Berufliche Schulen : Stundenkürzung vor der Prüfung

Übervolle Arbeitszeitkonten, Krankheit und Auszubildenden-Nachmeldungen belasten berufliche Schulen

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21. März 2014, 21:16 Uhr

Im Sommer wollen sie ihr zweijähriges Fachschulstudium zum Techniker in der Richtung Maschinentechnik mit dem Schwerpunkt Konstruktion abschließen. Doch nun geht bei den Schülern der Klasse TMT 21 der Beruflichen Schule Technik in Schwerin die Angst um: Vier Monate vor den Prüfungen wurden ihnen zwei Unterrichtsstunden pro Woche gekürzt, eine davon im Schwerpunkt- und damit Prüfungsfach. Ohnehin, so die Schüler, sei der Unterrichtsausfall schon recht hoch.


An Berufsschulen generell mehr Ausfall


Allerdings: Laut Bildungsministerium liegt die Berufliche Schule Technik im Landesdurchschnitt. „In den letzten Jahren lag der Unterrichtsausfall an beruflichen Schulen zwischen fünf und sechs Prozent“, so Sprecher Henning Lipski. „Im beruflichen Bereich ist der Ausfall in der Regel höher als an allgemein bildenden Schulen, weil die hohe Spezialisierung der Berufsausbildung bei Krankheit zu Vertretungsproblemen führen kann.“

Im konkreten Fall allerdings sehen die Schüler eine andere Ursache: Eine Berufsschulklasse hätte aufgrund ihrer Größe geteilt werden müssen, nachdem sich Ausbildungsbetriebe beschwert hatten. „Da die verfügbaren Lehrstunden bereits auf alle vorhandenen Klassen aufgeteilt worden waren, mussten… wie auch bei uns Unterrichtsstunden gestrichen werden, damit die neue Klasse entstehen konnte“, schreiben die Schüler unserer Zeitung.

In der Tat müsse sie die Schüler aller fünf Bildungsgänge gleichberechtigt versorgen, bestätigte Schulleiterin Petra Voß. Richtig sei, dass es eine Klassenteilung gab, nachdem durch Nachmeldungen eine Klasse auf 35 Schüler angewachsen war. Richtig sei auch, dass für die neue Klasse keine Lehrerstunden mehr zur Verfügung standen – deshalb mussten überall welche „zusammengespart“ werden. Allerdings bemühe man sich, den Ausfall im Schwerpunktfach der TMT 21 durch Vertretungsunterricht so gering wie möglich zu halten. Eine Alternative wäre gewesen, dass Kollegen sich Mehrarbeit auf Arbeitszeitkonten gutschreiben ließen – aber das habe das Bildungsministerium abgelehnt. Ohnehin hätte die Schule noch immer an Arbeitszeitkonten zu knapsen, die im Zuge des Lehrerpersonalkonzeptes angefallen wären. Bei einzelnen Kollegen hätten sich – je nach Fachrichtung – zwischen 100 und 600 Stunden angesammelt. „Wenn die alle abgebaut sind, haben wir auch kein Personalproblem mehr“, betont Petra Voß.


Bald verbindliche Anmeldetermine?

 

Auch dieses Problem ist bekannt und sei für die Landesregierung mit ein Grund gewesen, den Ausstieg aus dem Lehrerpersonalkonzept an beruflichen Schulen um drei Jahre auf den 1. August 2014 vorzuziehen, versichert Ministeriumssprecher Henning Lipski. Neben dem Abschmelzen der langfristigen Arbeitszeitkonten sei selbstverständlich auch eine Überstundenvergütung möglich. Die entsprechenden finanziellen Mittel stünden zur Verfügung. Bei Lehrern allerdings ist diese Variante unbeliebt, weil die Vergütung weit unter der regulären liegt.

An der Beruflichen Schule Technik prüfe das Ministerium zurzeit, ob die durch die Schulleitung ergriffenen Maßnahmen angemessen und alternativlos waren. Eine Gefährdung der Ausbildung sei nach jetzigem Kenntnisstand allerdings nicht erkennbar, behauptet Lipski. Das Problem wäre nicht entstanden, wenn die Auszubildenden und ihre Betriebe sich rechtzeitig zur Planung des Schuljahres angemeldet hätten und so die Neubildung einer Klasse nicht nötig gewesen wäre, weist er Schuld zurück. „Wir werden daher prüfen, ob wir im Interesse eines geordneten Schulbetriebes künftig verbindliche Anmeldetermine an den beruflichen Schulen in Kraft setzen.“ Allerdings weist Lipski darauf hin, dass eine Folge wäre, dass Schüler, die nicht rechtzeitig einen Vertrag vorlegen, nicht mehr nachträglich an einer Schule aufgenommen werden könnten.

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