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"Sebastian" tobt über Norddeutschland : Sturm reißt Bäume in Westmecklenburg um

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Sturmtief „Sebastian“ tobt sich über Norddeutschland aus. Mecklenburg-Vorpommern kam zunächst glimpflich davon. Doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh.

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 17:30 Uhr

Sturmtief „Sebastian“ hat sich am Mittwoch über Mecklenburg-Vorpommern ausgetobt und zahlreiche Bäume umgerissen. In Westmecklenburg musste die Feuerwehr etwa zwei Dutzend Bäume von den Straßen räumen. Auch im Landesosten knickte der Sturm Bäume um und riss Äste ab. Menschen wurden aber nicht verletzt, wie Sprecher der Polizeipräsidien in Rostock und Neubrandenburg am Nachmittag sagten. Die Fährreederei Scandlines sagte ihre Fahrten zwischen Rostock und Gedser bis Donnerstagfrüh ab. Am Donnerstag soll um 11.00 Uhr der Fährbetrieb wieder anlaufen.

Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia wurden bis zum Nachmittag Windspitzen der Stärke acht bis neun gemessen. „Das ist nichts Dramatisches“, sagte Meteorologe Stefan Kreibohm auf der Insel Hiddensee. „Das ist ein ganz normaler Sturm.“ Der Schwerpunkt von „Sebastian“ wurde für den Abend und die ersten Nachtstunden erwartet. Dann könne es im Binnenland zu Böen bis zur Stärke neun bis zehn und an der Küsten von zehn bis elf kommen, sagte Kreibohm.

Die Polizei im Land mahnte Fußgänger und Autofahrer zu besonderer Vorsicht. „Beim Aufenthalt im Freien ist in den nächsten Stunden größere Umsicht geboten“, warnte Sprecher Klaus Wiechmann am frühen Nachmittag. „Dachziegel könnten im Einzelfall von Häusern auf Gehwege fallen sowie Äste von Bäumen abbrechen.“ Autofahrer sollten insbesondere auf Alleen und Waldstrecken defensiv und vorausschauend fahren.

Am Abend hieß es aus den Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg, dass bis 19.30 Uhr keine größeren Schäden zu verzeichnen gewesen seien. Im nördlichen Bereich von Vorpommern habe es einige Feuerwehreinsätze gegeben - ohne „größere Schadensereignisse“, sagte ein Polizeisprecher.

 

Orkantief „Sebastian“ wütet über weiten Teilen Deutschlands

ls erster großer Herbststurm des Jahres hat Orkantief „Sebastian“ mit großer Kraft über Norddeutschland gewütet.

Züge und Fähren fielen am Mittwoch aus, und auch der Verkehr auf den Autobahnen wurde durcheinandergewirbelt. In Hamburg wurde ein Mann von einem Baugerüst erschlagen. Orkanböen etwa an der Nordsee kamen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auf bis zu 140 Stundenkilometer.

In Hamburg und an der nordfriesischen Küste erwartete das Bundesamt fu?r Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für den Abend eine Sturmflut, die „zu leichten Überschwemmungen“ auf dem Hamburger Fischmarkt führen könnte, teilte das BSH mit.

Umgestürzte Bäume, geschlossene Kitas, abgesagte Sportveranstaltungen: Einige fühlten sich an Orkan „Christian“ erinnert, der 2013 über Norddeutschland und Nordeuropa gewütet hatte. Damals starben mehrere Menschen, die Sachschäden allein in Schleswig-Holstein gingen in die Millionenhöhe.

Die Feuerwehr wurde in Schleswig-Holstein und Hamburg im Minutentakt auf den Plan gerufen. Zwischen 12.00 und 19.15 Uhr seien die Einsatzkräfte in der Hansestadt gut 350 Mal ausgerückt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. „Wir hatten in den Spitzenzeiten 230 Notrufe pro Stunde.“ Vor allem umgestürzte Bäume sowie herabgefallene Äste und Gerüstteile machten der Feuerwehr demnach zu schaffen. Mehrfach hätten die Einsatzkräfte Straßen und Bahngleise freiräumen müssen.

Nach Hunderten Einsätzen entspannte sich am Mittwochabend die Situation in Schleswig-Holstein. Aus allen vier Regional-Leitstellen hieß es gegen 20.00 Uhr, dass es ruhiger werde. „Es flaut mittlerweile ab“, sagte etwa ein Sprecher der Regional-Leitstelle West. Bis zum Abend verzeichnete die Polizei in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg 189 sturmbedingte Einsätze.

Von der Regional-Leitstelle West hieß es, es habe „locker mehr als 230 Einsätze“ gegeben, vor allem an der Nordseeküste in den Kreisen Dithmarschen und Steinburg. Im Bereich der Regional-Leitstelle Süd mit Lübeck und den Kreisen Ostholstein, Lauenburg und Stormarn rückten die Einsatzkräfte bis etwa 20.00 Uhr 168 Mal wegen des Sturms aus. Von der unter anderem für Kiel zuständigen Leitstelle Mitte waren zunächst keine genauen Zahlen zu bekommen.

Die Stadt Flensburg empfahl, am Nachmittag und frühen Abend lieber zu Hause zu bleiben. Die städtischen Kindergärten wurden geschlossen, den Schulen wurde dies empfohlen. In Nordfriesland beendeten einige Schulen früher den Unterricht. Auch Sportveranstaltungen wie die Leichtathletik-Kreismeisterschaften der U12 im Flensburger Stadion wurden abgesagt.

In der Hamburger Innenstadt begrub ein umgestürztes Baugerüst einen Passanten unter sich. Der 38-Jährige erlitt tödliche Verletzungen. Nach Angaben der Feuerwehr hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Windböen vom Dach des siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst.

<p>Passant wird erschlagen: Wegen starker Windböen hatte sich in Hamburg ein Baugerüst vom Dach eines siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst. Teile trafen einen  38 Jahre alte Mann. </p>

Passant wird erschlagen: Wegen starker Windböen hatte sich in Hamburg ein Baugerüst vom Dach eines siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst. Teile trafen einen  38 Jahre alte Mann.

Foto: dpa
 

Am Elbanleger Blankenese stürzte ein Rollstuhlfahrer in die Elbe.

Taucher hätten den Mann tot aus dem Fluss geborgen, teilte die Feuerwehr mit. „Ein Suizid ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen“, sagte ein Polizeisprecher.

In Wyk auf Föhr wurde eine 70 Jahre alte Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel. Ein Ziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf sein Auto und zerschlug das Glasdach. Der Mitarbeiter hatte den Wagen kurz zuvor verlassen.

Selbst die sturmerprobten Hallig-Bewohner ließ „Sebastian“ nicht ganz kalt. Das laue Lüftchen habe sich gewandelt zu einem richtig kräftigen Sturm, sagte Erco Lars Jacobsen von der Hallig Hooge. Es sei unangenehm, dass der Sturm dieses Jahr sehr früh da ist.

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff nicht erreichbar. Die Fähren von Büsum, Cuxhaven und Bremerhaven fuhren wegen des Wetters nicht, teilte die Reederei Cassen Eils mit. Auch der Hochgeschwindigkeits-Katamaran „Halunder Jet“ stellte die Verbindung von Hamburg nach Helgoland ein.

Auch zahlreiche Bahnverbindungen fielen aus, unter anderem waren die Regionalbahnen zwischen Hamburg und Flensburg, Kiel und Flensburg sowie Lübeck und Puttgarden nach Angaben der Bahn betroffen. Auch viele Verbindungen des Anbieters Metronom wurden gestrichen. Zudem fielen Fernverkehrsstrecken nördlich von Hamburg etwa nach Westerland aus. Vielerorts lagen laut Bahn Gegenstände im Gleis. Auch in Hamburg sorgte „Sebastian“ zeitweilig für Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr. Und der Sylt Shuttle der Bahn und der Konkurrent von der RDC stellten ihre Fahrten nach Sylt am Nachmittag ein.

Die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal wurde nach einem Lkw-Unfall komplett gesperrt - und damit die A7 in beide Richtungen.„Da zudem die Gefahr bestand, dass der Anhänger wegen des Sturmes über die Brücke geweht werden könnte, wurde zusätzlich der Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal gesperrt“, hieß es in einer Polizeimitteilung.

Und sogar die Branchenmesse Wind Husum musste sich am Mittag dem Sturm geschlagen geben: Aus Sicherheitsgründen wurden die vier Leichtbauhallen geschlossen. „Wir sind in Husum an stärkeren Wind gewöhnt, nicht umsonst sind wir die Heimat der Windindustrie. Aber Sturm “Sebastian„ hat uns zu dieser Reaktion gezwungen“, sagte Messe-Geschäftsführer Peter Becker.

 

Pressemitteilung Polizei

Scandlines

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