„Wohnen für Hilfe“ : Studenten suchen Vermieter

Hilfe im Garten – nur eine Möglichkeit der „Mietzahlung“
Hilfe im Garten – nur eine Möglichkeit der „Mietzahlung“

„Wohnen für Hilfe“: Startschwierigkeiten beim ostdeutschlandweit einmaligen Projekt in Greifswald

Karin.jpg von
06. März 2015, 20:53 Uhr

Statt in harter Währung wird mit Hilfe im Haushalt, gemeinsamen Spaziergängen oder Gartenpflege bezahlt: „Wohnen für Hilfe“ ist ein Projekt, das weltweit und in Deutschland vor allem im Süden und Westen in Universitäts- und Hochschulstädten verbreitet ist. In Ostdeutschland dagegen gibt es das Angebot bislang nur ein einziges Mal – und auch hier, in Greifswald, steht es seit einem Dreivierteljahr lediglich auf dem Papier.

Am mangelnden Interesse der Studierenden liegt das nicht. In der Hansestadt, in der Wohnheimplätze und bezahlbare Mietwohnungen besonders knapp sind, würden sich immer wieder junge Leute nach dem „Wohnen für Hilfe“ erkundigen, weiß Sarah Poller, Referentin für Soziales, Wohnen und Studienfinanzierung beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). „Allerdings machen wir das Ganze nicht, um die Wohnraumsituation zu entspannen – das könnten wir gar nicht leisten.“ Hinter dem Projekt stehe vielmehr ein sozialer Gedanke: Pro Quadratmeter bezogenen Wohnraums hilft der „Mieter“ monatlich eine Stunde lang im Haus oder auf dem Grundstück. Welche Arbeiten genau zu verrichten sind, kann individuell vereinbart werden, lediglich Pflegeleistungen sind ausdrücklich ausgenommen. Die einzigen Unkosten, die dem „Mieter “ entstehen, sind die Nebenkosten für seinen Verbrauch an Gas, Wasser und Strom.

Doch offenbar lässt sich mit klassischen Untermietverhältnissen mehr verdienen – oder das Zusammenleben rechtlich eindeutiger regeln: „Wir konnten bisher noch niemanden gewinnen, der einen Studenten bei sich aufnimmt“, bedauert Sarah Poller. Dabei seien gerade die ersten zwei, drei Wohngemeinschaften immens wichtig für das dauerhafte Gelingen des Projekts: „Alles wird einfacher, wenn es Referenzobjekte gibt – und damit Ansprechpartner, die aus eigener Erfahrung die Vorteile dieser Wohnform schildern können“, ist die AStA-Referentin überzeugt. Sie hätte bereits in allen lokalen Zeitungen inseriert und eine Woche lang auf Greifswald-TV für das generationenübergreifende Projekt geworben. Bei Optikern, Ärzten und in Pflegestützpunkten würden Info-Flyer ausliegen. „Jetzt versuchen wir es auch noch über die Kirchgemeinden und den Frauenstammtisch hier in der Stadt“, zählt Sarah Poller auf. Denn schließlich wende sich „Wohnen für Hilfe“ nicht nur an Seniorinnen und Senioren, Auch Singles, Alleinerziehende, Familien oder Menschen mit Behinderung könnten davon profitieren, einen Studenten aufzunehmen. Das Projektbüro im AStA würde bei der Vorauswahl der Wohnpartnerschaften helfen und ein erstes Zusammentreffen auf neutralem Boden organisieren. „Wir bieten auch Unterstützung beim Vertragsschluss sowie Vermittlung bei eventuellen Konflikten an“, wirbt Sarah Poller. Anders als in vielen westdeutschen Kommunen managen sie und ihre Mitstreiter im AStA das Projekt ehrenamtlich – auch deshalb wäre es schade, wenn es scheitern würde, bevor es richtig beginnt. „Aber noch denken wir nicht daran aufzugeben“, gibt sich die Studentin kämpferisch.

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