Mitten im Leben : Studentenleben mit über 70 Jahren

Vor etwa 300 Studenten spricht Dr. Helmut Winkler, Dozent der Zoologie, über seine Exkursionen zum Weißen Meer.
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Vor etwa 300 Studenten spricht Dr. Helmut Winkler, Dozent der Zoologie, über seine Exkursionen zum Weißen Meer.

Ute Schreiber studiert mit 540 Kommilitonen an der Seniorenakademie Rostock

svz.de von
07. Juni 2016, 12:00 Uhr

Eigentlich ist Ute Schreiber eine typische Studentin. Sie nimmt an Seminaren teil und besucht eine wöchentliche Vortragsreihe der Universität Rostock. Das Außergewöhnliche daran? Ute Schreiber wird keinen Abschluss machen, sie ist auch keine Gasthörerin. Die 73-Jährige ist Studentin der Seniorenakademie Rostock. Zusammen mit derzeit rund 540 Mitstudierenden, deren Durchschnittsalter bei 70 Jahren liegt, sitzt die ehemalige Pharmazieingenieurin frei nach dem Motto „Man lernt nie aus“ noch mal im Hörsaal.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur eine Hand voll von Bildungseinrichtungen, die nach dem Modell der Seniorenakademie arbeiten. Träger sind zumeist Seniorenvereine oder Universitäten. So auch bei der Seniorenakademie in Rostock, die seit 1994 mit jedem Semester mehr Studenten verzeichnen kann.

Doch wo genau ist der Unterschied zu anderen Hochschulprogrammen wie „Studieren ab 50“? „Bei uns sind die Seniorstudierenden in den Seminaren und Vorlesungen nicht mit Jüngeren kombiniert“, erklärt Michaela Wolf, Mitarbeiterin der Akademie. „Sie sind in den Veranstaltungen unter sich, sie sind unter Gleichgesinnten“, so die 28-Jährige.

In den Seminaren und Vorlesungsreihen behandeln Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter unter anderem literarische Themen wie „Gesichter der Sucht im Werk von Hans Fallada“. Aber auch technische Arbeitskreise wie „Internet und Bildbearbeitung“ erfreuen sich großer Beliebtheit. „Ich besuche seit einigen Semestern einen Englischkurs“, erzählt Ute Schreiber enthusiastisch. „Ich war auch schon im Botanikkurs und in Kursen zur chinesischen Medizin und zur Stadtentwicklung Rostocks.“ Zwischen 31 und 56 Euro zahlen Ute Schreiber und ihre Mitstudenten pro Kurs im Semester. Durch diese Veranstaltungsentgelder wird die Akademie finanziert.

Wie viele Kurse sie pro Semester besuchen will, entscheidet Ute Schreiber selbst. Seit sechs Jahren studiert sie bereits an der Seniorenakademie der Universität Rostock. „Es ist ein unheimlich gutes Angebot, um sich weiterzubilden.“ Manchmal sagen die Themen der Vortragsreihe der 73-Jährigen nicht zu. „Aber dann gehe ich trotzdem hin und bin hinterher immer wieder erstaunt wie gut und interessant das war“, sagt die Seniorstudentin lächelnd. Solange es ihre Gesundheit erlaubt, will Ute Schreiber weiter studieren. „Es ist ein toller Anlaufpunkt und man hat keinen Druck, weil man keine Prüfungen schreibt oder einen Abschluss macht.“

Auch an diesem Abend sitzt Ute Schreiber wieder im Audimax, dem größten Hörsaal der Uni, und lauscht dem Vortrag von Dr. Helmut Winkler, der über seine Exkursionen zum Weißen Meer referiert.

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