern aus der Kirche weist jeweils den Weg.

Lebendige Adventskalender: Ein Stern weist den Weg zum Nachbarn

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01. Dezember 2014, 07:45 Uhr

Vielerorts verwandeln sich Gemeinden in diesen Tagen in große Adventskalender: Täglich wird eine Tür geöffnet und Menschen bitten Nachbarn in ihr Haus. Die Initiative dazu kommt von der Kirche, aber mitmachen könne jeder, betont Christiane Klempt aus Zwiedorf (Mecklenburgische Seenplatte). Sie organisiert den „lebendigen Adventskalender“ seit langem in ihrer Kirchengemeinde Ivenack. Dorthin brachte ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein vor Jahren den Brauch mit, im Advent vor den Häusern zu singen und sich so auf Weihnachten einzustimmen.

„Die Mecklenburger sind aber mehr für Hinsetzen und Kaffeetrinken“, sagt Klempt. Und so halten sie es in diesem Jahr zum 14. Mal.

In der Kirchengemeinde Hohenmocker-Daberkow bei Demmin organisiert der junge Pastor Christian Bauer den Adventskalender zum ersten Mal. Er öffnet auch die erste Tür: „Jeder kann kommen, niemand braucht sich anzumelden.“ Katrin Wascher aus Letzin hat ein Schild mit einer Zwei im Fenster – sie öffnet am 2. Dezember ihr Haus. „Wir freuen uns, in der dunklen Jahreszeit, wo man abends kaum noch jemanden sieht, mit Freunden und Nachbarn in Kontakt zu bleiben“, erzählt die Frau, die als Prokuristin in einem Landwirtschaftsbetrieb arbeitet. Sie will den historischen Hintergrund einiger Adventslieder vermitteln. Anderswo wird musiziert, vorgelesen, gesungen, gebastelt. Dazu gibt es Weihnachtsgebäck oder Schmalzstullen, Kaffee oder Punsch. Pastor Bauer hat den lebendigen Adventskalender im Vikariat kennengelernt. Er sieht darin eine Möglichkeit, dass sich die etwa 940 Mitglieder seiner beiden großflächigen Kirchengemeinden etwas besser kennenlernen.

Wie die Sprecher des Mecklenburgischen und des Pommerschen Kirchenkreises berichten, praktizieren immer mehr Gemeinden den Adventsbrauch. In Vorpommern sind es unter anderem Greifswald- Wieck, Semlow-Eixen, Beggerow, Anklam, Strasburg, Züssow, Ueckermünde- Liepgarten und Barth. In Prerow werden Gedichte und Geschichten vorgetragen, darunter auch selbstverfasste, und es werden Weihnachtslieder zur Gitarre oder zum Schifferklavier angestimmt.

In Mecklenburg sind lebendige Adventskalender unter anderem in Cammin, Doberan, Selmstorf, Gresse-Granzin, Krakow, Tarnow, Conow, Rerik-Biendorf-Russow, Groß Pankow-Redlin,  Feldberg, Möllenhagen- Ankershagen, Witzin, Brüel und in Wismar und Neukloster bekannt, dort als ökumenisches Projekt.

In Ivenack und den umliegenden Dörfern weist ein Herrnhuter Stern den Weg zu dem Haus, dessen Tür am Nachmittag oder Abend geöffnet wird. Den Auftakt macht am 1. Advent ein Gottesdienst in der kleinen geschmückten Dorfkirche von Borgfeld. Am Heiligen Abend kommt der Stern wieder mit in die Kirche, berichtet Pfarrer Eckhard Gebser, der die Gemeinde vor drei Jahren übernahm. „Sie ist eine der schönsten Veranstaltungen in der Gemeinde. Dort treffe ich Leute, an die ich sonst nie herankomme.“

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