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Mecklenburg-Vorpommern

20. August 2017 | 13:48 Uhr

"Sturmvogel" übernimmt Brutpflege

vom

Schwerin | Schwarzer Vogel auf weiß-rotem Grund. Weithin sichtbar wehte zum Jahreswechsel 2009/2010 die Fahne des "Sturmvogel - Deutscher Jugendbund" über dem Camp bei Grammow im Landkreis Bad Doberan. Etwa 40 Kinder, Jugendliche und Betreuer waren zusammengekommen, um in Uniformen und im deutsch-völkischen Geiste das neue Jahr zu begrüßen. Die von Rostocker linken Antifa-Gruppen arlamierte Polizei stellte nach eigenen Angaben "keine Anhaltspunkte für Straftaten oder Kindeswohlgefährdung" fest. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Beim Verfassungsschutz ist der "Sturmvogel" nicht unbekannt. Die Organisation hat ihre Wurzeln in der rechtsextremen "Wiking-Jugend", der auch der NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, angehörte.

Nach den Erfahrungen von Karl-Georg Ohse vom Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg haben Organisationen wie der "Sturmvogel" längst die Folgen des Verbots der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) vom Frühjahr 2009 kompensiert. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die HDJ verboten, um die Indoktrination von Kindern und Jugendlichen mit rassistischen und fremdenfeindlichen Ideen zu behindern. "Die Veranstaltungen finden weiter statt, nur werden sie inzwischen anders organisiert", berichtet Ohse. Neben dem "Sturmvogel" gehört auch der "Heimatbund Pommern" und die "IG Fahrt und Lager" der Jungen Nationaldemokraten (JN) zu den Organisatoren der rechten Kinder- und Jugendarbeit. Die Lager würden inzwischen häufiger ins Ausland beispielsweise nach Schweden oder in die Schweiz verlegt, so Ohse. So erklärt sich, warum das Schweriner Innenministerium gestern auf Anfrage mitteilte, dass in diesem Jahr weder im Land noch im Bund Ferien lager im Zusammenhang mit der verbotenen HDJ stattgefunden haben.

Die Szene in Mecklenburg-Vorpommern ist mit dem Verbot vorsichtiger und konspirativer geworden, meint auch Tatiana Volkmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle Rechtsextremismus am Institut für Politikwissenschaften der Universität Greifswald. So würde beispielsweise der in Ostvorpommern und im Uecker-Randow-Kreis aktive "Heimatbund Pommern" seit dem Verbot nicht mehr offen auf seiner Internetseite für Ferienlager und Wandertage werben.

In Mecklenburg-Vorpommern stand die HDJ der rechtsextremen NPD besonders nahe. So zählten zu den prominenten Anhängern der HDJ die NPD-Landtagsabgeordneten Tino Müller und Stefan Köster. Im August 2008 war ein HDJ-Lager bei Güstrow von der Polizei aufgelöst worden. Daraufhin hatte der Landtag die Landesregierung aufgefordert, sich für ein bundesweites Verbot einzusetzen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) begrüßte eine gestrige Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht, die eine Klage gegen das HDJ-Verbot abgelehnt hatte: "Das Gericht bestätigt, dass den verfassungsfeindlichen Umtrieben dieser Organisation zu Recht Einhalt geboten worden ist", sagte Caffier.

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erstellt am 01.Sep.2010 | 07:57 Uhr

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