Prozess in Neubrandenburg : Syrer und Iraker mit Hammer attackiert: Teilgeständnis abgelegt

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Ein 21-jähriger Neubrandenburger soll vor einem Jahr im Alkohol- und Drogenrausch Einheimische und Zuwanderer bedroht und attackiert haben. Vor Gericht gibt er eine Hammer-Attacke zu, weiß aber nicht mehr, wen er angegriffen hat. Die Opfer zeigen sich schockiert.

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26. Oktober 2018, 14:55 Uhr

Im Prozess um Hammer-Attacken gegen Zuwanderer und andere Gewalttaten hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt, ausländerfeindliche Motive aber bestritten.

Er habe sich im November 2017 mit einem Hammer bewaffnet an einem Syrer rächen wollen, weil dieser ihn drei Tage vorher beschimpft und mit einem Messer bedroht habe, erklärte der 21-jährige am Freitag vor dem Amtsgericht Neubrandenburg. Am Tattag sei er aber betrunken gewesen, habe Drogen genommen und könne sich nicht mehr an alles erinnern. „Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es war derselbe Mann“, sagte der Neubrandenburger, der nach eigenen Angaben psychisch krank ist, wegen anderer Straftaten im Jugendgefängnis sitzt und dort auch Medikamente nimmt und ein Antiaggressionstraining absolviert.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährliche Körperverletzung und Beleidigung in neun Fällen vor. So soll er am 11. November zwei Blumentöpfe vom Balkon seiner Wohnung aus 20 Metern Höhe auf einen Passanten geworfen und diesen ausländerfeindlich beschimpft haben.

Der Attackierte konnte ausweichen. Kurz danach habe der 21-Jährige den Iraker mit einem Hammer in der Hand verfolgt. Dieser konnte fliehen, zeigte sich vor Gericht immer noch entsetzt: „Ich wohne seit 20 Jahren in Deutschland, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Er sei Student und kenne den Angeklagten nicht. An dessen Wohnung sei er zufällig vorbeigekommen und habe bei der Attacke um Hilfe gerufen, aber niemand habe sich eingemischt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde kurz danach ein 31-jähriger Syrer in der Nähe des Angeklagten mit dem Hammer geschlagen. „Ich hätte nie gedacht, dass man am helllichten Tag plötzlich einen Schlag gegen den Kopf bekommt“, erzählte das Opfer. Der Angreifer soll auch gerufen haben, Asylbewerber sollten zurückkehren, erklärte der Geschädigte. Er habe heute noch Ängste, allein rauszugehen.

Der Angeklagte konnte die beiden Zeugen vor Gericht nicht auseinanderhalten. Ihm werden außerdem Attacken gegen eine deutsche Verkäuferin mit einer Schere, gegen Polizisten sowie Beleidigungen und weitere Gewalttaten vorgeworfen. Dazu erklärte er, dass er in einer schweren Krise war sowie fast ständig unter Alkohol und Drogen stand. „Die Schere hatte ich immer bei mir, um Gras zu scheiden“, sagte er mit Bezug auf den Drogenkonsum.

Im Gefängnis gehe es ihm sehr gut. Er wolle künftig „nicht mehr gewaltsam in Erscheinung treten.“ Andere Zeugen, darunter auch die Polizisten, schilderten ihn als sehr wechselhaften und Stimmungen unterworfenen Mann. Wegen der möglichen gesundheitlichen Ursachen begutachten zwei Sachverständige den 21-Jährigen. Der Prozess wird am 6. November fortgesetzt. Dann sollen erst weitere Zeugen gehört werden. Wenn möglich, will das Gericht das Verfahren auch beenden.

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