Freitod : Suizid-Risiko steigt mit dem Alter

<p> </p>
1 von 3

 

200 Menschen aus MV setzten ihrem Leben ein Ende

von
15. September 2015, 08:00 Uhr

Die Zahl macht betroffen: 200 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben 2013 – im bislang letzten Jahr mit statistischen Angaben dazu – ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Das ist ein Prozent aller Todesfälle in jenem Jahr. Unter dem Schlagwort „Vorsätzliche Selbstbeschädigung“ führt das Statistische Amt in der Todesursachen-Statistik zudem an, dass deutlich mehr Männer als Frauen in einer für sie aussichtslos erscheinenden Situation den Freitod wählten: 143 Männern stehen hier 57 Frauen gegenüber. Am häufigsten wurden Suizide durch Erhängen, Strangulieren oder Ersticken vollzogen: Diese Todesursachen wurden 2013 bei 97 Männern, aber nur bei 19 Frauen angegeben.

Die menschlichen Tragödien dahinter erzählen diese Zahlen nicht. Dem Suizid-Präventionsprogramm für Deutschland zufolge sind von jeder Selbsttötung mindestens zehn weitere Menschen betroffen, die den Verlust eines Angehörigen oder Freundes meist sehr viel schwerer verarbeiten können als bei einem natürlichen Todesfall.

In Deutschland nehmen sich im Jahr ungefähr 10 000 Menschen das Leben, das sind in etwa so viele wie durch Verkehrsunfälle, Aids, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen sterben.

Auch wenn Männer mit 70 Prozent den größeren Anteil ausmachen, steigt bei beiden Geschlechtern das Suizidrisiko mit dem Alter. Das Durchschnittsalter der auf diese Weise Verstorbenen liegt aktuell bei etwa 58 Jahren, ist in den letzten Jahren aber gestiegen und wird es weiter tun.

Auf jeden Suizid kommen Experten zufolge mindestens zehn Versuche. Deutschlandweit geht man pro Jahr von rund 100 000 Fällen aus. Hier sind besonders jüngere Frauen betroffen. Häufig senden sie damit einen Hilferuf aus, der auf ernst zu nehmende psychische Probleme hinweisen kann. Verzweifelte Menschen müssten für ihre Probleme Ansprechpartner und Hilfe erhalten, betont die Gesundheitsexpertin der Linksfraktion, Karen Stramm. Sie fordert ein Präventionsgesetz für MV. „Darin sollen die Möglichkeiten der Vorbeugung mit denen der Palliativmedizin zusammengeführt werden. Gerade bei Letzterem haben wir noch große weiße Flecken im Land“, so Stramm.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen