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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 09:32 Uhr

Abzocke : SVZ entlarvt dubiose Teerkolonne

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Truppe will in Nordwestmecklenburg Hausbesitzer in die Kostenfalle locken / Amt und Polizei warnen vor finanziellen Folgen

von
erstellt am 20.Mai.2014 | 07:25 Uhr

Während Innenminister Lorenz Caffier 200 Polizisten zur Bäderdienstsaison an die Küste schickt, treibt die so genannte Teerkolonne weiterhin ihr Unwesen in Nordwestmecklenburg. Die dubiose Truppe wollte gestern im Binnenland Grundstücksbesitzer in die Kostenfalle locken. Im Bereich Grevesmühlen suchte sie ahnungslose Grundstücksbesitzer auf und wollte ihnen Reparaturarbeiten aufschwatzen.

Die SVZ war vor Ort und konnte das Geschehen aus nächster Nähe mitverfolgen: Aus einem dunkelblauen VW Passat mit niederländischem Kennzeichen steigt ein schlanker junger Mann. Er trägt eine orange Warnweste mit Teerspritzern und gibt sich gegenüber der Grundstückseigentümerin als Mitarbeiter der „Stratenbohfirma Meier“ aus. „Wir arbeiten da im Industriegebiet. Hast du gesehen? Wir machen Arbeit da für die Gemeinde. Aber jetzt schon fertig und haben bisschen Kies, Splitt über. Brauchst du das?“, fragt der Mann kurz nach 9 Uhr morgens. Dann zeigt er auf die Einfahrt des Grundstücks und meint: „Die bisschen kaputt.“

Eine Chance, die Frau übers Ohr zu hauen, hat der Mann mit dunklem Haar und Kurzhaarschnitt nicht. Denn die SVZ warnt die Frau und bleibt an ihrer Seite. Die Dame hört sich das „Angebot“ an, benutzt etwa zehn Mal das Wort „Nein “ und schickt den Mann weg. „Mensch, die Einfahrt ist nicht kaputt“, murmelt sie, als der Mann das Grundstück verlässt. Die SVZ schaltet die Polizei ein.

Der Rest der dubiosen Teerkolonne wartet derweil wenige hundert Meter vom Ortseingangsschild entfernt auf die Rückkehr des Mannes. Zwei von ihnen sitzen in einem Baufahrzeug, das am Straßenrand steht. Der Wagen hat ein englisches Autokennzeichen.

Recherchen ergeben, dass keine Gemeinde und auch kein Amt der vermeintlichen „Stratenbohfirma Meier“ einen Auftrag erteilt hat. „Die Leute sollen um Gottes Willen keinen Auftrag auslösen“, warnt die Sprecherin der Stadt Grevesmühlen, Regina Hacker. Ansonsten kann es teuer werden.

Erst in der vergangenen Woche wollte eine „Teerkolonne“ auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Betriebes in Bad Kleinen Kasse machen. Dort gab sich ein Mann als Niederländer aus und bot Straßenausbesserungsarbeiten an. Nachdem mündlich ein Festpreis ausgehandelt wurde, verlangte die Truppe plötzlich den vierfachen Preis.

Die Polizei warnt in dem Zusammenhang vor derlei Geschäften. Die übliche Vorgehensweise solch reisender „Handwerker“ ist meist dieselbe. Der „Chef“ kommt auf potentielle Auftraggeber zu und akquiriert die Durchführung kleinerer Arbeiten zu einem äußerst günstigen Preis. „Am Ende werden dann größere Flächen als vereinbart mit Asphalt bedeckt und erklärt, dass dies nötig gewesen sei und deshalb ein höherer Preis abgerechnet werden müsse“, so Axel Koeppen von der Kriminalpolizei Wismar.

Wie teuer das für ahnungslose Menschen werden kann, bekam 2012 ein Mann aus Gadebusch zu spüren. Vier Schlaglöcher sollten für rund 150 Euro beseitigt werden. Am Ende musste der Auftraggeber 2500 Euro für einen schlecht aufgetragenen und 130 Quadratmeter großen Belag zahlen.


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