Hochschule Wismar : Studieren nur per Mausklick

 Josephine Schröder studiert  Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg. Für etwa 70 Prozent ihres Selbststudiums nutzt sie die Onlineplattform. In Wismar gibt es von Oktober an erstmals 100-prozentige Online-Fernstudiengänge. Foto: Udo Zander
Josephine Schröder studiert Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg. Für etwa 70 Prozent ihres Selbststudiums nutzt sie die Onlineplattform. In Wismar gibt es von Oktober an erstmals 100-prozentige Online-Fernstudiengänge. Foto: Udo Zander

Keine überfüllten Hörsäle, keine Probleme wegen verpasster Vorlesungen, keine weiten und teuren Anfahrtswege - das Fernstudienzentrum Wings hat die ersten 100-prozentigen Online-Studiengänge ins Leben gerufen.

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11. Mai 2012, 10:49 Uhr

Keine überfüllten Hörsäle, keine Probleme wegen verpasster Vorlesungen, keine weiten und teuren Anfahrtswege - das Fernstudienzentrum Wings der Hochschule Wismar hat die nach eigenen Angaben bundesweit ersten 100-prozentigen Online-Studiengänge ins Leben gerufen. An der Net.Uni können Interessierte vom Wintersemester 2012/13 an berufsbegleitend zunächst Betriebswirtschaft sowie Management von Non-Profit-Organisationen und Gesundheitseinrichtungen ausschließlich im Internet studieren, wie Net.Uni-Direktor Prof. Thomas Wilke gestern in Wismar sagte. Weitere Fachrichtungen seien in Planung.

Die Lehre findet demnach in Form von Online-Vorlesungen und Live-Videokonferenzen statt, die jederzeit abrufbar sind. Die Module werden im Studio aufgenommen. Das Ganze soll interaktiv gestaltet werden - zum Beispiel mit Testfragen und Übungsaufgaben. Je nach eigener Zeiteinteilung dauern die Bachelor-Studiengänge sechs oder acht Semester. Lediglich zu den Prüfungen müssen die Studenten anwesend sein. Dazu stehen ihnen bundesweit mehrere Termine an vier Standorten zur Verfügung. "Damit haben wir das derzeit modernste Fernstudienangebot auf dem deutschen Markt, das Berufstätigen eine große Flexibilität ermöglicht", meinte Wilke. Mehr als 100 Interessenten hätten sich bereits gemeldet, etwa ein dutzend Bewerber aus dem ganzen Bundesgebiet seien schon eingeschrieben.

"Die Net.Uni stärkt den Hochschulstandort Mecklenburg-Vorpommern", sagte Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei von MV. Das Land leiste dafür eine Anschubfinanzierung von jeweils 100 000 Euro in den Jahren 2012 und 2013. Die Idee eines Online-Studienangebotes am Standort Schwerin habe sich dagegen als nicht machbar erwiesen, weil es keinen Hochschulpartner gegeben habe. Der Software-Experte Alfons Rissberger wollte in der Landeshauptstadt die erste virtuelle Universität Deutschlands installieren. Gespräche habe es auch mit Vertretern anderer Hochschulen im Land gegeben, so Meyer. Für Wismar habe jedoch die vorhandene Infrastruktur des Wings-Fernstudienzentrums sowie die Flexibilität der Organisatoren gesprochen.

Viele seiner Kollegen hätten neben ihrer regulären Arbeit selbst die Initiative ergriffen, um das Internet-Studium in die Tat umzusetzen, sagte Prof. Norbert Grünwald, Rektor der Hochschule Wismar. Die Hochschule steuert seinen Angaben zufolge weitere 100 000 Euro bei. Danach soll sich das Geschäftsmodell selbst tragen. Die online-basierte Lehre sieht Grünwald nicht als Konkurrenz zu den Präsenzstudiengängen, sondern als eine "ideale Ergänzung". Die Zielgruppe könne um die zunehmende Zahl von jungen Leuten erweitert werden, die sich ihr Wissen am liebsten per Computer aneigneten. Zudem seien die Online-Inhalte auch für andere Studenten abrufbar. "Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger", so der Rektor. Dieser Entwicklung wolle die Hochschule Wismar Rechnung tragen.

Wings-Geschäftsführer Prof. Manfred Ahn verspricht sich von dem neuen Angebot auch eine weitere Stärkung des Fernstudienzentrums. Derzeit sind seinen Angaben zufolge mehr als 3000 Studenten bei Wings eingeschrieben. Es gebe jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich 22 Prozent. Mit dem Ausbau der Online-Studiengänge wolle man das Ziel vorantreiben, die Studentenzahl bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln.

Die Online-Studenten benötigen demnach nur einen PC und einen Standard-Internetanschluss. Derzeit werde daran gearbeitet, dass die Vorlesungen auch per Smartphone abrufbar seien.

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