Studenten verarzten plüschige Patienten

<strong>Schnelle ärztliche Versorgung:</strong> Natalie Bayer und Elisabeth Nissen erklären Organe am zwei Meter großen Plüschteddy. Foto: Nicole Pätzold
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Schnelle ärztliche Versorgung: Natalie Bayer und Elisabeth Nissen erklären Organe am zwei Meter großen Plüschteddy. Foto: Nicole Pätzold

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05. Juni 2012, 05:31 Uhr

Rostock | Teddy ist krank, matt, abgeschlagen, die Situation scheint ernst. Aber Hilfe naht. Die "Obärärzte" wollen sich seiner annehmen. Ein Organisationsteam aus zirka 15 engagierten Studenten hat mit dem Teddybärenkrankenhaus ein ruhendes Studentenprojekt der Universitätsklinik in Rostock wieder ins Leben gerufen. Von Donnerstag bis Sonntag werden dadurch rund 120 Medizin- und Zahnmedizinstudenten die kleinen plüschigen Freunde der Kinder auf dem Gelände der Uniklinik betreuen und den Kindern so die Angst vorm Arztbesuch nehmen.

"Wir hoffen, dass wir mehr als 1000 Kinder hier begrüßen können", sagt Felix Bock. Und denen wollen der Medizinstudent und seine Kommilitonen einiges bieten. Sie haben einen kleinen hölzernen Magnetresonanztomographen (MRT) gebaut, kleine Operationsliegen, Spritzen, Op-Besteck bereit gelegt. Auch das Stethoskop kommt zum Einsatz. Dadurch, dass die Medizinstudenten einen kleinen Trick anwenden, mit dem Finger den Rücken des Plüschtiers drücken, können die Kinder sogar einen echten Herzschlag hören. "Denn Teddy hat ja auch ein Herz", sagt Elisabeth Schöne vom Organisationsteam. Sie brennt für das Projekt, überlegt sich in Richtung Kinderchirugie zu spezialisieren. "Es ist wichtig, dass unsere Medizinstudenten den Umgang mit Kindern lernen, das ist ein wichtiger Aspekt für die Lehre", sagt Prof. Emil Reisinger, Dekan der Unimedizin.

Hauptsächlich sollen mit dem dreitägigen Großprojekt Zwei- bis Sechsjährige angesprochen werden. "Sinn und Zweck ist es, Ängste abzubauen, die kleine Kinder vor Ärzten oder Kitteln haben", sagt Prof. Peter Schuff-Werner, ärztlicher Vorstand der Unimedizin. Mit den Sorgen der Kinder sind auch schon die Studenten vertraut. "Wenn ein Kind mal in die Röhre muss, hat es meistens große Angst", sagt Debora Scholübbers. Wenn der Teddy das aber schon vorher geschafft hat und der kleine Patient weiß was auf ihn zukommt, könne die Angst davor geschmälert werden.

Am Donnerstag und Freitag zwischen 9 und 19 Uhr werden angemeldete Gruppen aus Rostock und dem Landkreis in der Teddybärenklinik betreut. Am Sonnabend können zwischen 9 und 13 Uhr auch unangemeldete Patienten kommen. Die Kleinen bringen ihre Stofftiere mit, besprechen in einem Anamnese-Gespräch mit dem Teddydoc die Beschwerden des kuschligen Patienten, eventuell wird Blut abgenommen, ein Ärmchen geschient oder im Ernstfall werden kleine Wunden wieder zusammengeflickt. Ein Highlight wird der Riesenteddy sein. Studentin Elisabeth Marie Nissen hat in liebevoller Arbeit einen 2,05 Meter großen Teddy und seine zwei kleinen Brüder mit lebensechten Organen bestückt, sie einzeln nachgenäht. So können sich Kinder spielerisch mit Anatomie vertraut machen. Auch ein Rettungswagen kann besichtigt werden und die Zahnmediziner erklären an Nilpferdplüschdame Dentista richtiges Zähneputzen.

Finanziert wird das Projekt von der Fakultät und der Uniklinik.

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