Abschluss der Usedom-Trilogie : Sympathisch unaufgeregt

Blauer Himmel über dem Strand  des Seebades Zinnowitz auf der Insel Usedom
Blauer Himmel über dem Strand des Seebades Zinnowitz auf der Insel Usedom

Abschluss der Usedom-Trilogie von Heinz Brinkmann vergleicht Goldgräberstimmung nach Mauerfall mit heutigen Verhältnissen

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30. Mai 2018, 12:00 Uhr

Usedom | Dietmar Spiller liegt an einem FKK-Strand auf Usedom, blinzelt in die Sonne und winkt dem Eisverkäufer zu, der mit seinem motorisierten Wägelchen vorbeizockelt. Früher, wie man in einer Szene aus dem Jahre 1991 sieht, hat der heute 66-Jährige selbst den Urlaubern auf einem Handkarren Erfrischungen serviert. Ein Pionier des freien Unternehmertums auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Reich ist er damit nicht geworden, aber er ist mit sich und der Welt auf Usedom zufrieden. „Wer sich hier nicht wohlfühlt“, sagt Spiller, „hat was falsch gemacht.“

Der Rentner ist einer von vielen Bewohnern Usedoms, die in dieser Bestandsaufnahme der zweitgrößten deutschen Insel zu Wort kommen. Für den Regisseur Heinz Brinkmann, selbst auf der Insel geboren, ist die Dokumentation nach „Usedom – Ein deutsches Inselleben“ (1992) und „InselLicht – Usedomer Bilder“ (2005) der Abschluss seiner „Usedom-Trilogie“.

Bei seinem Streifzug konzentriert sich der Filmemacher auf die ehemaligen Kaiserbäder wie Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck als touristische Hauptattraktionen. Mithilfe von Fotos, Postkarten und bewegten Archivbildern wird die ruhmreiche Geschichte der Orte mit ihren Seebrücken und Prachtbauten aus der Gründerzeit anschaulich gemacht.

Durch Sequenzen aus dem ersten Film von 1992 wird aber auch die chaotische Goldgräberstimmung nach der Wende nachvollziehbar, als Investoren zahlreiche historische, aber heruntergekommene Villen kauften, abrissen und durch uniforme Appartementhäuser und Hotels ersetzten. Die Bausünden jener Jahre sind vielen Usedomern auch heute noch ein Graus. Andererseits bietet der Tourismus eine enorm wichtige Einnahmequelle für die Insulaner. Doch Probleme wie Arbeitslosigkeit und Strukturschwäche kommen im Film allenfalls am Rande vor.

Die meisten Gesprächspartner, vom Fischbudenbetreiber über einen Hotel-Direktor und einen Immobilienmakler bis zum Bürgermeister, haben vorwiegend Positives zu berichten. Zwischendurch rückt die Dokumentation, die jüngst auch auf dem 28. Filmkunstfest MV zu sehen war, die Teilung der Insel ins Bild, begleitet eine Hotelangestellte von ihrem deutschen Arbeitsplatz in ihre Wohnung in Swinoujscie oder folgt einem Fischhändler aus Ahlbeck auf dessen Einkaufstour in Polen.

Gelegentlich meldet sich der Filmemacher selbst zu Wort, streut Erinnerungen an seine Kindheit ein oder gibt seine Sicht der Situation zum Besten. Das ist alles nicht spektakulär, aber sympathisch unaufgeregt wie der gesamte Film, der immer wieder auch die beträchtlichen Schauwerte der Insel ins Bild rückt, ohne deshalb gleich zum Werbefilm zu verkommen.

Bisweilen darf sogar geschmunzelt werden. Wo ein IT-Manager 1991 auf einem freien Feld steht und großspurig die Errichtung eines gigantischen Kongresszentrums mit allen Schikanen ankündigt, sieht man heute in gleicher Kameraeinstellung noch immer freies Feld.

Usedom – Der freie Blick aufs Meer, D 2017, 95 Min, R: Heinz Brinkmann

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