Gesundheitsreport : Studienstress macht depressiv

Es klappt nicht:  Die Abbruch-Quote beim Bachelor ist hoch.
Es klappt nicht: Die Abbruch-Quote beim Bachelor ist hoch.

Junge Leute an Hochschulen in MV aber weniger anfällig als anderenorts

Karin.jpg von
12. August 2015, 08:00 Uhr

Studierende in Mecklenburg-Vorpommern haben ein robusteres Gemüt als ihre Kommilitonen in anderen Bundesländern. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) für ihren aktuellen Gesundheitsreport ermittelt hat, erkranken hierzulande nur 5,1 Prozent der Studierenden an einer Depression. Der Durchschnitt aller Bundesländer liegt bei 7,3 Prozent, in den führenden Stadtstaaten Berlin und Hamburg sind es sogar 8,6 bzw. 9,1 Prozent, betont TK-Landesgeschäftsführerin Manon Austenat-Wied.

Allerdings: Wird hierzulande bei einem Studenten erst einmal die Diagnose Depression gestellt, bekommt er deutlich mehr Medikamente verordnet als in irgendeinem anderen Bundesland. 306 Tagesdosen je Studierendem im Jahr 2014 stehen im Bundesdurchschnitt lediglich 255 Tagesdosen gegenüber. Auffällig auch: Wird bei Studierenden hier im Land die Diagnose Depression gestellt, werden ihnen ein Viertel mehr Medikamente verordnet als gleichaltrigen Erwerbstätigen.

„Studieren ist Stress“, weiß Austenat-Wied. Zeitdruck und die Belastung durch Nebenjobs, mit denen die jungen Leute ihr Studium finanzieren müssten, seien ebenso Auslöser wie der Megatrend zur Digitalisierung. „Wer die digitale Welt in der Freizeit bewusst draußen lässt, fühlt sich weniger gestresst“, zitiert die Landesgeschätsführerin das Ergebnis einer Studie. Die Kasse versuche deshalb gezielt, ihren Versicherten an Universitäten und Hochschulen Medienkompetenz zu vermitteln.

Die Ursachen für den dennoch vergleichsweise guten Gesundheitszustand der Studierenden in unserem Bundesland dürften mannigfaltig sein und werden von dem Report nicht erfasst, so Austenat-Wied. Zum einen spielt sicher die sehr viel bessere Betreuungsrelation im Nordosten eine Rolle: Während an den Unis in MV ein Dozent im Schnitt zehn Studenten betreut, sind es in Nordrhein-Westfalen mit 19 fast doppelt so viele. Je besser die Betreuungsrelation, umso schneller werden Abschlüsse erreicht – je länger aber ein Studium dauert, umso höher ist auch die Gefahr einer Depression. „Bei den über 30-Jährigen ist bereits jeder zehnte Studierende betroffen“, weiß Austenat-Wied, „bei Frauen, die in diesem Alter oft auch schon Mütter sind, ist es sogar jede Sechste.“

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