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Mecklenburg-Vorpommern

21. August 2017 | 04:42 Uhr

Arzneimittelkosten : Tabletten-Hochburg MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nirgends sonst in Deutschland sind die Kosten verordneter Medikamente so hoch wie im Nordosten.

Negativ-Rekord für Mecklenburg-Vorpommern: In keinem anderen Bundesland sind die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel so hoch wie hier. Das geht aus Zahlen des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hervor, auf die der Landesverband der Ersatzkassen (vdek) gestern hinwies. Danach wurden von Ärzten im Land 2016 jedem gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von 778 Euro verordnet. Insgesamt machte das ein Verordnungsvolumen von etwa 1,13 Milliarden Euro aus, 5,7 Prozent mehr als 2015.

Außerdem wurden hier auch öfter als in allen anderen Bundesländern Medikamente verordnet: Während im Bundesdurchschnitt jeder Versicherte im Jahr 10,8 Verordnungen bekam, waren es in MV 13. Zum Vergleich: Patienten in Bayern bekamen durchschnittlich 10 Rezepte im Jahr, Berliner 9,7.

Arzneimittelausgaben je Versicherten in Euro Grafik: dpa
Arzneimittelausgaben je Versicherten in Euro Grafik: dpa
 

Besonders häufig verschrieben werden laut vdek Arzneimittel zur Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen wie Rheuma und Schuppenflechte, Krebsmittel, Medikamente zur Behandlung von Diabetes und gegen Thrombosen sowie Schmerzmittel.

Allein durch die höhere Krankheitslast seien die besonders hohen Arzneimittelausgaben in MV nicht zu erklären, betont vdek-Landeschefin Kirsten Jüttner. Bislang gebe es zu den Gründen jedoch nur Mutmaßungen. Traditionen im Verordnungsverhalten könnten dabei ebenso eine Rolle spielen wie eine besonders ausgeprägte Erwartungshaltung der Patienten.

„Wir können nur immer wieder auf diesen unerfreulichen Umstand hinweisen. Gemeinsam mit den Ärzten versuchen die gesetzlichen Krankenkassen, eine zielgerichtete Arzneimittelberatung durchzuführen“, so die vdek-Landeschefin. Zudem habe man sich mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVMV) darauf verständigt, dass Ärzte in einer zweijährigen „Erprobungsphase“ konsequent den Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anwenden sollen. Perspektivisch könnte das zu Kostensenkungen führen.

Die KVMV sieht allerdings am wichtigsten an dieser Vereinbarung an, dass Verordnungen künftig nach medizinischen Leitlinien, also qualitativen Parametern, beurteilt werden sollen. „Was wir ablehnen, ist, die Verantwortung für Preise zu übernehmen, die von Ärzten nicht beeinflusst werden können und die nicht transparent sind“, betont KVMV-Sprecherin Kerstin Alwardt. Wenig transparent seien auch die GKV-Zahlen zu Arzneimittelkosten, sie würden Rabatte, die die Kassen in Größenordnungen von Pharmafirmen bekommen, nämlich nicht berücksichtigen. Die Höhe dieser Preisnachlässe werde beharrlich verschwiegen.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 20:00 Uhr

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