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Bildung : Studenten in MV hapert es an Mathe und Deutsch

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Aus der Onlineredaktion

Hochschulen bemängeln Kompetenzen neuer Studenten. Tutorien und Vorkurse sollen Probleme beseitigen

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Im September und Oktober starten an den Fachhochschulen und Universitäten die frisch gebackenen Abiturienten in das Studentenleben. Nicht alle sind gut darauf vorbereitet, bemängeln die Hochschulen. Die Fähigkeiten der Studenten würden sich erheblich unterscheiden, beobachtet Professor Dirk Engel, Prorektor für Studium und Lehre an der Hochschule Stralsund. „Gerade im ersten Hochschulsemester besteht die Gefahr, dass diese Studenten abgehängt werden.“

An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald suchen jährlich etwa 6,5 Prozent der Studenten die Studienberatung auf, weil sie Probleme im Studium haben. Früher seien diese Probleme auf eine echte Überforderung zurückzuführen gewesen, sagt Uni-Sprecher Jan Meßerschmidt.„Heute ist das der mangelnden Bereitschaft gewichen, sich mit komplexen Problemlagen auseinanderzusetzen.“

Um einer falschen Studienwahl vorzubeugen, arbeitet die Hochschule Neubrandenburg mit den Gymnasien der Stadt und der Region zusammen. „Gerade zum Schuljahresende hatten wir wieder zahlreiche Klassen an ihren Projekttagen bei uns, um vor allem auch den Praxisbezug unserer natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge zu verdeutlichen“, erklärt Sprecherin Christine Manthe. Das wissenschaftliche Arbeiten müsse von den meisten erst erlernt werden, dazu gebe es Grundlagenkurse im ersten Semester. „Dennoch sind selbstständiges Arbeiten, freies Vortragen und das Verfassen von Texten mit Quellennachweisen Kompetenzen, die mit Studienbeginn sehr wichtig sind“, betont Manthe. Probleme bestünden auch im Fach Mathematik, das unter anderem für die Studiengänge Geodäsie und Messtechnik, Geoinformatik und Lebensmitteltechnologie benötigt wird. Hier biete die Hochschule einen Vorkurs an. „Übungen sind fester Bestandteil der Stundenpläne und werden wie alle Lehrveranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht von einem Großteil der Studenten besucht“, verdeutlicht Manthe. Darüber hinaus gebe es in fast allen Studiengängen Tutorien.

Auch die Universität Rostock sieht Defizite – ebenfalls in Mathematik sowie in der Schreibkompetenz der Studenten. „Es existiert für alle Studienanfänger der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer ein Vorkurs in Mathematik, um Vorkenntnisse aufzufrischen und den Einstieg in das Studium zu erleichtern“, sagt Hochschulsprecherin Kristin Nölting. Darüber hinaus gebe es ein Wahlmodul zur Förderung der Schreib- und Sprachkompetenz. „In vielen Fächern werden auch Schreibkurse angeboten. An der Theologischen Fakultät besteht zum Beispiel der Wahlkurs ,Kompetenzen für Studium und Beruf’“, sagt Nölting. Prinzipiell setze die Universität auf die Unterstützung erfahrener Studenten, die den „Erstis“ als Tutoren und Mentoren zu Seite stehen.

Besondere Hilfe für den Studienstart gibt es auch in Stralsund. Dazu gehört unter anderem ein Mathematik-Vorkurs, der in der Regel von der Hälfte der neuen Studenten besucht würde, sagt Dirk Engel. Erfahrungsgemäß bereite das Fach Mathematik die größten Probleme, sodass während des Semesters Übungen angeboten werden. „Beginnend ab dem kommenden Wintersemester gibt es erstmals einen Workshop zum effektiven und richtigen Umgang mit mathematischen und wissenschaftlichen Texten im Studium“, informiert Engel. Dies sei ein Resultat aus der mangelnden Lesekompetenz der Studenten. „Studienanfänger lesen wissenschaftliche Texte wie einen Roman“, verdeutlicht Engel. Hinzu kämen Defizite hinsichtlich der Schreibkompetenz: „Viele deutsche Studenten haben Schwierigkeiten mit der deutschen Rechtschreibung und Grammatik.“ Engel wünscht sich von den Schulen, dass sie im Bereich der Studien- und Berufsorientierung aktiver werden und parallel Fähigkeiten wie selbstständiges und strukturiertes Lernen stärken.

Zahlen und Fakten: Semesterstart an den Hochschulen
Die Hochschule Stralsund rechnet mit 700 Erstmatrikulationen. Die meisten Bewerbungen seien für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge eingegangen, aber auch die Fächer IT-Sicherheit, Mobile Systeme sowie Motorsport Engineering seien beliebt. Die Universität Rostock hat im kommenden Semester 1594 Studienplätze zur Verfügung, bisher seien knapp 8500 Bewerbungen eingegangen. Die beliebtesten Fächer sind : Biowissenschaften, Medizinische Biotechnologie, Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie Lehramt-Fächer. Bis zum 30. September laufen die Einschreibungen für zulassungsfreie Studiengänge. Die Hochschule Neubrandenburg verzeichnet im Wintersemester 2017/18 insgesamt 188 freie Studienplätze. Bisher lägen die meisten Bewerbungen für die Bachelor-Studiengänge Soziale Arbeit, Early Education, Agrarwirtschaft, Gesundheitswissenschaften sowie Naturschutz und Landnutzungsplanung vor. Bis zum 31. August ist die Online-Bewerbung noch möglich. An der Uni Greifswald sei das Interesse an den Fächern Medizin, Pharmazie und Psychologie am größten. Greifswald hat aber auch zwei ganz neue Studiengänge im Angebot: Bachelor Betriebswirtschaftslehre und Bachelor Management und Recht . Die Einschreibungsphase ist noch offen. Die Hochschule hofft, zum Semesterstart auf insgesamt 10 000 Studenten zu kommen.
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