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Verbraucher in MV ab 2012 mit zusätzlich Millionen Euro belastet : Stromkunden zahlen Millionen der Großfirmen

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Steigende Stromrechnung für hundertausende Kunden im Norden: Die milliardenschwere Befreiung der süd- und westdeutschen Schwerindustrie von so genannten Netzentgelten kommt Verbraucher in MV teuer zu stehen.

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erstellt am 28.Nov.2011 | 12:13 Uhr

Schwerin | Steigende Stromrechnung für hundertausende Kunden im Norden: Die milliardenschwere Befreiung der süd- und westdeutschen Schwerindustrie von so genannten Netzentgelten kommt Verbraucher in MV teuer zu stehen. Für die per neuem Gesetz vereinbarte auf 500 bis eine Milliarde Euro geschätzte Einsparung für energieintensive Unternehmen in Deutschland müssen Privatkunden, aber auch nahezu alle klein- und mittelständischen Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern ab 2012 jährlich schätzungsweise mehr als zehn Millionen Euro zusätzlich bezahlen.

Allein die etwa 140 000 Kunden des mecklenburgischen Regionalversorgers Wemag werden mit etwa drei Millionen Euro im Jahr belastet, sagte Wemag-Vorstand Caspar Baumgart. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte Großunternehmen beispielsweise in der Stahl- und Chemieindustrie mit einem Verbrauch von mehr als zehn Millionen Kilowattstunden zugesagt, sie künftig komplett von den Netzkosten zu befreien. Kleinverbraucher sollen deshalb höher belastet werden. Verkehrte Welt: Ausgerechnet jene Großunternehmen, die die Netze am meisten belasten, werden künftig sogar noch entlastet.

Energiewende auf Kosten des Nordens

Unternehmen mit einem derart hohen Stromverbrauch sind in MV allerdings kaum ansässig. In Westmecklenburg würde von der Regelung voraussichtlich lediglich ein Unternehmen profitieren, sagte Baumgart.

Die Wemag werde voraussichtlich ab Frühjahr 2012 die Strompreise erhöhen, kündigte Baumgart an. Das sei keine unternehmerische, sondern eine politische Entscheidung. Es sei ungerecht, dass die zusätzlichen Netzausbaukosten für die Energiewende "ausschließlich den Privatkunden und kleinen Unternehmen aufgehalst werden", kritisierte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, die Entscheidung: "Die Bundesregierung lässt die privaten Verbraucher die Zustimmung der Großindustrie zum Atomausstieg teuer bezahlen."

Die von Schwarz-Gelb beschlossene Mehrbelastung für Privatkunden verschärft die ungleiche Verteilung der Netzkosten zulasten des struktur- und einkommensschwachen Nordostens. So müssen Verbraucher im einkommensschwachen Mecklenburg-Vorpommern zwar künftig für die Ausfälle in der süddeutschen Großindustrie aufkommen, das reiche Süddeutschland aber nicht für die milliardenschweren Kosten des vor allem im Norden erfolgten Ausbaus der erneuerbaren Energien. Deutschland habe zwar die Energiewende beschlossen, die Kosten bleiben aber vor allem am Norden hängen, erklärte Baumgart.

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