Sozialverbände warnen : Strom wird zum Luxusgut

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Steigende Strompreise und wachsende Energieschulden: Aus Sicht von Sozialverbänden in MV besteht dringender Handlungsbedarf, damit Strom für Geringverdiener und Arbeitslose im Land nicht zum Luxusgut wird.

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04. Juni 2012, 10:19 Uhr

Schwerin/Rostock | Steigende Strompreise und wachsende Energieschulden: Aus Sicht von Sozialverbänden und Schuldnerberatungen in MV besteht dringender Handlungsbedarf, damit Strom für Geringverdiener und Arbeitslose im Land nicht zum Luxusgut wird. Weitere Belastungen durch die Energiewende in Deutschland würden das Problem sonst drastisch verschärfen, hieß es gestern.

So sind die Energiekosten in MV bereits 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent gestiegen. Die Schuldnerberatungsstellen im Nordosten zählten im vergangenen Jahr 2219 Fälle von Strom- und Heizkostenschulden - 2008 waren es noch 1590 Fälle. Laut Verbraucherportal preisvergleich.de wird Strom außerdem aktuell bei bundesweit 44 Anbietern mit über 200 Tarifen teurer - im Schnitt ab Juni um 4,7 Prozent. Als Grund für die saftigen Aufschläge geben die Versorger das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an, das die Kosten von Windrädern, Solar- und Biogasanlagen per Umlage an die Stromkunden weitergibt. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erwägt deshalb Staatshilfen zum Schutz vor explodierenden Stromkosten und will nun mit den Wohlfahrtsverbänden über die Situation in einkommensschwachen Haushalten reden.

Nach Meinung von Hartmut Storrer, Sozialreferent bei der Caritas Mecklenburg, gibt es nur zwei Möglichkeiten, um das Schlimmste zu verhindern: "Entweder die Preiserhöhungen werden verboten oder die Hartz-IV-Regelsätze werden so ausgestattet, dass sie die steigenden Energiekosten abdecken." Schon jetzt gebe es hier ein Missverhältnis. Das bestätigt auch Nicolas Mantseris, Schuldnerberater bei der Caritas in Neubrandenburg. Dort hatten 2011 etwa ein Drittel aller Ratsuchenden Energieschulden, wie der Berater berichtet. Es könne nicht sein, dass steigende Preise diejenigen am härtesten treffen, die ohnehin schon benachteiligt sind, meint auch Bernd Tünker, Vorsitzender der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in MV.

Nach Schätzungen des Paritätischen Gesamtverbands haben die Energieversorger 2011 rund 200 000 Langzeitarbeitslosen den Strom gesperrt. Für das Land gibt es keine Vergleichszahlen. Die Neubrandenburger Stadtwerke zählten aber beispielsweise 2011 rund 900 Sperrungen in ihrem Netz. Bei der Stadtwerke Rostock AG lag die Sperrquote bei insgesamt 135 647 Anschlüssen unter zwei Prozent.

Bei einer Familie in Valluhn (Kreis Ludwigslust-Parchim) mündeten nicht bezahlte Stromrechnungen im März dieses Jahres in ein Drama: Ein Notstromaggregat leitete giftige Abgase ins Haus, der 16-jährige Sohn wurde schwer verletzt.

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