Leserumfrage : Tabu-Zone für Männer

Damit sich Frauen sicherer fühlen, wird über sogenannte „Lady-Zonen“ diskutiert.
Damit sich Frauen sicherer fühlen, wird über sogenannte „Lady-Zonen“ diskutiert.

Nur zehn Prozent der Frauen fühlen sich nachts auf der Straße sicher / Mehr Schutz gefordert

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27. Januar 2016, 20:55 Uhr

In Fitness-Studios gibt es sie schon lange, in Saunen sowieso: Lady-Zonen. In diesen Bereichen haben Männer keinen Zutritt. Frauen sollen sich so wohler und auch sicherer fühlen. Wir haben unsere Leser gefragt: Sollte es gesonderte Frauenbereiche auch in öffentlichen Verkehrsmitteln geben?

Ja, finden 40 Prozent der Frauen und damit deutlich mehr als von den männlichen Befragten. Von ihnen sprechen sich nur 18 Prozent für Lady-Zonen in öffentlichen Verkehrsmitteln aus. 75 Prozent sind dagegen. Insgesamt nahmen an der Umfrage 303 Leser teil.

Die Einführung von Frauen-Zonen wurde zuletzt im bayrischen Regensburg diskutiert. Durch Markierungen am Boden sollten in Bussen und Bahnen Bereiche ausgewiesen werden, in denen sich nur Frauen und Kinder aufhalten dürfen. Der Regensburger Stadtplanungsausschuss hat die Pläne nun jedoch einstimmig gestoppt. Auch in MV sind Lady-Zonen vorerst nicht geplant (wir berichteten).

„Zwar kann ich jede Frau verstehen, die sich einen Frauen-Bereich in Bussen wünscht, aber die langfristige Entwicklung wäre fatal“, want auch Simone Jürß, Gleichstellungsbeauftrage des Landkreises Nordwestmecklenburg. „Eine tolerante Gesellschaft, die die Würde eines jeden und einer jeden respektiert und schützt, kann nur im Miteinander – nicht im Nebeneinander – entstehen und bestehen.“

Die Diskussion um mehr Sicherheit für Frauen kam nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln auf. Zwar bestätigen sowohl die Polizei als auch die Beratungsstellen gegen sexualisierte Gewalt im Land, dass die Zahl der Übergriffe an Frauen durch Flüchtlinge nicht gestiegen ist. Dennoch gab in der Leser-Umfrage jede zweite Frau (53 Prozent) an, sich seit Silvester vorsichtiger zu verhalten. 42 Prozent vermieden demnach im Dunkeln alleine auf die Straße zu gehen, ein Drittel der Befragten hätten zudem immer ein Pfefferspray, Messer oder ähnliches zur Verteidigung bei sich. Dennoch fühlte sich nur jede zehnte Frau nachts auf der Straße sicher. Zum vergleich: Bei den Männern sind es 56 Prozent.

Auch bei der Frage nach mehr Videoüberwachung zum Opferschutz gibt es große Unterschiede. Während sich von den Frauen 77 Prozent dafür aussprechen, sind es bei den Männern nur 41 Prozent. Die Einführung von Frauen-Zonen in Schwimmbädern lehnen beide Geschlechter weitestgehend ab (Frauen 63 Prozent, Männer 87 Prozent).

Sexualisierte Gewalt ist in Deutschland keine Seltenheit. Auch in unserer Umfrage gaben 82 Prozent der Frauen an, schon einmal sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein. Die Hälfte von ihnen wurde dabei gegen ihren Willen an der Brust oder am Gesäß angefasst. 13 Prozent gaben an, zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Anzeige erstatteten nur fünf Prozent.

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