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Wähler stimmen über Ortsumgehung ab : Stuttgart 21 am Sonntag in Waren

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In MV läuft eine Mischung aus „Stuttgart 21“ und „Waldschlösschenbrücke Dresden.“ In einem Pilotverfahren zur Bürgerbeteiligung wird im Heilbad Waren abgestimmt, ob es eine Ortsumgehung geben soll - Ausgang offen.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 10:28 Uhr

Waren/Schwerin | Christoph Ewen ist nicht zu beneiden, aber er wollte es ja so: Der erfahrene Bürger-Moderator hat sich ein Jahr lang in einem Pilotprojekt der Bertelsmann-Stiftung mit der sehr umstrittenen Ortsumgehung im Heilbad Waren an der Mecklenburgischen Seenplatte auseinandergesetzt. "Das bundesweit Neue daran ist, dass nach einer umfangreichen Bürgerbeteiligung auch sofort abgestimmt wird", erklärt der 53-Jährige. An diesem Sonntag können rund 18 000 Wähler in Waren nicht nur über den Bundestag abstimmen, sondern auch über einen neuen Bürgermeister und darüber, ob es überhaupt eine Ortsumgehung geben soll. "Die Bürger werden sehr früh beteiligt und sollen entscheiden: Das ist ein neuer Weg, der in Waren ausprobiert wird", erläutert Anna Renkamp von der Bertelsmann-Stiftung.

"Wir wollen mehr Mitbestimmung, nicht erst seit Stuttgart 21", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) zum Projektstart. Inzwischen wurden Lärmgutachten erstellt, Verkehrsprognosen diskutiert und mögliche Trassen begangen. Das besondere Problem der Tourismusmetropole: Waren ist die größte Stadt an der Müritz, liegt zwischen mehreren Seen am Müritz-Nationalpark und verfügt über große Naturschutzgebiete. Als wahrscheinlichste Umgehungsvariante hat sich so eine stadtnahe Brücke über den Tiefwarensee herauskristallisiert. Das passt aber vielen Anwohnern im dünn besiedelten Nordteil der Stadt und Umweltschützern nicht. Eine See-Umfahrung würde am Naturschutz scheitern.

"Gegen den Verkehrslärm muss aber auf jeden Fall etwas getan werden", sagt Ewen. Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 192, die von bis zu 27 000 Fahrzeugen täglich genutzt wird und wichtige Zubringerstraße zu den Autobahnen nach Berlin und Hamburg ist. In der DDR gab es schon Brückenpläne, da fehlte aber das Geld. Damals wurde ein Drittel der Altstadt weggerissen, um die B 192 und die Bahnstrecke Berlin-Rostock wenige hundert Meter nach Norden zu verlegen - die Zufahrten im Osten und Westen der Stadt blieben eng.

Seit Jahren nimmt aber der Lkw-Verkehr zu. Ein Lärmgutachter hat errechnet, dass die Ortsumgehung für 12 000 Menschen - fast die Hälfte der Stadt - eine Beruhigung bringen würde - darunter auch rund 1000 Anlieger, deren Werte im gesundheitsgefährdenden Bereich liegen. Dagegen müssten 4000 Anwohner, die bisher sehr ruhig leben, leicht erhöhten Lärm hinnehmen.

Trotzdem lassen die Gegner der Ortsumgehung nicht locker. Sie bezweifeln generell den Nutzen einer Umgehung und verlangten, dass der Abstimmungstermin verschoben wird. "Ich kann das verstehen, Emotionen gehören dazu", sagt Ewen.

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